Eltern verzweifeln oft an dem Versuch, die Smartphonezeiten ihrer Kinder erfolgreich einzuschränken. Bei den 10–12-Jährigen besitzen bereits 75 Prozent ein Smartphone – mit 15 Jahren sind es schon 90 Prozent. Sowohl in der EU als auch speziell in Deutschland wird darüber diskutiert, ob Australien mit seinem Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 genau richtig gehandelt hat. Sollte Deutschland einen ähnlichen Weg gehen? Eine zweite Diskussion in der Politik wirft mal wieder das Problem der „Klarnamenpflicht“ in den Ring. Wenn sich nun jeder Mensch bei Social Media altersmäßig verifizieren muss, könnte doch im selben Zug die Klarnamenpflicht problemlos umgesetzt werden! Im Folgenden einige Stichwörter zu den Themen Klarnamenpflicht und Social-Media-Verbot-für-Kinder …
Stichworte zur Klarnamenpflicht
Auch wenn es in Social-Media-Plattformen üblich ist, anonym zu posten, ist es bei strafbaren Handlungen möglich, über IP-Adressen die Täteridentitäten an die Staatsanwaltschaft zu übermitteln. Was also würde sich ändern, wenn Pseudonyme verboten würden?
Was sich durch die Klarnamenpflicht verändern würde, wäre ganz sicher der Stil. Wer schreibt schon unter seinem wahren Namen Beleidigungen, Drohungen, Verwünschungen?
Pro Klarnamenpflicht
– Bei transparenten Identitäten steigt das Vertrauen der eher ruhigen Nutzer in die Plattform
– Aktive Nutzer verwenden weniger Hetze bei Klarnamenpflicht, da Konsequenzen wie Anzeigen und Strafen, Plattform-Ausschluss, gesellschaftliche und berufliche Ächtung drohen
– Schnelle Verfolgung der Täter hilft bei Mobbing und anderen Angriffen – zum Beispiel bei Erpressungen oder Stalking
Contra Klarnamenpflicht
– Klarnamenpflicht führt zu Selbstzensur. Wenn LGBTQ+-Personen, verprügelte Ehefrauen oder andere Minderheiten, die häufig beschimpft und verhöhnt werden, sich nicht mehr verstecken können hinter einem Fantasy-Pseudonym, ist zu befürchten, dass sie verstummen und sich in sich selbst zurückziehen.
– Bei Klarnamenpflicht steigt das Risiko von Identitätsmissbrauch und Datendiebstahl
– Die Meinungsvielfalt sinkt, wenn bei Klarnamen-Äußerungen kontroverse Ansichten zu Repressionen (z.B. Karriereeinbrüchen) führen können
– Die Klarnamenpflicht würde staatliche Plattform-Kontrollen totalitäre Eingriffe nach chinesischem Vorbild ermöglichen
Bisher ist die Forderung der Politik nach Klarnamenpflicht erfolglos geblieben, da das TDDDG (Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz) Pseudonyme schützt.
Social-Media-Verbot für Kinder/Jugendliche

Australien hat im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt. Dieses Verbot gilt für insgesamt zehn Plattformen. Foren und Messenger sind explizit ausgenommen.
– Social-Media-Plattformen, die in Australien erst ab 16 legal nutzbar sind: TikTok, Instagram, Facebook, Snapchat, Reddit, YouTube, Threads, X, Twitch und Kick. Somit betrifft die Altersbeschränkung insgesamt 10 Plattformen.
– Foren und Messenger wie WhatsApp, Telegram oder Signal sind explizit ausgenommen
– Das Forum Reddit wird als Social Media eingestuft, weil Reddit die Kriterien des Gesetzgebers für Social Media erfüllt. Klassische Foren ohne Profile/Follower-Systeme dürfen hingegen auch unter 16 genutzt werden.
– Bei Verstößen werden die Plattformen bestraft – nicht die Nutzer
Welche Altersverifikationen werden von den Plattformen in Australien genutzt?
– Bankverifizierung/Connect ID
– Foto-ID-Scan (Pass, Führerschein, …) Verifikation über Drittanbieter
– Facial Age Estimation (Selfie-Analyse und Altersschätzung)
– Verhaltensmuster (z.B. Schulzeiten)
Sämtliche Verifikationsinstrumente unterliegen strengen Datenschutzregeln und einer Löschpflicht nach Durchführung.
Welche Kriterien gelten für die Einstufung als „Social Media“ Plattform in Australien?
– Nutzer können sich vernetzen und mit anderen interagieren
– Beiträge, Kommentare und anderes Material wie Bilder oder Videos können gepostet werden
– Reddit wird als „Social Media“ eingestuft aufgrund von Subreddits/Unterforen, Upvotes/Bewertungen, Threads/Diskussionen und weitere Community-Interaktionen. Reddit argumentiert gerichtlich gegen die Social-Media-Einstufung.
– Gast-Ansichten von Inhalten (wie bei YouTube) sind erlaubt, aber keine Account-Erstellung und keine Interaktionen.
Persönliches Fazit
Wie schon häufig erwähnt, ist mein persönliches Prinzip „Das beste Geheimnis ist eine offene Tür“. Ich bin stets mit Klarnamen unterwegs, würde jedoch jederzeit unter Pseudonym ein Forum nutzen, wenn ich ein Problem hätte, von dem ich nicht will, dass es öffentlich bekannt wird (psychische Erkrankung, Suchtproblematik, Schulden …). Foren sind ein sehr frühes Phänomen im Web-2.0-Zeitalter gewesen, und das zu Recht. In Foren passiert sehr viel Heilsames – anonyme Foren sind vergleichbar mit digitalen Selbsthilfegruppen.
Ich habe schon die Vermutung, dass unsere Welt in die Richtung „autoritäre Regime“ steuert. Ich kann das sogar verstehen. Früher gab es die Leitmedien, an denen sich die breite Masse orientierte. Liest man die Inhalte des Rundfunkstaatsvertrags (Wikipedia), wird klar, wie wichtig eine geeinte Gesellschaft für parlamentarische Demokratien ist.
Durch die Möglichkeit der digitalen Vielfalt hat sich nicht nur die Partnerauswahl in der Liebe ausgeweitet – auch politische und weltanschauliche Wahrnehmungen und Bewertungen haben sich schillernd vervielfältigt. Das führt zu einer Gegenbewegung, die womöglich nicht mehr aufzuhalten ist.
Mich gruselt vor der allumspannenden Regierungsgewalt im totalitären China. Aber eine Alternative weiß ich auch nicht. In einer multipolaren Welt muss es vielleicht eine zentrale „Weltregierung“ mit vollständiger Überwachung geben, um Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten – aber ein Leben in einer 1984-Welt ist und bleibt ein brutales Massengefangenenlager unter ständiger Beobachtung. Es muss noch einen dritten Weg geben – aber ich kenne ihn nicht.



