Mit Göttin Edge in den Urlaub

Hach, Urlaub. Die beste Zeit des Jahres. Einmal komplett abschalten. Also, zumindest das Smartphone in den Privatmodus zu stellen und berufliche Mails zu ignorieren. Muss man können, geht aber alles. Am Besten lässt man das Telefon aber komplett zu Hause weil: Wenns wirklich aufs Land geht, dann hat man Urlaub mit der Göttin Edge. Und DAS ist nicht schön.

Sofern man Telekom-Kunde ist geht der Spaß schon in der Bahn im ICE los. Sofern man a) Telekom-Kunde ist und b) man seine Daten vorher mal notiert hat. Sonst hat man ja in der Regel eher öfters Begegnungen mit der Göttin Edge, die über weite Teile des Landes noch herrscht. Dabei hab ich schon die Kraft der zwei Netze – seitdem O2 und Eplus eins sind soll das ja alles viel besser und toller sein als vorher. Klar. Aber nicht wenn man mobil im Zug unterwegs ist und mal eben vorher die Webseite des Hotels aufrufen möchte weil sich Fragen zum Einchecken ergeben hatten. Wobei dann die Webseite auch nicht für Smartphones optimiert war, was ich in diesen Zeiten für ein Unding halte. Nein, nicht aus Prinzip. Und es muss auch nicht jede Webseite total super fürs Smartphone angepasst sein, aber wenn ich im Touristikbereich unterwegs bin, dann könnte ich ja doch mal auf den Gedanken kommen, dass Leute auch vorher mit ihren Smartphones unterwegs und mobil Infos haben wollen dürfen. Der Hinweis auf eine App, die ich dann herunterladen darf – oder auch nicht, weil ist ja Edge, viel Spaß mit 80 GB meine Herren! – erfüllt dann den Zweck auch nicht.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass es Unfug ist im Urlaub überhaupt online gehen zu wollen bei all den schönen Dingen, die man so macht. Zum Beispiel photographiert man ja viel. Und vielleicht ist es auch nur eine blöde Angewohnheit am Ende des Tages sofort die Bilder auf Facebook hochzuladen anstatt dass man seine Verwandten mit einem Diaabend und launigen Kommentaren nervt wie „Keine Ahnung, was das ist. Halt so eine Burg. Und hier stehe ich vor der Burg. Und hier sind wir nochmal vor der Burg. Tolle Burg, oder? Also diese Burg da unten…“ Heutzutage schreibt man das direkt in Facebook rein und gut ist. Darüber kann man sich streiten, ebenso ob man wirklich per Smartphone mit der Welt im Urlaub verbunden sein muss. Gut, wenn es ein Wochenende ist und Bundesliga und der HSV eventuell absteigt und der Reisekamerad unbedingt wissen will wie die gespielt haben… Dann schon. 

Allerdings – wenn man das Smartphone mitnimmt und auch mal über Land mit dem RE fährt – und den Schock verdaut hat, dass man zwischendurch nicht wie im Ruhrgebiet zwischen sechs bis zehn Bahnhöfen vorbeikommt sondern nur durch vier, die Fahrt dauert dann allerdings auch eine Stunde – dann wird einem nicht nur mit dem Blick aus dem Fenster bewusst, dass man an der Infrastruktur für das Internet noch arbeiten muss. Es mag ja idyllisch sein wenn man durch mehrere Dörfer fährt, die zwischen ausladenden Feldern liegen. Oh, Pferde! Und Kühe! Es mag ja dann auch die Frage sein, ob die Bewohner dieser Dörfer dann das Internet wirklich brauchen – vermutlich natürlich schon, das Internet ist das Betriebssystem unserer Gesellschaft – aber sicher ist doch eines: Wenn man nur Edge auf dem Handy hat ist das mit der Informationsbeschaffung eine unendlich quälsame Last. 

Im Urlaub sieht man die Dinge bekanntlich anders – und wenn man nicht auf den üblichen Touristenpfaden herumwandert nochmal doppelt. Man lernt das Schlendern teilweise wieder. Vielleicht ist das dann mit dem Internetnichtausbau auch so, dass man ganz bewußt in Deutschland sagt: „Wir sind alle viel zu hektisch, komm mal runter, jetzt lass das Internet mal aus.“ Wenn das der Sinn und Zweck der Reise ist, dann bravo! Zumindest in den ländlichen Regionen haben wir das Ziel erreicht. Und unsere Flüche darüber, warum wir hier nur Edge haben, sind die Nahrung für die Göttin Edge, die lächelnd auf uns herabschaut.

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