Mein Leben als Gründer – Episode 1: „Und davon kann man leben?“

2013 gründeten Tim und Dörte Schabsky das WorkInn in Dortmund. 2015 kommen weitere Standorte hinzu

Meine Firma Work Inn wird bald 1,5 Jahre alt. Höchste Zeit die Erfahrungen, Erfolge, Enttäuschungen, Freuden, Frustrationen und Fehler zu verarbeiten und mit anderen Gründern zu teilen. Teil 1 widmet sich meiner Lieblingsfrage: „Und davon kann man leben?“ Wenn man sich mit einer auch nur etwas innovativeren Geschäftsidee, wie wir mit Coworking, selbstständig macht, ist diese Frage so sicher wie das Amen in der Kirche.

2013 gründeten Tim und Dörte Schabsky das WorkInn in Dortmund. 2015 kommen weitere Standorte hinzu

2013 gründeten Tim und Dörte Schabsky das WorkInn in Dortmund. 2015 kommen weitere Standorte hinzu

Wir haben wirklich Monate lang an unserem Geschäftsmodell gefeilt, den Markt analysiert, den Kundennutzen definiert, eine Marketingstrategie entworfen, kalkuliert, weitere Informationen gesammelt, nochmal kalkuliert, und so weiter und so fort. Als Ergebnis stand für uns dann: „Ja, es könnte klappen.“ Darauf folgte noch eine intensive Episode der gemeinsamen, offenen Entscheidungsfindung. Abwägen von Chancen und Risiken. Was machen wir wenn es nicht funktioniert? Wie ist der Plan B? Was würde ein Scheitern für meinen Lebensplan, meine Finanzen und mein Ego bedeuten? Was würde Erfolg für meinen Lebensplan, meine Finanzen und mein Ego bedeuten? Und wäre es das wert? Die wohlüberlegte Antwort lautete: „Ja, verdammt!“

Und jetzt stehe ich da, auf einem Netzwerkevent, einer Party oder einer Familienfeier und erzähle stolz von meiner kleinen Firma und unseren großen Plänen. Dabei ist es unvermeidlich, dass in mindestens 3 von 10 Unterhaltungen sich ein Gesprächspartner findet der einem maximal zwei Minuten zuhört und dann, ohne auch nur einen Hauch von Scham- und Taktgefühl, diese eine Frage stellt: „Und davon kann man leben?“. Er hätte mir auch einfach direkt wahlweise Wahn- oder Schwachsinn attestieren können.

Was kann ich darauf antworten? „Nein, kann man nicht ich mache das alles nur so zum Spaß!“ oder „Stimmt, jetzt wo du es sagst, eigentlich kann man ja gar nicht davon leben. Danke für den Hinweis. Ich glaub ich lass es lieber!“ sind zwar ausreichend sarkastische Antworten spiegeln aber in keiner Weise meine Gemütslage wider. Diese entspricht in solchen Situationen mittlerweile in etwa der des Kalifen von Medina beim Anblick des Sonderbandes Die 1001 schamlosesten Mohammed Karikaturen – naked edition. Um die Party nicht zu sprengen (hier im übertragenden Sinne gemeint) bleibt nur der taktische Rückzug: „Oh, das Buffet ist fast leer. Jetzt muss ich mich aber beeilen, sonst muss meine Familie diese Woche hungern.“

Die Wahrheit ist natürlich, dass es sich erst noch herausstellen muss ob ich langfristig und nachhaltig „davon leben“ kann. Das liegt in der Natur der Sache. Ein Investor, Steuer- oder Unternehmensberater kann mir diese Frage gerne stellen, aber erst nachdem er meinen Business Plan durchgearbeitet, Einsicht in meine Finanzbuchhaltung genommen und sich ein paar Stunden mit mir unterhalten hat. Jeder andere sollte sich diese Frage sparen. Ich habe meinen Schulkollegen Daniel Marx auch nie gefragt ob man von einem Reiseblog leben kann. Er kann – und ca. 100 Angestellte auch.

One thought on “Mein Leben als Gründer – Episode 1: „Und davon kann man leben?“

  • Reply Newsletter der SteadyNews vom 3. März 2015 - Steadynews | Steadynews 10. März 2015 at 11:29

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