Laut Gutachten des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos gibt es im Gesundheitswesen ein gewaltiges Einsparpotential in den Bereichen Medizintechnik, Telemedizin, Arzneimittel und Biotechnologie. Bis 2045 läge der volkswirtschaftlichen Nutzen bei mehr als 17,5 Milliarden Euro jährlich.
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen finanziellen Herausforderungen, einmal durch die Beitragssteigerungen für Versicherte in den gesetzlichen Krankenversicherungen, und zum anderen durch den Einzug der digitalen Medizin und Medizintechnik, die große Umstrukturierungsinvestitionen erfordert.
Einsparpotentiale
In der digitalen Medizintechnik, bei digitalen Gesundheitslösungen (E-Health) und im Bereich Biotechnologie können moderne Therapien, Biosimilars (Nachahmer-Präparate biologischer Arzneimittel) und individualisierte Medizin (einschließlich moderner Gen- und Zelltherapien), die Gesundheitsausgaben nachhaltig senken.

E-Health: Schweden als Vorbild
In Schweden wird die elektronische Patientenakte (ePA) seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich genutzt, was sowohl die Kosten senkt als auch Risiken von Behandlungsfehlern reduziert. Zehn Prozent der medizinischen Konsultationen erfolgen in Schweden per Telemedizin.
Das Management des Gesundheitssystems ist dezentral durch Schwedens 21 Regionen, deren Regionalparlamente und über die rund 290 Gemeinden organisiert. Es gibt eine einzige Sozialversicherung, in der alle Einwohner/innen Schwedens automatisch Mitglied sind. Bei Arztbesuchen muss eine Gebühr entrichtet werden. Für diese Gebührenordnung gibt es jährliche Höchstbeträge (ca 104 Euro). Sind diese erreicht, werden weitere Behandlungen für den Rest des Jahres kostenfrei. Rezeptpflichtige Medikamente haben einen jährlichen Höchstbetrag von ca 248 Euro jährlich (Stand 2025).
kbv.de: Schweden – Weltspitze in Sachen eHealth
In lokalen Gesundheitszentren arbeiten Allgemein- und Fachmediziner/Innen unter einen Dach vereint. Ergänzend gibt es Polikliniken und Krankenhäuser mit Spezialisten/Innen für weitergehende Behandlungen.
Der größte Kritikpunkt am schwedischen Gesundheitssystem liegt in den sehr langen Wartezeiten. Dank der professionellen Organisation und dem anfallenden Eigenanteil gehen die Menschen in Schweden durchschnittlich nur 2,3 Mal im Jahr zum Arzt. In Deutschland sind es 9,6 Mal.
E-Health
Um die medizinische Versorgung in einem Land, das zu den flächenstärksten Ländern Europas zählt – aber wenig Bevölkerungsdichte aufweist, zu gewährleisten, setzt Schweden auf eine hybride Gesundheitsversorgung. Zunächst wird digital behandelt – nur bei Bedarf werden Patienten vor Ort einbestellt. Zunächst wird per Chat oder telefonisch beraten, es folgt eine Video-Konsultation. Rezeptpflichtige Medikamente werden per eRezept verschrieben.
Pharmazeutische Zeitung, November 2025: 47 Milliarden Euro Einsparpotenzial durch Innovationen in Deutschland



