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Spirituelle Unternehmensführung: Demokratie wagen! 1

Wie das Magazin impulse berichtet, trauen sich nur wenige abhängig Beschäftigte, ihren Chefs mitzuteilen, wenn es Probleme gibt. Vertrauen zu Führungskräften ist eher die Ausnahme als die Regel. In kleinen Unternehmen gibt es schon häufiger Teams, die einen offenen und wertschätzenden Umgang miteinander pflegen. Je größer eine Organisation ist, desto unwahrscheinlicher wird dieses Augenhöhe-Prinzip. Ich würde sogar behaupten, dass die viel beschworenen agilen, selbstgesteuerten Teams in Konzernen die eigentlich Idee der hierarchiefreien Zusammenarbeit pervertieren können: Anstatt Druck herauszunehmen durch Selbstbestimmung, kann der Zwang zur Anpassung sogar steigen, wenn es keinen Ort zum Verstecken mehr gibt für die geplagtem Mitarbeiter.

Kann man als Führungskraft überhaupt das Vertrauen der Abhängigen erlangen?

Unabhängig von den einzelnen Menschen liegt meines Erachtens viel im grundsätzlichen System begründet. In meinen vielen Gesprächen mit Angestellten lernte ich, dass diese sich nach den „idealen Führungspersönlichkeiten“ sehnen. Sie wünschen sich Chefs, die sie wertschätzen, motivieren, fordern, ihnen klare Regeln und Anweisungen geben, für gute Atmosphäre sorgen und die Mitarbeiter beschützen vor allem Bedrohlichen.

Der „gute Führer“, dem wir folgen wollen?

Mag sein, dass diese Sehnsucht durch unser preußisches Schulsystem entstanden ist. Der Gute Führer, das Vorbild, dem alle bewundernd folgen, ist wohl ein gottähnliches Ideal, das wir schon als kleines Kind eingeimpft bekamen. Doch wollen wir wirklich allen Ernstes weiter dieser Ideologie anhängen?

Gerade gute Führungskräfte, die Macht abgeben können und sich nicht an Kontrolle und persönlichen Vorteilen orientieren, sind gewiss keine „guten Führer“. Sie fragen vielleicht lieber, als Antworten zu geben! Sie hören vielleicht lieber zu, als dass sie militärisch klare Anweisungen erteilen und je nach Befolgen Belohnungen und Strafen verteilen. Wollen wir wirklich „gerechte“ Herrscher, denen wir uns hingeben wie unseren Eltern, Lehrern, Trainern? Ist das unser Ideal von einem Vorgesetzten? Der gütige Herrscher?

Wollen abhängig Beschäftigte Verantwortung tragen?

Ich muss gestehen, dass ich das Vorurteil hege, viele abhängig Beschäftigte wünschen sich aus Bequemlichkeit solche Führer. Klar, wenn wir die Idee der selbstgesteuerten Teams ernst nehmen, tragen die Angestellten Verantwortung für ihre Entscheidungen, müssen sich um die ganzheitliche Ausrichtung des Unternehmens/ der Organisation kümmern.

Wollen Angestellte tatsächlich Transparenz zu wirtschaftlichen Zahlen, Daten, Fakten? Wollen sie wirklich Verantwortung dafür übernehmen, dass ihre Organisation im Kampf ums Überleben eine starke Position einnimmt? Oder wollen sie sich am liebsten nur um ihren Job kümmern und so wenig wie möglich arbeiten, damit sie viel Zeit haben für ihre Kollegen und freizeitorientierten Tätigkeiten während der Arbeitszeit?

Könnte Eva Ihnenfeldt Vorgesetzte sein?

Was würde ich tun, wenn ich Vorgesetzte wäre? Klar wünsche ich mir, dass meine Leute Vertrauen zu mir haben und mich behandeln wie ihresgleichen. Selbstverständlich wünsche ich mir, dass wir gemeinsam kämpfen für das Wachstum unseres Unternehmens, für den Sinn unseres Tuns und für ständige kreative Innovationen. Und natürlich wünsche ich mir, dass meine Leute zur Arbeit kommen, weil sie für ihre Aufgabe brennen – und nicht, weil sie sich zu Hause langweilen würden und/oder Geld verdienen müssen.

Vor Allem jedoch würde ich mir als Chefin wünschen, dass ICH Wertschätzung von meinen Leuten bekomme. Ich würde mir wünschen, dass sie mitbekommen, wie viel ich daran arbeite, dass wir uns bewegen und Fortschritte machen. Ich würde mir wünschen, dass meine Mitarbeiter mich bedauern, wenn ich mal wieder ganze Wochenenden durchgearbeitet habe, weil es nun mal nötig war. Ich würde mir wünschen, dass sie mich feiern als die Heldin, die jederzeit gern bereit ist, ihre Rolle einem Besseren zu übergeben, wenn man sie sanft darauf hinweist, dass sie nicht mehr die Beste ist für den Job.

