Lottogewinn: Segen oder Fluch?

Wenn ich im Lotto Millionen gewinnen würde (Video über den Lottomillionär aus Dortmund im Beitrag eingebettet), wäre das für mich wohl weniger Segen als Fluch. Würde ich das Geld großzügig in der Welt verteilen, hätte ich viel zu viel Verantwortung für viel zu viele Schicksale (was für ein Albtraum, mehrmals täglich entscheiden zu müssen, wem man wie viel Geld gibt oder auch nicht), doch um es selbst zu nutzen, fehlt mir die Motivation. Verwirklichen kann ich mich auch ohne Geld, und Luxuswünsche habe ich einfach nicht. Anwesen müssen gepflegt werden, Angestellte müssen geführt werden, die Familie kann ins Unglück geraten durch Geld – daran möchte ich nicht beteiligt sein.

Bild von Reimund Bertrams auf Pixabay

Was ich mir wünsche, ist ein finanziell sorgloses Leben bis zum Tod – doch selbst das wieder nicht, weil mir dann der Antrieb verloren ginge, morgens früh mit dem Ehrgeiz aufzustehen, mein Bestes zu geben. Ob nur arme Leute Lotto spielen?

Ob nur arme Leute Lotto spielen?

Noch immer gibt es so einige erfolgreiche „Reich und Glücklich“ Propheten, die Menschen mit Sehnsucht nach Geld anziehen. Häufig steckt dahinter ein Network-Marketing-Business, das mit dem Versprechen lockt, ein passives Einkommen aufbauen zu können. Wer also hat die Sehnsucht nach einer Zukunft, in der man lebt wie die Geissens in der Dokusoap? Wer würde gern permanent in Luxusgefährten Fernreisen unternehmen? Wer würde gern permanent Freizeit haben mit Meer und Pool und reichen Bekannten? Ich verstehe das nicht! Diese Sehnsüchte kommen mir vor wie gehirngewaschen!

Kriegt ein jeder, was er verdient?

„Der Fischer und seine Frau“: Ein Fischer befreit einen Butt, der als verzauberter Prinz Wünsche erfüllen kann. Des Fischers Frau hat jede Menge aufsteigender Wünsche: Häuschen, Schloss, König, Kaiser, Papst – und letztendlich Gott. Schönes Märchen der Gebrüder Grimm, doch Kinder hören es selten gern – das Ende ist brutal.

Ich selbst kann nicht umgehen mit der Magie der Wunscherfüllung. Ich will gar nicht, dass ich manipulieren kann, was mir zufällt. Ich will, dass mein Leben zu mir passt! Ich will erkennen, was die Welt mir gerade zuwispert, und ich will meine Dankbarkeit spüren, weil die Welt so lieb zu mir ist. Ich will nicht, dass das Gras schneller wächst, als es wachsen mag, und ich will nicht, dass Gold mein Herz versteinert.

Ich glaube, Menschen, die Lotto spielen, sind verhinderte Glückritter, verhinderte Hasardeure. Sie möchten mutig sein, möchten geliebt werden von Gott und der Welt. Oder sie wollen sich vielleicht rächen für erlittene Kränkungen, oder sie wollen ihren Eltern beweisen, dass sie es zu etwas gebracht haben. Oder sie sind Gläubige, die in Hochglanzbildern an die schöne Welt der Reichen und Schönen glauben wie an einen Götterhimmel. Oder sie denken, sie wären kluge Strategen, die Unternehmen aufbauen könnten oder raffinierte Finanzdeals. Sie wären erfolgreich, wenn sie nur genügend Startkapital hätten. Sie wurden die Kunst beherrschen, Geld zu vermehren wie der Besitzer eines Goldesels.

Auch Wohlhabende können arm sein

Also ja, ich denke, Lotto spielen nur arme Menschen – selbst wenn sie wohlhabend sind. Lotto spielen Menschen, die Sehnsucht haben nach etwas, was sie mit materiellem Reichtum verbinden. Und Reiche sehnen sich oft genug dann wieder nach dem einfachen Leben der armen Menschen, die sie auf ihren Reisen treffen und die so viel mehr zu lachen scheinen als sie selbst.

Der Lottomillionär aus der Dortmunder Nordstadt

Gerade habe ich ein Video gesehen (unten eingebettet) von einem typischen Jungen aus der Dortmunder Nordstadt, der vor Kurzem im Lotto gewonnen hat. Die Kamera begleitet ihn durch sein Viertel, er genießt sein materielles Glück in vollen Zügen. Danach werden noch zwei weitere Lottomillionäre vorgestellt, die wie im Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ wieder genau da gelandet sind, wo sie vor dem Geldregen waren. Tja, die alte Regel „Verschweige auf jeden Fall Deinen Lottogewinn und tue so, als wäre nichts passiert“ ist womöglich unausweichlich.

Geiz verlieren für immer

Also wenn ich mir überhaupt etwas wünschen würde bei einem Lottogewinn, wäre es, dass ich lernen würde, meinen Geiz zu verlieren für immer.

Ich wünsche mir, dass ich lernen könnte, ohne Bedenken das Geld zu verteilen an Hinz und Kunz, dass ich aufhören könnte zu rechnen, zu sparen, abzuwägen, wie ich genügend Vorräte für schlechte Zeiten anhäufen kann. Wollte jemand Geld, würde ich es geben, ohne es zu hinterfragen. Spenden, schenken, verlieren, vergessen. Das wäre schön: Meinen Geiz und meine Rechnerei und mein Kalkül verlieren – doch, das wäre schon verführerisch…

Muss aber nicht sein. Einfach zu anstrengend, wenn es andauernd klingelt und wenn die Leute nie ehrlich sein können, weil sie es sich nicht mit mir verscherzen wollen. Ne, ohne Lottogewinn lebt es sich definitiv besser. Ich mache auch zukünftig eine Bogen um jede Lottobude 😉

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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