Der Selfiestick: Nur ein Hilfsmittel für Narzissten, Einsame und Verrückte?

Eva Ihnenfeldt: Auch ich habe jetzt einen. In cyclam, mit eingebautem Stativ und Fernauslöser. Passt in meine Handtasche, und beim Spazierengehen kann ich ihn an meinem Gürtel befestigen wie einen Teleskop-Wanderstab. Doch was hat das zu bedeuten? Bin ich jetzt unter die Instagram-Jünger geraten, die ständig ein Selfie von sich posten, – in der Hoffnung, viele Likes damit einzusammeln? Oder muss ich zum Selfiestick greifen, weil ich so einsam bin, dass ich niemanden habe, der mich vor einer Sehenswürdigkeit oder einer schönen Natur im Urlaub fotografieren mag? Nein, natürlich hat bei Eva Ihnenfeldt der Selfiestick was mit Marketing zu tun – und was, verrate ich gern im folgenden Artikel.

Es geht um Videos – und nicht um Fotos

In den letzten Monaten ist die Bedeutung von Facebook-Videos rasant angestiegen. Im Vergleich zu YouTube haben Facebook #winzvlog Nr. 4 von Eva IhnenfeldtVideos den Vorteil, dass sie schon nach drei Sekunden als „View“ gezählt werden, bei YouTube erst nach 30 Sekunden. Facebook Videos werden automatisch in meine Timeline eingefügt – YouTube Videos muss ich in den meisten Fällen suchen und finden. Es ist also sehr viel leichter, auf mehrere hundert Views bei Facebook zu kommen, als bei YouTube.

Facebook wird seit einigen Monaten zu einem festen Bestandteil unseres Marketings. Das liegt zum Einen daran, dass Twitter immer bedeutungsloser wird, und zum Anderen daran, dass sich meine Facebook-Freundesliste so langsam meiner Kontaktliste von Xing anpasst. Heißt: Meine 938 Facebook Freunde sind wie ich, leben wie ich, denken wie ich und haben die gleichen Ziele und Probleme wie ich. Während ich früher Rücksicht nehmen musste auf Facebook-Freunde, die am liebsten Urlaubsfotos und Katzenbilder sehen, kann ich mir heute erlauben, News zu verlinken, meine (politische) Überzeugung zu vertreten, mich mit meiner eigenen Person zu „branden“. Die SteadyNews Fanpage wird mehr und mehr zum News-Aggregator für meine Kontakte, die sich auf dem Laufenden halten wollen und müssen im Bereich digitale Kompetenz.

Nina Grenningloh_Reyes_Vlog_TorontoVor einigen Wochen haben Dennis Arntjen und ich begonnen, wöchentlich Videos zu produzieren, bei denen wir uns über unsere Strategie und/ oder über digitale Themen unterhalten. Das hat uns auf die Idee gebracht, es auch einmal mit Facebook-Videos zu probieren – kurz, unterhaltsam, persönlich und mit einem echten Mehrwert für die Freunde und Kontakte.

Zunächst habe ich daraufhin mein persönliches Facebook-Profil mit meinem Twitter-Account @steadynews verbunden – so dass meine Twitter-Follower auch mitbekommen, was ich so auf Facebook äußere und verlinke.

Dann habe ich meinen allerersten „Vlog“ gedreht, am Rosenmontag. Einfach so beim Spazierengehen mit Luzi, einfach ein bisschen erzählt, wie mein Rosenmontag 2016 aussah. War noch nicht so der Knaller, aber ich konnte schon mal üben. Parallel habe ich einen Hashtag überlegt, der sich nun sogar schon ein bisschen etabliert hat: den #winzvlog. Ist zwar nicht so eingängig, aber unverwechselbar. Entstanden ist der Hashtag aus der Idee, Was Ich Noch Zu Vlog-gen hätte“ als Spruch voranzustellen.

Beim zweiten #winzvlog am Aschermittwoch (zwei Tage später) konnte ich die wunderbare stellv. Hoteldirektorin Katja Kortmann vom Hotel Esplanade vor die Linse bekommen mit zwei ihrer Mitarbeiter – das kam mit 768 Views, 17 Likes und zwei unterstützenden Kommentaren schon ausgesprochen gut an!

#winzvlog Nr. 3 erklärt dann den Selfiestick, den ich mir zugelegt habe, um weiterzumachen mit der neuen Serie. Das wurde Hotel_Esplanade_Katharina_Kortmannsogar zweimal geteilt! Und einige Leser haben kommentiert, dass sie herzlich über mich gelacht haben – das hat mich super gefreut und ermutigt, weiterzumachen. #winzvlog Nr. 4 setzt dem Ganzen die Krone auf: Nun habe ich auch noch einen Magnethalter und kann mich selbst aus dem Auto heraus filmen. Schlimm, schlimm – oder?

Es geht um Videos – und nicht um Fotos!

Meine größte Freude war in diesen ersten elf Tagen bis heute, dass schon zwei meiner lieben Facebook-Freunde mitgemacht haben: Nina Grenningloh-Reyes hat in Toronto, Kanada, einen Selfie-Vlog gedreht und eingestellt – und Ralf Robert Wenda hat sogar schon den Hashtag #winzvlog übernommen für sein kurzes Selfie-Video bei YouTube von vorgestern. Was habe ich mich über die Beiden gefreut!

Videos sind ganz anders als Bilder. Das kennen wir alle aus unserer Kindheit – bzw. aus der Kindheit unserer Kinder: Die alten Super-8-Aufnahmen und VHS-Videos sind so bezaubernd lebensecht, sie bleiben intensiv hängen und sprechen uns emotional an. Wenn schon ein Bild mehr sagt als 1.000 Worte, dann sagt ein Video mehr als hundert Bilder?

