YouTube Marketing für kleine Unternehmen -lohnt sich Werbung?

Lineares Fernsehen wird immer unbedeutender. Deutsche ab 18 Jahre sind im Durchschnitt täglich mehr als eine halbe Stunde bei YouTube. Bei ZDF und ProsiebenSat1 sind es täglich 43 Minuten, bei RTL 52 Minuten, bei der ARD 59 Minuten (laut YouTube-Leitfaden von Smarketer). Vor allem bei der jungen Zielgruppe unter 29 Jahren ist der TV-Konsum in den letzten zehn Jahren um 42 Prozent gesunken. Es ist also an der Zeit, sich mit YouTube-Marketing auseinanderzusetzen. Während große Marken ihr Budget immer mehr von TV-Werbung auf Online-Werbung – und speziell auf Video-Werbung verschieben, können auch kleine Unternehmen den Trend für sich nutzen.

Um zu verstehen, in welcher Form YouTube-Marketing lohnenswert ist, ist es sicher sinnvoll sich selbst zu beobachten:

  • Welche Werbung bei YouTube hat mich schon einmal berührt? Wo habe ich geklickt? Wo habe ich Kontaktdaten angegeben mit der Bitte um weitere Informationen? Wo hat sich eine Kaufabsicht ergeben? Wo habe ich zugegriffen und ein Produkt aufgrund der Werbung gekauft?
  • Wie sieht es aus mit Instagram oder alternativen Video-Plattformen wie TikTok? Reagiere ich da anders als bei YouTube auf werbende Videos? Was genau ist anders? Wie genau waren meine Reaktionen, wenn mich ein Produkt oder eine Marke interessiert?
  • Wann suche ich aktiv nach Videos bei YouTube, die mich auf eine Kaufentscheidung vorbereiten? Was muss ein Video erfüllen, um mich anschließend zum Kauf zu bewegen?

TV-Werbung versus YouTube-Werbung

Wir alle wissen, wie es ist, wenn man bei YouTube ein Tutorial, ein Fachgespräch, eine Unterhaltungssendung sieht, das ständig von Werbung unterbrochen wird. Es nervt. Natürlich empfinden viele Menschen auch bei ihrem TV-Konsum Werbung als lästig – doch aus mehreren Gründen ist der Mensch bei YouTube noch ungeduldiger und anspruchsvoller als beim linearen Fernsehen.

Wir haben uns an Werbeunterbrechungen im TV gewöhnt. Wir nehmen es hin, dass die Werbespots den Mainstream ansprechen und nicht individuell auf die Bedürfnisse des Zuschauers ausgerichtet sind. Wir freuen uns vielleicht sogar über manche TV-Spots – häufig, weil sie witzig, traurig, sensationell, erotisch oder romantisch sind. Häufig finden wir auch TV-Spots mit aktuellen Angeboten – da greifen wir eventuell sogar direkt zu. Sonderangebote gehen immer…

Doch bei YouTube ist es anders: Auf der einen Seite haben Anbieter die Möglichkeit, ihre Zielgruppe recht genau zu identifizieren durch intelligentes Targeting, auf der anderen Seite können sie nicht mit der Gutmütigkeit rechnen, die im TV herrscht. Der Internetnutzer will bekommen, was er gesucht hat. Er ist verwöhnt, erwartungsvoll, klickt schnell weg, wenn ihm etwas nicht passt. Das ist die Crux im Online-Marketing: Zielgruppenspezifische Ads so zu platzieren, dass sie im rechten Moment den richtigen Menschen treffen – und dass sie kreativen Content bieten, der positiv überrascht, – der Sympathie, Vertrauen und ein „Haben wollen“ im Zuschauer auslöst.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

Social Media Video-Marketing für kleine Unternehmen

Bei Instagram und TikTok sehen wir, dass das Video über das Bild triumphiert hat. In den Stories und TikToks nehmen wir sekunden- und minutenlang am Leben anderer Menschen teil. Wir erfreuen uns an kleinen Kunstwerken, die kaum länger sind als unser Impuls, etwas wegzuklicken. Langeweile wird vermieden, indem die Aufmerksamkeitsspanne wenig strapaziert wird.

