Video: #rechtsgegenrechts – Wie Wunsiedel sich 2014 endlich wehren konnte

Da gibt es eine Stadt in Oberfranken, die seit über 25 Jahren einmal im Jahr von Neonazis heimgesucht wird – zum Trauermarsch wegen Hitler-Vertreter Rudolf Heß. Obwohl 2011 das selbige Grab aufgelöst wurde, und obwohl alles verboten wurde, was rechtlich verboten werden konnte, kamen auch 2014 wieder 250 Neonazis zu ihrem „pietätvollen“ Marsch. Doch diesmal hatte Wunsiedel eine geniale Idee! Ohne dass es vor dem Start an die Öffentlichkeit kam, verwandelten die Bürger gemeinsam mit der Rechtsextremismus-Aussteiger-Initiative „Exit-Deutschland“ den Trauermarsch in einen Spendenlauf. Jeder Meter, den die 250 Neonazis liefen, brachte 10 Euro Spende für Exit.

Die internationale Presse lacht die deutschen Neonazis aus

Still und heimlich wurden überall Plakate und Banner aufgehängt mit Sprüchen wie: „Wenn das der Führer wüsste“, „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder – und großzügig wie nie!“, „National und freigiebig“, „Endspurt statt Endsieg“. Unter dem Banner „Mein Mampf – damit läufts Spenden gleich besser“ gab es viele Bananen für die tapferen Läufer, die alles in Allem 10.000 Euro erwirtschafteten – und am Ziel sogar Siegerurkunden erhielten. Die angereisten Neonazis hatten keine Ahnung von der Kampagne und waren völlig überrumpelt – zu komisch…

Die Aktion vom 15. November 2014 war so umwerfend, dass der „unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands“ auch seinen exit-deutschlandWeg in die internationale Presse fand. Am 19. November schaffte es die Meldung in der Washington Post tatsächlich auf Platz 1 und Platz 5 der meistgelesenen Artikel! Natürlich wurde auch in vielen anderen Zeitungen und Ländern über die urkomischen Ewig-Gestrigen gespottet und gelacht.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der viralen Marketing-Kampagne?

  • Zuerst einmal können wir festhalten, das Humor mächtiger ist als Streit. Man begibt sich nicht auf die selbe Ebene wie der Gegner, sondern man zeigt ihm die eigene Überlegenheit mit einem Schuss Gutmütigkeit. Bravo!
  • Das nächste Erfolgsgeheimnis ist die Kreativität der Aktion. Durch viele phantasievolle Maßnahmen wird die Kampagne bunt, spannend, bringt zum Staunen und macht neugierig auf weitere Bilder und Eindrücke. Meine Hochachtung!
  • Und das Entscheidendste: Das Ziel der Aktion war glaubwürdig und stand in direktem Zusammenhang mit dem Anlass. Der Eindruck wäre nicht so intensiv geworden, wenn die Neonazis für ein Flüchtlingsprojekt oder ein anderes Hilfsprogramm gelaufen wären. Aber ein Aussteigerprogramm für Neonazis? Unübertrefflich perfekt. Hier passen – frei von Hochmut und Arroganz – ehrlich zwei Dinge zusammen: Verwirrte Leute (meist Männer) in problematischen Lebensverhältnissen wird Hilfe angeboten. RechtsgegenRechts – sie laufen für sich selbst.

Natürlich waren wirklich 10.000 Euro an Spenden eingesammelt worden vor dem 15. November, das Versprechen wird eingehalten. Und natürlich ist Exit-Deutschland wirklich nah dran an der gefährlichen Neonazi-Szene und ist aufrecht und einfühlsam dabei, einzelne aus dem Sumpf zu ziehen und zu retten.

Glaubwürdigkeit, Phantasie und Humor – drei Bausteine, die auch dazu geführt haben, dass sich der Spendenlauf wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke und Medien verbreitet. Bei Twitter unter #rechtsgegenrechts gibt es unzählige Tweets, der Film bei YouTube hat schon über eine Millionen Aufrufe!

Nun beginnen auch andere Städte, von Wunsiedel zu lernen. Die geplagte Stadt Dortmund will sich nun ähnlich gegen die Rechtsradikalen im Parlament wehren, und auch andere Gemeinden scheinen sich vom Virus des Humors anstecken zu lassen. Danke Wunsiedel, danke Exit-Deutschland – Ihr seid ganz großes Kino, und ich bin sicher viele Menschen werden nun für das Aussteigerprogramm spenden – ich auch 🙂 Hier geht es zur Website: Rechts gegen Rechts

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.