Gestern abend war ich auf der Facebook-Fanpage von Jan Böhmermann, dem ZDF-Moderator und Spötter. Dort gab es unzählige Videos aus seiner Show. Doch was hatte mit Abstand die meisten Aufrufe? Ein Selfie-Video aus seinem Hotelzimmer, wackelig und spontan, ohne große Inhalte und gar nicht mal so kurz. Warum wird gerade dieses Video so geliebt? Weil es spontan, echt, ohne Bearbeitung und ohne Drehbuch ist. Weil es Einblicke gibt in Jan Böhmermanns Welt als Mensch, weil es eine Geschichte erzählt aus seinem Leben: „Guckt mal, ich bin noch ein paar Minuten in diesem öden Hotelzimmer, bevor die Show beginnt – was soll ich bloß anziehen…“. Wenn ein Profivideo schon hundert Mal mehr sagt als ein Bild – was sagt dann ein Selfievideo aus? Gräbt es sich ganz tief ein in unser emotionales Gedächtnis?

Es geht um Echtheit – und nicht um Schönheit!

Ralf_Wenda_Erfolgswolf_VlogWas ich mir wünsche seit der Flüchtlings-Spaltung, die unser Land durchzieht ist, dass die Menschen wissen, wie ich bin und wie ich denke. Ich möchte, dass die Menschen, die eventuell Kunde oder Geschäftspartner werden, ein ähnliches Wertesystem haben wie ich – und wie Dennis Arntjen und unsere Netzwerk-Unternehmen. Ich möchte keinen näheren Kontakt zu Menschen, die die Genfer Flüchtlingskonvention ablehnen. Mit den kleinen unprofessionellen Vlogs zeige ich so deutlich und unmissverständlich, wie ich bin, dass ich automatisch die Richtigen anziehe und die Richtigen abstoße. Dafür brauche ich nicht über Politik zu reden – das passiert ganz automatisch! Das funktioniert unterschwellig, mit Humor und Spaß. Ich liebe es!

Mein Appell: Macht doch einfach mal mit!

Ob mit oder ohne Selfiestick: Traut Euch doch einfach mal, Euer Smartphone in die Hand zu nehmen und eine kurze Story zu erzählen. Vielleicht darüber, dass Ihr gerade ein tolles Unternehmen kennengelernt habt, oder darüber, dass Ihr Euch gerade auf einen Termin vorbereitet, oder darüber, dass Ihr gerade einen Auftrag erhalten habt. Wobei eine Grundregel ist, dass Positives langfristig besser ist für Euer Business als Kritik. Auch wenn Ihr sicher schnell viele Kommentare bekommt dafür, dass Ihr Euch über Irgendetwas schrecklich geärgert habt – schluckt es lieber hinunter, als es bei Facebook zu verbreiten.

Meckereien und Ärger kleben schnell an dem „Boten“ wie Pech, und das zu recht. Zwar stimmen sicher Leser viele zu, wenn man sich beschwert, doch da Business und Optimismus auf dem selben Ast wachsen, passt Unzufriedenheit und schlechte Rede nicht zu einem erfolgreichen Unternehmer. Das ist eher das Verhalten von Privatmenschen.

Ihr müsst ja das Selfievideo nicht hochladen – Ihr könnt es ja sofort wieder löschen, wenn es Euch nicht gefällt! Probiert einfach so lange herum, bis Euch eins ganz gut gefällt. Vielleicht zeigt Ihr es noch einem Vertrauten, bevor es endgültig den Weg in die Öffentlichkeit geht – aber gerade, wenn es unperfekt ist, kommt es womöglich besonders gut an.

Selfie-Videos: Facebook, YouTube oder Snapchat?

YouTube Videos haben den großen Vorteil, dass sie suchmaschinenoptimiert genutzt werden können. Man kann sie googlen, und in Verbindung mit einem Google+-Profil tauschen sie vielleicht sogar direkt in den Google-Ergebnissen mit Bild auf. Bei Facebook sind die Aufrufe bedeutend höher, die Verbreitung klappt besser, es wird häufiger geliked und kommentiert. Snapchat würde ich persönlich weniger empfehlen – aber warum nicht erst einmal kleine Videos drehen, die sich nach dem Anschauen „selbst zerstören“! Zum Üben ist Snapchat gar nicht so übel, da sieht es ja auch nur ein kleiner, erwählter Kreis.

Mein Tipp: Die einfachen kleinen Bewegtbilder bei Facebook hochladen und mit einem kleinen, erklärenden Text vershen, damit man weiß, was Einen da erwartet. Die gut gelungen zusätzlich auch bei YouTube hochladen – so hat man die beste Ausbeute.

Und wer persönlich verfolgen möchte, wie sich Eva Ihnenfeldts Serie #winzvlog weiterentwickelt, kann sich gern mit mir bei Facebook befreunden – ich freue mich darüber! Also nur zu. Und vielleicht machen dann irgendwann immer mehr mit, und wir können beginnen, uns gegenseitig Alltags-Geschichten zu erzählen – das wäre fein.

und hier ist er: Der Facebook #winzvlog Nr. 3 zum Selfiestick – zwar sehr tollpatschig, aber macht ja nix 😉

Im #winzvlog Nr. 3 zeige ich, wie mein neuer Selfiestick funktioniert. Schade, dass ich zuerst hochkant gefilmt habe. Darum ist es dann im Querformat falsch später. Ich muss eben noch lernen…

Posted by Eva Ihnenfeldt on Sonntag, 14. Februar 2016

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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