Stochern im Nebel: Ruhr:HUB

Christian Spließ, Social Media Manager, Duisburg: Letzte Woche gab das Land NRW bekannt, dass es sogenannte Digital Hubs fördern möchte. Da stellte ich natürlich als Social Media Manager und jemand, dem die digitale Entwicklung der eigenen Stadt sowie der Region am Herzen liegt, natürlich beide Ohren auf. Nach den üblichen Verdächtigen – Köln und Düsseldorf waren schon irgendwie klar – kam dann auch die Reihe ans Ruhrgebiet.

Gut versteckt ist schlecht gefunden

Letzte Woche stelle sich dann die Frage, wie das genau im Ruhrgebiet aussehen soll. Denn hier hatten sich wohl 9 Städte insgesamt für das Projekt beworben. War nun geplant in allen Städten einen Digital Hub zu installieren? War eine übergreifende Zusammenarbeit geplant? Das stand en Detail nicht in den Informationen, die das Land NRW lieferte. Am Tag der Verkündigung des Ergebnisses selbst habe ich dann mal alle Presseinformations-Angebote der Städte abgeklappert. Nichts. Auf der Seite von Duisburg etwa findet sich bis heute keine einzige Information darüber, dass man erfolgreich an einem Wettbewerb teilnahm, der die Region digital nach vorne bringt. Seltsam, dachte ich mir und forschte noch mal genauer nach und dann fand ich doch noch einen Artikel, der auf der Seite der Stadt Essen zu finden ist.

Also wenn man tief genug auf der Seite herumsurft, findet man den. Er steht nicht auf der Startseite und ist auch offenbar nicht direkt in einer der Kategorien verlinkt. Er findet sich unter den Pressemitteilungen und selbst dort ist er in der Auflistung schon weiter unten, weil natürlich ständig Pressemitteilungen der Stadt vergeben werden. Seltsam. Da gewinnt man einen Wettbewerb und kann sich damit brüsten, kann das eigene Image für die Stadt erweitern und dann versteckt man die Meldung unter ferner liefen auf der Webseite? Kein Wunder, dass ich für den ersten Artikel letzte Woche einiges mutmaßen musste – ich bin zwar Rechercheprofi, aber….

Details, Details, ich brauche mehr Details

Image from page 458 of "The Bell System technical journal" (1922)Steht jetzt genau konkret in der Pressemitteilung, was man als Betreiber des Ruhr:HUB – nur echt mit Großschreibung und Doppelpunkt – für die Region vorhat? Immerhin muss es doch, wenn sich 9 Städte im Pott beworben haben mindestens ein Konzept geben. Es ist ja nicht so, dass man einfach nur Bitte sagt und die Fördergelder kommen geflossen. Man muss schon jede Menge Arbeit in Konzepte stecken. Man bewirbt sich um Job ja auch mit einem Anschreiben und dem Lebenslauf.

Allerdings: Was genau der Ruhr:HUB plant oder wie das in Zukunft aussehen soll – das bleibt vage. „Dank der Implementierung eines kooperativen Digital HUB könnten die sechs Städte die Potenziale ihrer Standorte noch besser ausschöpfen und ihre Digitalkompetenz national und international vermarkten. Geplant sind hierbei neuartige Formaten wie FutureCamps und Matching-Events, um Start-ups, Gründer, Mittelstand und Industrie nachhaltig vernetzen.“ Immerhin: Es ist ein kooperativer Hub. So klar war das bisher nicht. Also müssten eigentlich die Städte gemeinsam zusammenarbeiten, werter Watson. Es geht dem Hub auch um das Ausschöpfen von (bisher vorhandenen) Potentialen. Das Vermarkten der Digitalkompetenz.

Klingt alles nett, ist aber nichts was wirklich greifbar wäre. Selbst die Begriffe FutureCamp und Matching-Event werden nicht erklärt sondern einfach nur hingeschrieben. Gut, Matching-Events dürfte die gute alte Visitenkarten-Party sein, aber FutureCamps? Anstatt, dass man konkret auflistet was man vorhat bleibt man im Vagen. Und das ist – ich überstrapaziere das Wort mal – seltsam. Fürchtet man die anderen Hubs könnten einem die Ideen klauen, wenn man etwas Konkreter wird?

