Politische Facebook-Debatten: Immer noch von Männern dominiert – Schluss damit!

In meiner Facebook-Filterblase (also in der „Kneipe“, in der ich das Hausrecht habe) wird viel über gesellschaftliche, politische und mediale Herausforderungen debattiert. Ob Zukunftsvisionen, ethische Fragen, Politik oder Religion… meine Facebook-Freunde und ich nutzen gern die Kommentare, um unsere Meinung zu finden, zu überprüfen, unsere Sichtweise mit Unterstützung der Anderen zu erweitern. Das alles im öffentlichen Raum – bereit, neue Ansichten zu lesen und darüber nachzudenken. Meistens kennen sich diese Freunde von mir untereinander nicht. Mir bedeuten diese Debatten viel.

Manchmal führen die lösungsorientierten Auseinandersetzungen auch dazu, dass die Kommentatoren sich untereinander vernetzen und sogar kennenlernen. Über nichts lernt man sich so rasch kennen wie über das Abklopfen gemeinsamer Werte. Das ist es, was ich an Facebook so schätze.

In Facebook-Debatten authentisch seine Meinung vertreten?

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An „fremden“ Debatten bei Facebook beteilige ich mich seltener. Häufig herrscht hier ein Ton vor, der mich abschreckt. Ich schrecke dann davor zurück, meine Meinung offen zu vertreten und anderen Kommentatoren zu widersprechen. Ich weiß, dass ich mich damit einer ermüdenden destruktiven Rechtfertigungsdebatte aussetzen müsste – das vermeide ich tunlichst.

In politischen Debatten dominieren eindeutig die Männer

Fast überall in den politischen bzw. gesellschaftlichen Auseinandersetzungen bei Facebook dominieren Männer und der Ton ist rau und lauernd angreifend. Besonders auffällig ist, wie häufig die intellektuelle Leistungsfähigkeit der anderen Kommentatoren und Kommentatorinnen in Frage gestellt wird. Als müsste man einer unsichtbaren Autorität etwas beweisen.

Interessieren sich Frauen nur für „Kinder-Küche-Kirche?

Frauen wird (zu recht) oft vorgeworfen, dass sie sich lieber für traurige Schicksale, für leidende Tiere, für Haushalts-Tipps und für moralisierende Kalenderspruch-Posts interessieren. In den entsprechenden Kommentarthreads dominieren die weiblichen Facebook-User. „Helft diesem halb verhungerten Pony“, „Weise die zurück, die Dich nicht lieben“, „Sieh, wie schön Du Dein Heim schmücken kannst für Deine Liebsten“ . Extrem emotionale Posts scheinen weibliches Engagement magnetisch anzuziehen. Themen rund um Deko, Kochen und Backen sind ein Tummelplatz der weiblichen Facebook-User. Auch hier beteilige ich mich nicht.

Gehören Frauen an den Herd?

Ich gebe zu, dass ich mich da oft genug für mein Geschlecht schäme, weil es alle Vorurteile bestätigt, die die „herrschende Klasse“ von Frauen hat: Frauen gehören an den Herd, Frauen lieben Schnulzen, Frauen sind intellektuell unterlegen, Frauen sind irrational, Frauen wollen der Familie dienen, Frauen sind fixiert auf ihre sexuelle Attraktivität und auf die Beifall erzeugende Attraktivität der sie umgebenden Materie.

So viele Frauen, die selbstbestimmt leben und schaffen!

Doch ich weiß, dass es viele Frauen gibt, die sich aus diesen jahrtausendealten Rollenmustern herausgearbeitet haben. So viele Frauen, die Haupternährer ihrer Familien sind. So viele Frauen, die nicht nur für Schule, Universität und Arbeitgeber ihre Meisterleistungen erbringen – sondern für sich persönlich: selbstbestimmt und intrinsisch motiviert. So viele Frauen, die sich für die Gesellschaft einsetzen und sich politisch und kulturell für eine bessere Welt engagieren! So viele erprobte Kämpferinnen, die sich nicht durch einen Mann ernähren lassen können, weil das ihr Stolz nicht zulässt.

