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Von Menschen, die das Schreiben brauchen – und von denen, die es öffentlich tun… 0

Als Mädchen und Jugendliche war ich Tagebuch-Schreiberin. In den Wirrnissen der Pubertät war mein Tagebuch ein wichtiger Rückzugsort, an dem ich ehrlich, ungeschminkt und subjektiv all das ausdrücken konnte, was mich bewegt. Anders als bei Gesprächen mit Freundinnen gibt das Aufgeschriebene keine Rat-„Schläge“, lenkt nicht mit eigenen Meinungen und Erfahrungen ab, bewertet nicht und erwartet nichts.

Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

Eine zweite Phase des Tagebuch-Schreibens kam, als ich mein Leben mit Ende Zwanzig komplett umwarf. Es waren schwere Entscheidungen, die ich traf und das Schreiben half mir, mich zu prüfen, ob ich wirklich bereit bin, die Konsequenzen meines Handelns zu tragen.

Ich spürte in dieser langen Zeit schon direkt beim Schreiben, ob ich ganz hinter den Worten stand. Floss es aus mir heraus, war es „echt“, musste ich länger über eine Formulierung nachdenken, waren die Gefühle und Gedanken noch nicht ausgereift. Manchmal schrieb ich halbe Nächte durch (damals mit Papier und Füller) und ich erinnere mich, wie ich einmal mit der linken Hand die rechte abstützen musste, weil sie nach vielen Stunden des Schreibens so erschöpft war.

2007 kam dann der Blog – und ich wurde sichtbar…

2007 dann startete ich diesen Blog. Seitdem schreibe ich nur noch mit der Tastatur, und seitdem schreibe ich nur noch öffentlich. In den allermeisten Beiträgen ging und geht es um Themen, die mit meinem Business zu tun haben. War es zunächst ganz allgemein die Aufgabe, Menschen aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit zu begleiten, wurde es ab 2011 der Change in die digitale Kommunikationskunst. Wie kann ich diese neuen Instrumente nutzen, um meine Berufung zu leben und um meine wirtschaftlichen/ beruflichen Ziele bestmöglich zu verfolgen?

Vom öffentlichen Schreiben als Freiheitsweg

Seit ich öffentlich schreibe, fühle ich mich wie befreit. Mein Lebensmotto ist schon seit Langem „Das beste Geheimnis ist eine offene Tür“ und ich habe sehr an Mut und Selbstvertrauen hinzugewonnen, seit ich meine Scheu vor fremden Blick und Bewertungen abbaue. Was soll mir schon passieren? Ich bin wie ich bin und ich bemühe mich, stets mein Bestes zu geben. Sollte das nicht reichen, dann bitteschön. Dann werde ich es zu spüren bekommen. Dann werde ich eben nicht mehr gebraucht (Hat auch seinen Reiz mit über sechzig 😉 ).

Forscher der eigenen Seele

Menschen die das Schreiben brauchen sind häufig Menschen, die sich gern beständiger Selbstprüfung unterziehen. Sie suchen nach dem optimalen Weg, um Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln in Übereinklang zu bringen. Sie suchen nach Lösungen mit ihren Gedichten, Geschichten, Fiktionen und Phantasien – sie sind Forscher der eigenen Seele.

Kann man vom Schreiben leben?

Menschen die im Web schreiben (bloggen oder in sozialen Netzwerken schreiben) sind bereit, sich dem öffentlichen Urteil auszusetzen. Sie sind bereit, sich mit offenem Visier mitzuteilen. Warum? Aus Eitelkeit? Aus finanziellen Interessen heraus? Sind sie süchtig nach Reichweite und Zustimmung?

Ja und nein. Wir öffentlich Schreibenden schreiben durchaus auch, weil wir nach Zuwendung und Bestätigung lechzen. Wir wünschen uns die Bestätigung, dass es wertvoll ist, was wir erschaffen und zur Verfügung stellen. Wir wünschen uns Gespräche, Ermutigungen, Kommentare, Begegnungen und immer größere Reichweite. Bei vielen (auch bei mir) sehnt sich ein Teil nach Berühmtheit und Würdigung all dessen, was in unsere Leidenschaft fließt. Könnte man vom Schreiben leben?

Ich habe das hier aufgeschrieben, weil mir eine meiner Studentinnen gerade eine Mail geschickt hat, die mich sehr bewegt hat. Sie ist Poetin und veröffentlicht ihre kleinen Gedichte und Aphorismen bereits bei Instagram. Sie ist jung und muss ihren Weg finden, beruflich und finanziell eine Zukunft aufzubauen. Wird sie irgendwann aufhören zu schreiben, weil Beruf, Privatleben, Familie zu dominant werden in der kurzen Zeit, die uns täglich zur Verfügung steht?

Sich weiter verbinden mit allen Menschen

Öffentlich schreiben heißt, sein Inneres auf links drehen. Vertrauen zu haben in die Menschen, die es lesen und bereit sein, Hohn und Missachtung zu ertragen. Ich liebe die Vorstellung, wir Menschen könnten uns so miteinander verbinden, dass wir mit einem komplett vernetzten „Menschheitsgehirn“ Übermenschliches vollbringen könnten. Nur Vertrauen und Liebe (sich miteinander vereinen) bringen die Welt in Ordnung und verhindern Zerstörung, Gewalt und Skrupellosigkeit.

Vielleicht sind die öffentlich Schreibenden die Pioniere, die uns allen vorausgehen bei dem Wunsch, keine Geheimnisse mehr voreinander zu haben. Selbstverständlich sind auch visuelle Werke voller Tragweite und Berührung – doch „Am Anfang stand das Wort“, und das ist nicht zufällig so. Sprache ist anders als ein Bild. Sprache ist der Ausdruck des Willens und der Transaktion. Sprache verhandelt und entwickelt, Sprache macht erst wirklich Sinn im gelebten Miteinander.

Probiert es einmal aus! Ein Blog ist schnell erstellt. In Verbindung mit sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram, YouTube oder dem guten alten Mail-Newsletter) kann man zumindest einen kleinen „Gesprächskreis“ aufbauen, der für alle Verbundenen wertvoll ist. Es kommt wie es kommt. Reichweite ist nicht wichtig. Qualität, Vertrauen und Intensität sind wichtig! Wendet Euch den Anderen zu, und die Anderen werden sich Euch zuwenden. Und Ihr werdet immer freier, da Ihr immer mutiger werdet in Eurer Bereitschaft, Euch „nackt“ zu zeigen.

Viele offen Schreibende wünscht sich

Eva Ihnenfeldt

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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