UDE und ComIn – konkrete Absichten? Fehlanzeige.

Da ja offenbar eine Verknüpfung von Forschung, Wissenschaft und anderem gewünscht ist, ist es sinnvoll dass die UDE an Bord ist. Die Universität Duisburg-Essen. In welcher Form und wie allerdings ist nicht klar. Jetzt ist mir die UDE nicht unbedingt als die fortschrittlichste Uni in Sachen Digitalkultur aufgefallen – sind die Medienforscher noch in Duisburg am Campus? – aber vermutlich geht es eher um Ausgründungen direkt aus der Uni. Studenten, die eine Idee haben, die wirtschaftlich genug ist, dass sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen.

Das ComIn musste ich erstmal googlen. Das war mir überhaupt kein Begriff. Laut Selbstdarstellung ist das ComIn folgendes:

Das ComIn start ist das Kompetenzzentrum für Kommunikation und Informationstechnologie in Essen. Es steht für ein kooperatives Miteinander von Existenzgründern, etablierten Unternehmen und Weiterbildungseinrichtungen aus der IT- und Kommunikationsbranche und soll Synergien zwischen allen Beteiligten schaffen und verstärken.

Ich schrieb ja schon im letzten Artikel, dass die Vernetzung beim Ruhr:HUB nun nichts Neues ist. Initiativen wie das ComIn gibts in jeder Stadt eigentlich. Und auch hier ist auf der Webseite sonst nichts über den Digital Hub zu lesen oder zu erfahren.

Geheimniskrämerei

Warum – so stellt sich die Frage nach der bisherigen Auswertung der Quellen – warum veranstaltet man solch eine Geheimniskrämerei um das Ganze? Die Stadt Essen vergräbt das Thema unter vielen anderen Pressmitteilungen und hebt es nicht besonders hervor. Projektteilnehmer geben nicht bekannt, dass sie daran beteiligt sind. Als interessierter Bürger habe ich das Gefühl, dass hier bewußt Dinge unter den Teppich gekehrt werden und dass das großartige neue Format der Digital Hubs gar nicht so neu und großartig ist.

Denn offenbar läuft alles darauf hinaus, dass man in den einzelnen Städten die Bestrebungen und Bemühungen, die schon vorhanden sind – das ComIntern gibts ja nicht als Neugründung seit gestern – einfach nur an einer zentralen Stelle bündelt. Das ist keine schlechte Idee, aber das entspricht nicht den großen Erwartungen die man hat, wenn man das Wort Digital Hub das erste – und zweite – und dritte Mal hört.

Nun hängt der Erfolg natürlich davon wie engagiert die Mitarbeiter sind und vielleicht wird das ja auch noch was. Das kann ich momentan halt schlecht beurteilen, weil ich nicht genau weiß welche Organisationen und Macher der jeweiligen Städte in Essen an der Uni aktiv werden. Die Befürchtung, es könnte sich um ein Programm handeln, bei dem es nur um die Fördermittel, weniger aber um das gemeinsame Voranbringen der Region geht, diese Befürchtung haben sich bei mir aber verstärkt. Vielleicht werden auch die Macher einbezogen, die nicht auf der großen Ebene der Politik auftreten und vor Ort schon mit Herzblut und allen Kräften das tun, was das Programm erst noch erreichen möchte. Aber das alles ist so vage und ungewiss, dass ich momentan eher nicht geneigt wäre am Digital Hub mitzuarbeiten. Mir erschließen sich auch die Vorteile noch nicht so ganz, was aber daran liegt dass ich persönlich ein gutes Netzwerk habe. Mal schauen, was die Tage kommt.

Foto: Image from page 458 of „The Bell System technical journal“ (1922) – Flickr-Commons

10428652_909696752374293_5401521222185380255_nChristian Spließ, Social Media Manager, machte schon Social Media als es noch Web 2.0 hieß. Seit 2004 beobachtet er die aktuellen Entwicklungen und hilft mit Rat und Tat, wenn es darum geht Inhalte kompetentgenau an die Zielgruppe zu vermitteln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.