Meine Bitte an uns Frauen: Lernen wir zu debattieren!

Ich habe eine Bitte an diese Frauen: Bitte lasst uns üben, uns in die männlich dominierten politischen und gesellschaftsgestaltenden Debatten einzubringen – online wie offline. Ich habe gemerkt, dass es bei Facebook ziemlich einfach ist, das zu üben. Facebook ist sozusagen ein kostenloser Rhetorikkurs, um destruktive Spalter und Angreifer zur Raison zu bringen. Denn im Gegensatz zum direkten Gespräch kann man seine Erwiderung bei Facebook planen, so wie man einen Blogbeitrag gestaltet.

Debatten sind keine Zeitverschwendung

Tatsächlich lohnt es sich durchaus, sich Zeit zu nehmen für eine Antwort, die den Angreifern Respekt und Rückzug gebietet. Tatsächlich ist es möglich, „Angeber-Kommentar-Threads“ in konstruktiv lösungsorientierte Threads zu verwandeln, wenn man den Bogen raus hat. Mir ist es schon einige Male gelungen – und ich werde durch die Erfolge mutiger und auch besser. Besonders glücklich bin ich, wenn sich dann auch die „Angreifer“ entspannen und Lust bekommen auf ein MITEINANDER! Das sind meine Highlights.

Ist es Zeitverschwendung, so etwas zu tun? Natürlich hat man nicht immer Zeit dafür, und es wäre sicher langweilig, andere Freizeitgestaltungen wie Sport oder Geselligkeit durch Online-Debatten zu ersetzen. Doch es gibt viele Themen, die gesellschaftlich relevant sind. Gerade jetzt leben wir in einer Zeit, die es erfordert, Stellung zu beziehen und nicht weltweit den „Rechten“ das Feld zu überlassen.

Die sich zu Wort melden sind die, die Einfluss nehmen

Ich bin überzeugt davon, dass gesellschaftliche Strömungen von denen gesteuert werden, die die Meinungsflut aktiv gestalten. Das sind zum Einen die, die die Medien produzieren, aber es sind auch die Bürger/innen, die sich abseits der offiziellen Meinungsvorgabe einbringen. Da kann manchmal ein einziger Satz – oder eine einzige Idee ausreichen, um Bewusstsein zu bringen, so wie bei #metoo oder #aufschrei.

Von Rosa Parks und anderen Frauen lernen

Rosa Parks löste eine schwarze Bürgerrechtsbewegung aus, weil sie im Bus sitzen blieb, und Anne Frank veränderte weltweit die Einstellung zur Judenvernichtung mit ihrem Tagebuch. Bitte lasst uns üben, uns einzubringen in Debatten bei Facebook und Twitter. Schreckt nicht vor Angriffen zurück. Habt keine Angst. Lernt, Verhöhnungen als das zu verstehen was sie sind: „Ein Schrei nach Liebe“.

Übt Social-Media-Debatten so wie man körperliche Selbstverteidigung übt. Es stärkt und mit der Zeit geht frau immer häufiger als „Siegerin“ aus destruktiven Rechthaberei-Debatten hervor. Lernt Eure Macht kennen und zeigt klare Kante. Bleibt standhaft, wenn das Männliche Euch entgegentritt nach dem Motto „Was willst Du denn, Du Opfer?“

In diesem Sinne auf ein verspieltes Jahr 2018: Wenn wir die Welt nicht gestalten, wird sie uns gestalten. Und ich glaube nicht, dass wir das wollen…

Machen wir es den Mutigen nach – so wie Georg Restle, Leiter des ARD-Politmagazins „Monitor“. Da waren so bereichernde Kommentare unter meinem geteilten Facebook-Post. Lesen wir uns bei Facebook? Ich würde mich freuen.

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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