Home / Management / Das Mediengericht: Lars statt Lanz

Während Markus Lanz urlaubt, versucht sich ein gewisser Lars Reichow an seiner Vertretung im dienstägigen ZDF-Spätprogramm. Wer schon das Original nicht mochte, wird an diesem Sommerpausen-Füller erst recht keine Freude haben.

dasmediengericht„Herzlich willkommen!“ Keine Frage: Herzliche Worte beherrscht auch Lars Reichow direkt zur Begrüßung, während er die Bühne betrifft (es gibt Menschen, die zählen, wie oft Markus Lanz pro Sendung „herzlich“ sagt – es ist erschreckend oft). Und um Verwechslungen zu vermeiden, schiebt Reichow für alle Fehlsichtigen gleich hinterher, was das Publikum im Folgenden erwarten darf: „Lars statt Lanz.“

Als vorläufigen (viermaligen) Ersatz für die Talk-Show mit Lanz hat man sich beim ZDF nämlich eine Talk-Show mit Reichow ausgedacht, wobei es beim Vertreter mehr Show als Talk sein soll. Eigentlich. Deshalb heißt die Vertretungssendung auch nicht etwa nur „Lars Reichow“ wie bei „Markus Lanz“, sondern „Lars Reichow-Show“ (warum sich das ZDF in den Texten zur Sendung nicht zu einer orthographisch korrekten Durchkopplung durchringen konnte, ist nicht überliefert – vermutlich fand man gleich zwei Bindestriche im Titel einfach nicht so toll … Im Vorspann der Sendung verzichtet man übrigens ganz auf Bindestriche).

Laut offizieller ZDF-Sprachregelung handelt es sich um „die neue unterhaltsame Talk-Show mit prominenten Gästen, satirischen Einspielern und Musik“. Bemüht lustige Einspieler mit Kabarettist Wolfgang Trepper und Rauswerfer-Lieder im Karaoke-Stil mal beiseite: Tatsächlich gibt es (wie bei Lanz) bekannte Gesichter auf den Plaudersitzen im Studio, allerdings nur zwei pro Sendung. In der ersten kamen Medienphänomen Verona Pooth (früher Feldbusch) und Comedian Lutz van der Horst, in der zweiten Comedian Oliver Pocher samt Lebensgefährtin (und Tennisspielerin) Sabine Lisicki. Mit solchen Gästen könnte eine Show rundlaufen. Gäbe es ein gutes Konzept – und vor allem einen guten Showmaster.

Doch ebenso wenig wie der Talker Lanz ein Showmaster für die Show „Wetten, das..?“ war, ist der Kabarettist und Karnevalist Reichow ein Showmaster für die „Lars Reichow-Show“, leider nicht mal ein erträglicher Talker. Denn für einen solchen Job bedarf es nicht nur der Fähigkeit, Fragen von Karten abzulesen, sondern auch Schlagfertigkeit. Wenn die Gäste sie haben, aber der (Show-)Moderator nicht, wird es für ihn peinlich. Dann passieren ihm unsouveräne Dialoge wie dieser:

  • Pocher: „Wie lange bist du verheiratet?“
  • Reichow: (überrascht) „Äh … 8 … 99 … 2000 … (Rechnet.) 15 … 15 Jahre! (Schaut auf seine Karten.) „Das ist übrigens genau der Schnitt, den die Deutschen schaffen. Nach 15 Jahren ist es vorbei.“
  • Pocher: „Wann ist es bei dir zu Ende?“
  • Reichow: (irritiert) „Ich habe … Ich plane … bis zum … letzten … Löffel.“
  • Pocher: „Und wer soll den zuerst abgeben?“

Alle lachen. Und alle wissen: nicht wegen Reichow, der nur noch kleinlaut einräumt: „Nicht schlecht!“

Später blockt Reichow, der zuvor ausgiebig die Beziehungen von Pocher beleuchtet hat, auffällig unbeholfen ab, als Pocher den Spieß abermals umdreht, nach Reichows eigenen Familienverhältnissen fragt und süffisant kommentiert: „Ist doch schön, wenn man auch ein bisschen was über dich erfährt!“ Reichow ausweichend: „Das sage ich dir in einer anderen … Eheberatungssendung.“ Themenwechsel.

In seinen überschaubaren Glanzstunden kann zwar sogar Lanz keck kontern, doch auch nur dann, wenn sein Gegenüber nicht gerade eine Größe wie zum Beispiel Thomas Gottschalk ist (von ihm ließ sich Lanz in seiner eigenen Talk-Show zumindest im übertragenen Sinn die Show stehlen, in der Wetten-dass-Moderationszeit von Lanz blieb ihm ein solches Zusammentreffen aber erspart, weil die Leute dann allzu deutlich einen biederen Gottschalk-Vertreter erkannt hätten).

Vielleicht kann sich Lanz-Vertreter Reichow damit trösten, dass der spätere ZDF-Aufsteiger Lanz ursprünglich auch mal nur ein Sommerpausen-Vertreter war – für einen gewissen Johannes B. Kerner. Und Vertreter hatten es ja sowieso schon immer schwer, in unser heimisches Wohnzimmer zu dürfen.

Ein Name des Volkes:
Michael Milewski

PS: Wenn Sie mal wieder lachen wollen, statt sich über die Fernsehunterhaltung zu ärgern, probieren Sie es doch lieber mit Lachyoga!

Das Mediengericht ist eine mehrgängig delikate, bisweilen beklagenswerte Angelegenheit: Manchen schmeckt nicht, was sie vorgesetzt bekommen, andere kochen sich sogar ihr eigenes Süppchen. Michael Milewski serviert Ihnen in seiner Kolumne anregende Kostproben aus der Medienküche, würzt kritisch nach – und lädt Sie genüsslich ein, beim Konsumieren unbefangen auch über den medialen Tellerrand hinauszuschauen.

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