Home / Social Media / WLAN in der Strassenbahn oder Tu Felix Austria

Im Nachhinein hätte man mir vorwerfen können, ich hätte mir als Urlaubsort Linz ausgesucht, weil Linz extrem viele Hotspots hat. Und Linz, so war in den Oberösterreichischen Nachrichten zu lesen – eine Lokalzeitung, die allerdings weitaus mehr abdeckt als wir hier im Pott unter Lokalberichterstattung verstehen, denn so viel besiedelt ist ja Österreich auch nicht – Linz sei das Sahnehäubchen bei der Digitalisierung in Österreich. Nachdem ich den ersten Tweet per WLAN aus der Straßenbahn abgesetzt hatte, bin ich auch geneigt das zu glauben.

Nun ist es natürlich nicht möglich innerhalb weniger Tage in die Digitalisierungsbestrebungen eines Landes zu schauen, das eine Obergrenze für Ausländerzuzügler einführen möchte. Und Österreich liegt, was die EU betrifft, auf Platz 12 bei der Digitalisierung. Aber zwei Sachen, die mir aufgefallen sind…

Kontaktloses Bezahlen

Während RFID hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt: Das kontaktlose Bezahlen mit der Karte in Österreich ist kein Problem. Bei allen Supermarktketten – Billa (Netto), Hofer (Aldi), Spar, LIDL etc. pp. – kein Problem. Man kann ein Limit auf der Karte einrichten bis zu dem man dann Kleinstartikel bezahlt, ab diesem Limit greift dann die PIN. Das Bezahlen selbst ist schnell erledigt – Terminal finden, Karte drauflegen, fertig. Und es ist nicht ungewöhnlich.

Während wir in Deutschland die Geldkarte grandios den Bach runterfließen ließen, einige Bankomaten haben die Option gar nicht mehr und das Bezahlen von Briefmarken mit dem Chip geht auch nicht mehr, da die Deutsche Post das konsequent abgeschaltet hat, während wir also ans Bargeld gebunden zu sein scheinen ist das in Österreich offenbar etwas legerer. Über Vor- und Nachteile kann man trefflich streiten – muss jeder Einkauf trackbar sein? Da in Österreich aber auch Kundenkarten boomen – Billa mit seinem Club-Modell ist führend übrigens – haben Österreicher offenbar tatsächlich weniger Furcht davor Plastik zu benutzen.

Hotspots? Kein Problem

Vergessen Sie, lieber Leser, alles was Sie über von Städten betriebene Hotspots wissen. Wirklich. Denn sonst werden Sie neidisch sein auf die 2MB-Bandbreite, die kostenlos und unbegrenzt Surfen in Linz und auch in Freistadt erlaubt. Und die lästigen Registrierungen, wie die Telekom sie in der 2. Klasse der ICEs verlangt – die fallen weg. AGBs akzeptieren, klicken – fertig. Schon kann man in der Strassenbahn in Linz – richtig gelesen – Strassenbahn! – surfen und chatten bis die Haltestelle erreicht ist. Nun muss ich eingrenzen: Linz hat nur wenige Linien – wenn ich richtig gezählt habe 4, aber auf einigen Plänen war die 4. nicht mehr drauf und ich hab nur die 1 und 2 benutzt. Daher könnte der finanzielle Aufwand für das Ganze sich im Rahmen halten, anders als wenn man in Duisburg, Dortmund oder Essen die normale U-Bahn mit WLAN ausstatten würde.

Immerhin: Die Dichte an Hotspots ist in Linz beachtlich. Fast überall gibt es die städtischen Einwahl-Tore und wenn PokemonGo nicht so übertrieben ortsbasiert wäre und meinte, ich würde komplett neu anfangen – ich hätte das ein oder andere wohl gefangen. Für Freistadt galt das nicht unbedingt, aber auch hier gabs jede Menge Gelegenheiten online zu gehen. Abgesehen davon, dass ab und an Wald sogar LTE verfügbar war. (Falls jemand jetzt eine Digital-Detox-Debatte eröffnen möchte, diesen Jemand möchte ich darauf hinweisen, dass Wanderwege zwar in der Regel gut ausgeschildert sind, aber bisweilen die Markierer die Schilde so undeutlich aufgestellt oder gar nicht angebracht haben, dass man doch eine Wanderrouten-App beizeiten brauchen kann. Sonst wäre ich immer noch im Wald unterwegs und würde die Quellen des Brauwassers suchen… Danke.)

Tu Felix Austria

„Du glückliches Österreich!“ Seufz. Gut: ein Land, in dem ernsthaft über eine Zuzugsgrenze verhandelt wird, das wird eh keines, in dem ich leben wollen möchte. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass zumindest die Weichen für eine bessere Digitalisierung gelegt sind als hier in Deutschland. Vielleicht, weil sich in Österreich nicht drei Kaschperln – Entschuldigung – drei Minister natürlich um digitale Angelegenheiten kümmern und die Ziele in der digitalen Agenda so weich sind wie die Butter, wenn sie drei Tage in der Sonne liegt. Und sicherlich ist Österreich ein kleineres Land und hat andere Probleme. Definitiv. Jedoch: WLAN in der Strassenbahn? Die Telekom verspricht uns ja jetzt schon seit Jahren, WLAN in allen Klassen des ICEs kostenfrei anzubieten… Blieb bislang irgendwie auf der Strecke. Und natürlich schaltet man dann WLAN im ICE dann nach Passau auch komplett ab. Wozu braucht man auch WLAN in Österreich in einem Zug, der von der DB und der ÖBB gemeinsam… Vielleicht ist das schon der Denkfehler. Vermutlich.

Über Christian Spliess

Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.

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