Was ist nachhaltiger: Barcamp oder Konferenz?

Impressionen vom BarCamp Düsseldorf bei der Rheinischen Post

Schön, wenn man vergleichen kann: Nachdem ich kürzlich auf der Next Level Conference unterwegs war – da betrachtet man Computerspiele eher unter dem wissenschaftlichen Aspekt und hat viel mit medienpädagogischen Ansätzen zu tun, das kann spannend sein – bin ich jetzt die Tage in Wien zum stARTCamp, einem Barcamp zum Thema Computer, Internet, Kultur und was man damit alles so machen kann. Was ich von den Vorträgen bei der Next Level Conference behalten habe? Puh, eigentlich – na ja – also – gut, ich könnte jetzt den Hashtag zur Veranstaltung nachschlagen, dann fällt mir sicherlich noch Manches ein, aber im Grunde genommen…

Das ist merkwürdig, oder? Konferenzen dienen ja eigentlich der Wissensvermittlung, man besucht die Vorträge und Workshops – falls es Workshops gibt – ja um sich selbst zu bilden und voranzubringen. Oder man wird von der Arbeitsstelle zu solchen Konferenzen geschickt in der Hoffnung, Multiplikator zu werden und das Wissen dann zu vervielfältigen. Oder so. Meistens aber fühlt man sich dann doch wie – wie – stimmt, wie der Heilige Antonius von Padua im Gedicht aus des Knaben Wunderhorn. „Die Predigt dermalen hat allen gefallen“, aber am Ende schwimmen die Fische, denen Antonius gepredigt hat, munter wie immer davon und haben sich nicht im Geringsten verändert. Sprich: Man hört zwar viel und man schreibt vielleicht noch einigen markante Stellen mit, aber Konferenzen haben halt diesen Predigt-Effekt an sich.

Bei Barcamps ist das nicht der Fall – jedenfalls bei mir und ich bin mir sicher, es hat seinen Grund warum die etwas offenere Form der Wissensvermittlung in Deutschland seit Jahren boomt. Zwar steht bei einem Barcamp in der Regel das Oberthema vorher fest – einige Barcamps sammeln auch vorab schon Themenvorschläge – aber wer da sein wird und wie das Programm sich dann gestaltet – das wird dann ja eigentlich erst am Tag oder an den Tagen selber offenbar. Sprich: Man trifft sich an einem vereinbarten Ort zu einem gemeinsamen Thema und erarbeitet die Programmgestaltung erst am Tag selbst. Das hat zwar den Nachteil, dass man nie genau weiß was einen erwartet – bei Konferenzen ist das Programm strikt durchgeplant und vorher bekannt – hat aber den interessanten Aspekt, dass man durchaus auch selber aktiv werden kann. Selbst wenn man nur eine Frage hat, eine Diskussionsrunde zum einem Thema kann genau so spannend sein wie ein Kurzvortrag.

Während man bei einer Konferenz nur passiver Teilnehmer ist – man sitzt halt rum und hört sich an, was vorne auf der Bühne vorgetragen wird – ist man bei einem Barcamp eher ein aktiver Teilnehmer. Das muss man nun nicht unbedingt sein, aber durch diese andere Erwartung ergibt sich auch eine anderen Atmosphäre. Während bei einer Konferenz dieses Atmosphäre erst – wenn überhaupt – in den Pausen aufkommt, wenn man bei einem Kaffee zusammensteht und darüber redet, was man so macht oder was einen bisher so beeindruckt hat, ist bei einem Barcamp diese Atmosphäre ständig gegeben. Es ist ein bisschen lockerer.

Die Frage, welches Format jetzt nachhaltiger ist wenn es darum geht Wissen zu vermitteln und weiterzugeben ist aus meiner Sicht eindeutig klar zu beantworten: Barcamps sind, weil man gemeinsam den Tag gestaltet und weil man vielleicht dann in eine etwas aktivere Rolle tritt als bei Konferenzen sicherlich für das Teilen von Wissen besser geeignet als Konferenzen. Das Kontakteknüpfen ist bei Barcamps sicherlich auch einfacher. Konferenzen haben den Vorteil, dass man von vornherein genau weiß, auf was man sich einlässt. Und wenn man fleißig mitschreibt hat man sicherlich auch das Ein oder Andere was man mitnimmt. Zudem sind Konferenzen sicherlich dann besser, wenn es nur um das reine Präsentieren von Dingen geht. Sicherlich hat das Ganze auch damit zu tun, dass die Form der Konferenz an sich auch besser für den Arbeitgeber oder für den, der die Mitarbeiter da hinschickt besser viermittelbarer ist. Ich erinnere mich noch an den Versuch, ein Barcamp als Fortbildungsveranstaltung genehmigen zu lassen – schön, das ist eine Weile her und das Format war damals noch relativ neu, aber bis man dann erklärt hat, dass man da hin muss weil – weil – na ja, es ist wirklich nicht einfach zu erklären warum das gefördert werden sollte. Mittlerweile müsste das aber einfacher sein. Hoffe ich.

Jedenfalls: Sicherlich haben beide Formate ihre Berechtigung. Aber müsste ich wählen und es gäbe zu einem Thema eine Konferenz und ein Barcamp – ich würde das Barcamp jederzeit vorziehen. Weil es einfach in meinen Augen mehr bringt. Aber das bin ja nur ich…

Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.

www.homo-narraticus.de

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