Anders als beim unbewegten Bild folgen Auge und Ohr dem Bewegtbild automatisch – so wie man im Steinzeit-Urwald jeder Bewegung und jedem Geräusch folgte. Man weiß ja nie, was sich dahinter verbirgt… Bei Instagram und TikTok tun kleine Unternehmer also gut daran, Video-Sequenzen in Masse zu erzeugen. Nur immer darauf achten, dass sie sympathisch, vertrauensweckend und emotional sind. Und dass der Story-Konsument sich an den Namen des Unternehmens erinnert. Hat man erst die Herzen gewonnen, kann man auch besser ein Produkt direkt verkaufen – und das am Besten mit einer zeitlich befristeten Sonder-Aktion…

YouTube-Marketing für kleine Unternehmen

Bei YouTube erhalten Anbieter mit ihrem Kanal eine Art Video-Bibliothek. Videos verschwinden nur aus der Öffentlichkeit, wenn wir sie löschen oder auf „privat“ umstellen. YouTube-Videos können hervorragend mit Keywords verbunden werden – so dass sie auch über die normale Google-Suche auftauchen (wenn wir Glück haben). YouTube-Videos sind keine Bewegtbild-Splitter – YouTube Videos haben einen echten Mehrwert für den User: Wissen, Unterhaltung, Meinung, Inspiration, Politik, Reisen…

Hier kann ein kleines Unternehmen punkten. Das Restaurant zeigt Rezepte direkt aus der Küche; die Boutique-Besitzerin führt Kleidung aus ihrem Sortiment vor; der Weinhändler gibt Tipps für passende Weinsorten; der Coach zeigt Lebensbewältigungs-Strategien – und der Buchhändler empfiehlt gute Lektüre für die verschiedensten Anlässe. Alles was man braucht ist ein Smartphone, ein Stativ, gutes Licht und ein passables Mikrofon.

Man sollte mindestens einmal wöchentlich so ein Video produzieren. Der YouTube-Kanal sollte so heißen wie das Unternehmen, das potentielle Kunden googlen, wenn sie Adresse und Öffnungszeiten wissen wollen. Die einzelnen Videos sollten sich anpassen an die Suchbegriffe, die Fragende bei Google eingeben, wenn sie genau diesen Input erhalten wollen.

Die Videos werden nicht nur bei YouTube gepostet (sie können ruhig lang sein, wenn der Inhalt längere Videos erfordert wie bei einem guten Tutorial). Sie werden anschließend zu Facebook und Instagram IGTV gebracht. Bei IGTV ist man zwar auf eine Stunde begrenzt – aber welches Video ist schon länger als eine Stunde! Also Regel Nr. 1: Postet Eure Videos überall da, wo es geht. Auch auf Eurer Website bzw. Eurem Blog (reicht, wenn Ihr das Video von YouTube aus einbettet) und das Wichtigste:

Bringt mindestens einmal monatlich einen E-Mail-Newsletter heraus, der mit Links zu Euren Videos bei YouTube führt. Jedes Video erhält im Newsletter einen kleinen Teaser (Überschrift und einleitenden Text). So baut Ihr – wenn Eure Videos echten Mehrwert bieten – eine Community auf. Newsletter Abonnenten könnt Ihr zum Beispiel im Ladengeschäft rechtsmäßig gewinnen, wenn Ihr eine monatliche Tombola mit kleinen Gewinnen veranstaltet. Ihr müsst zwar den Mitspielern auch die Möglichkeit geben, sich nicht für den Newsletter zu registrieren – aber das sind dann sowieso Kunden, die nicht über Social Media Kanäle erreichbar sind.

YouTube-Marketing und YouTube-Ads

Fazit: YouTube-Marketing ist sehr empfehlenswert, wenn Ihr Lust dazu habt, Videos zu drehen (und selbst darin aufzutreten). YouTube-Ads sind sinnvoll, wenn Ihr bei fremden Videos einen Trump ziehen könnt, der die Zuschauer vom angeklickten Video zu Euch bringt. Angebote gehen immer – aber mit der Targeting-Unterstützung von Google findet Ihr womöglich konkurrierende YouTube-Kanäle, die ideal sind für Eure Zielgruppe. Ist vielleicht etwas gemein, bei Wettbewerbern Video-Ads zu implementieren – aber so ist es nun mal bei konkurrierenden Anbietern. Das gehört zum sportlichen Wettkampf. Das ist ok.

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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