Ich habe das große Glück, durch meine Arbeit auch häufig ins Gespräch mit Migranten aus islamischen Regionen zu kommen. Zwar ist es für meine Klienten in der Regel ein ungeschriebenes Gesetz, nicht mit Deutschen über Politik zu sprechen – doch ein wenig habe ich trotzdem Einblicke bekommen. Spätestens seit den Grausamkeiten und Tötungen von palästinensischen Bewohnern im Gazastreifen radikalisieren sich auch in Deutschland junge Muslime unter 40 immer mehr – laut einer aktuellen BKA-Studie neigt nahezu jeder zweite junge Muslim dazu, mit islamistischen Zielen zu sympathisieren. Nun kommt der Iran-Krieg hinzu und die israelischen Angriffe im Südlibanon. Welt.de: „Gesellschaftliche Zeitbombe“ – Politiker fordern Konsequenzen nach Studie zu jungen Muslimen“
Was kommt da auf uns zu? Wie können wir mit dieser verständlichen Verzweiflung und Verbitterung unserer Migrant:Innen aus dem Nahen Osten, die ihre Heimat verlassen mussten und so viel Leid und Gewalt erlebt haben, umgehen?
Könnten Verbote etwas bewirken?
Besonders deutlich wird die zunehmende Radikalisierung an Schulen. Überwiegend Jungen und junge Männer versuchen, an ihren Schulen die autoritäre Ordnung der Scharia zu sichern. Schon in Grundschulen mit überwiegend muslimischen Kindern tragen immer mehr Mädchen Kopftuch – nicht nur aus Überzeugung oder weil ihre Eltern das wollen, sondern weil sie sonst womöglich Ärger bekommen mit ihren Mitschüler:Innen. Auch der Fastendruck im Ramadan steigt an den Schulen. Wie soll sich die deutsche Gesellschaft verhalten? Würden Verbote helfen?
news4teacher.de – Ramadan: Theologe Khorchide warnt vor wachsendem Fastendruck an Schulen
In vielen europäischen Ländern gibt es generelle Verbote für religiöse Symbole in Schulen – oder das Verbot von Vollverschleierung im öffentlichen Raum. Deutschland gehört in der EU zu den tolerantesten Gesellschaften – doch würden Verbote in unserer jetzigen weltweiten Situation überhaupt noch etwas bewirken? Könnte das Lehrpersonal die Neigung zum Islamismus (Realisierung einer politischen und gesellschaftlichen Ordnung nach islamischen Werten) durch pädagogische Materialien und Diskussionen eindämmen?
Der eindeutig völkerrechtswidrige Angriff auf den Iran (und auf den Südlibanon), der das Narrativ der „Befreiung der Bevölkerung vom Mullah-Regime“ nutzte, um Angriffe auf unschuldige Menschen zu rechtfertigen, wird, wenn wir uns in Deutschland nicht eindeutig politisch und gesellschaftlich von der Politik der USA und Israels distanzieren, wahrscheinlich zu weiterer Radikalisierung junger Muslim:innen führen. Social Media so effektiv zu verbieten, dass sich keine Propaganda aus islamistischen Kreisen mehr viral verbreiten kann, halte ich für unmöglich.
Erschreckendes KI-Video vom Iran-Staatsfernsehen
Heute früh habe ich dieses KI-generierte Werbevideo vom iranischen Staatsfernsehen gefunden, das am 24. März veröffentlicht wurde. Auch wenn versucht wird, dieses extrem emotional wirkende Video mit seiner erschütternden Droh-Botschaft zu unterdrücken, verbreitet es sich über Kanäle wie Telegram und X. Ich habe es mit etwas Mühe bei YouTube gefunden.
Was tun? Wir müssen verstehen, wir müssen miteinander reden
Die Grünen haben im März 2026 das muslimische Fastenbrechen im Bundestag mit rund 150 Gästen gefeiert. Ich verstehe, wenn man sich darüber aufregt, dass wir uns mit unseren christlichen Werten und Traditionen so sehr dem Islam „unterwerfen“. Und doch glaube ich, dass unsere einzige Chance darin besteht, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und das Tabu zu überwinden. Nur, wenn Muslime aus dem Nahen Osten offen ihre Verbitterung, ihre Verzweiflung und ihre Ausweglosigkeit zeigen können und auf Verständnis bei ihren deutschen Mitmenschen stoßen, können wir einen Ausweg finden aus der Gefahr, mit in diese Eskalation der weltweiten Gewaltzuspitzung zu geraten.