Mein Appell an alle abhängig Beschäftigten: Ihr wünscht Euch Wertschätzung und Anerkennung? Wertschätzt Eure Kollegen und Chefs, bis es Euch zu den Ohren wieder herauskommt! Hört auf, Eure Vorgesetzten zu kritisieren, sondern lobt sie über alle Maßen, bis sie selbst glauben, was Ihr ihnen sagt!

Hört auf zu meckern und hinter dem Rücken zu tratschen. Hört auf, Euer eigenes Unglück auf äußere Umstände zu schieben. Ihr seid unglücklich in einem Unternehmen? Dann geht so rasch Ihr könnt und sucht Euch etwas Neues! Muss doch nicht sein, dass Ihr meckert und jammert und leidet, bis Ihr körperlich und seelisch zerstört seid!

Vorgesetzte, seid endlich ehrlich!

Und Ihr liebe Vorgesetzte, die Ihr ständig hinter Eurem Rücken zerfetzt werdet von Euren Leuten? Traut Euch, anzusprechen, wie sehr Euch das verletzt! Hört auf damit, gute Mine zum bösen Spiel zu machen und so zu tun, als wäret Ihr blind und taub! Hört auf zu denken, Ihr müsstet die perfekten Gurus sein wie ein Nelson Mandela oder Machiavelli!

Ihr seid ok, seid eben, wie Ihr seid! Sobald Eure Mitarbeiter beginnen, sich verantwortlich zu fühlen für ihre Aufgaben und deren Resultate, seid Ihr ein ganzes Stück befreit. Redet Euch nicht länger ein, Ihr fändet Macht erstrebenswert. Liebe ist erstrebenswert! Sich selbst und seine Nächsten lieben ist erstrebenswert! Lasst Kontrolle los und übergebt die Verantwortung den Verursachern – von oben wie von unten.

Wenn dem Unternehmer die Mitarbeiter das Geschäft ruinieren…

Natürlich kann der Inhaber eines Unternehmens nicht locker zulassen, dass seine Mitarbeiter das Unternehmen ruinieren, weil sie lieber Smalltalk machen als sich um gewinnorientierte Ziele zu kümmern. Monatliche Meetings mit Bilanzoffenlegung und Strategie-Diskussionen können Wunder bewirken. Eure Mitarbeiter sind nicht faul und böse – sie sind es einfach nicht gewohnt, demokratisch Entscheidungen zu treffen und sich darauf zu konzentrieren, dass es der „Mama“ Unternehmen gutgeht.

Demokratie wagen ist nicht leicht in einem Land, dass autoritäre Strukturen verehrt. In Katalonien und dem Baskenland herrscht eine ganz andere Mentalität. Dort gibt es sehr erfolgreiche Genossenschaften, die von der Unternehmensform her demokratisch organisiert sind. Ob ungelernt oder Management, jeder hat Mitbestimmungsrechte  und übernimmt Verantwortung für das große Ganze.

DAS ist spirituelle Unternehmensführung. So wie wir es politisch geschafft haben, demokratische Strukturen zu manifestieren, müssen wir es wirtschaftlich schaffen. Schluss mit Kapitalisten und Produktionsmitteln. Wir sind alle Menschen, die ein Interesse daran haben, eigenständig zu leben und an ihrem Glück zu arbeiten. Wenn wir uns darüber einig sind, können wir Großes bewirken – und müssen nicht auf das bedingungslose Grundeinkommen warten, dass uns angeblich von der Arbeitsverpflichtung befreit… Ich zumindest finde eine solche Zukunftsvision dystopisch – wenige Oligarchen und lauter abhängiger Mob, brrrrrrrrrrrrrrrr….

Impulse: Die Hälfte der Arbeitnehmer macht bei Problemen einen Bogen um den Chef

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

2 thoughts on “Spirituelle Unternehmensführung: Demokratie wagen!

  1. Liebe Eva, danke für den tollen Artikel. Wie wahr Deine Worte… Dein Artikel zeigt mir nochmals ganz klar, wie ich mein Unternehmen aufbauen will. Es gilt das Potenzial der Mitarbeiter raus zu kitzeln und zu fördern. Deine schönen Artikel sind tolle Inspiration auf diesem Weg.
    Gruß Friederike Feil

  2. Ach liebe Friederike, das ist total schön und schwesterlich, was Du schreibst. Ich danke Dir! Irgendwann lernen wir uns persönlich kennen nicht wahr? Ich glaube, das wird ein gute Tag, wenn es passiert <3 Eure Eva

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