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Mr. DAX Dirk Müller live: Aktienhandel oder Sparprogramme? 0

Am 30. April 2019 war „Mr. DAX“ Dirk Müller in Bochum mit seinem Live-Programm „Lasst den Bullen los! Vom Sparer zum Aktionär!“. Drei Stunden Infotainment zu den Möglichkeiten, die uns Sparern und Anlegern beim Börsenhandel geboten werden. Der Abend war gegliedert in zwei Teile: Teil 1 für die kurzfristigen Spekulationen (also für das „Zocken“ an der Börse)  und Teil 2 für den strategischen Aktienhandel – also für Anleger, die mindestens Zeiträume von fünf bis zehn Jahre im Auge haben, wenn sie sich an Unternehmen beteiligen.

Zwei Kontinente an der Börse: Casino-Börse und Strategiespiel

Im Grunde genommen sagt Dirk Müller, dass die kurzfristigen Börsen-Spekulationen (bis zu zwei Jahre)

Dirk Mueller zeigt am Beispiel booking.com, dass kurzfristige Kursschwankungen und wirtschaftliche Fakten meist nichts miteinander zu tun haben

sich spätestens dann nicht mehr lohnen können, wenn es keine menschlichen Gegenspieler mehr gibt – sondern nur noch Hochfrequenzrechner, die in Nanosekunden handeln, ohne emotional beeinflussbar zu sein.

Trading ist vergleichbar mit Pokerspiel. Um ein professioneller Spieler zu sein, muss ich die Emotionen meiner Gegner abschätzen können und ihr Verhalten ausspionieren. Nicht Wirtschaftsfakten entscheiden über die kurzfristigen Schwankungen, sondern Strategien und Emotionen. „Was macht der Spieler am Tisch“.

Müller zitiert den 1999 verstorbenen Börsen-Guru Andre´Kostolany, der es in etwa so erläuterte: „Ein Unternehmen geht als Wanderer seinen Weg und kommt irgendwann an ein Ziel. Ein kleiner Hund rennt dabei um den Wanderer herum, rennt vor, bleibt zurück, tänzelt herum. Langfristige Strategen setzen auf den Wanderer, Zocker gucken nach dem Hund.“

Müller meint, mit viel Taktik kann man beim Trading die Gewinnchancen vielleicht von 50/50 evtl. Auf 55/45 optimieren. Ich muss als Zocker auf die Masse gucken, nicht auf das Unternehmen. Fakten sind unwichtig.

Doch in Zeiten, in denen nur noch Geschwindigkeit zählt, machen kurzfristige Spekulationen keinen Sinn. Über längere Zeiträume hat man auch als „Zocker“ bessere Chancen, da die „langsamen Handel“ für die Hochfrequenzmaschinen sozusagen zu zäh und langweilig sind. (Auch) darum empfiehlt Dirk Müller den strategischen Aktienhandel, der auf Fakten und echten Unternehmensbeteiligungen beruht.

Will man gerne an der Börse zocken, sollten man sich ein Konto anlegen, auf dem Geld liegt, auf das man schlimmstenfalls auch verzichten kann. Mit diesem „Spielgeld“ kann man sein Glück versuchen wie in einem Casino. Doch nie nie sollte man auf verführerische Angebote eingehen, bei denen man sich verschuldet. Viele haben durch kurzfristige Spekulationen (Wetten an der Börse) ihr gesamtes Hab und Gut verloren – und nur sehr wenige haben ihr Glück darüber gemacht.

Was sind eigentlich Aktien? Aktienhandel oder Sparprogramme?

Vom Ursprung her bringen Aktien Leute mit einer tollen Idee – aber ohne Geld – zusammen mit Leuten mit Geld, die an die Idee des Erfinders glauben. Heute gibt es Aktien nur noch in elektronischer Form, früher wurden sie bei Banken in Papier eingelagert. Aktien gehören nicht der Bank, sie sind ein echter Anteil an einem Unternehmen, der auch dann bleibt, wenn die Bank insolvent wird. Die Bank verwaltet nur.

Somit ist Aktienbesitz anders als Bargeldvermögen bzw. Sparprogramme. Eigenes Geld bei einer Bank ist zu bewerten wie ein Kredit, den man der Bank gibt. Als Sparer ist man dem Schicksal der Bank ausgeliefert. Als Aktionär hat man Rechte.

Langfristige Strategien – sinnvolles Investment

Ist man der Ansicht, dass Erfindungen die Menschheit weitergebracht haben und dass diese Entwicklungen ein echter Gewinn für die Menschheit sind, verfügt man über unternehmerisches Denken und kann sich bei bei Bedarf dem wirklichen Aktienhandel zuwenden. Denn nur, wer wie ein Unternehmer denkt, kann die Börse verstehen und sinnvolle Investments tätigen.

Kluge Anleger orientieren sich an Siegern. Sie setzen nicht auf Emotionen, sondern auf Fakten. Erfolgreiche Unternehmen müssen folgende Kriterien erfüllen, damit sie für Investments in Frage kommen (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

  1. Ist das Unternehmen, in das ich investiere, einfach und leicht verständlich? (Beispiel: Siemens ist hoch komplex, Apple ist einfach)
  2. Hat das Unternehmen seinen Erfolg bewiesen? (Tesla nicht, Apple ja)
  3. Wie sieht es mit der langfristigen Perspektive aus (Mediamarkt contra Amazon)
  4. Hat das Unternehmen wenig Schulden (Thyssenkrupp muss für Schulden viele Zinsen zahlen. Apple hat gute Bilanzen)
  5. Wie stark wird die Gesellschaft einschränkend reguliert – oder politisch unterstützt (VW ist komplett reguliert und bekommt viel Gegenwind aus den USA  – Apple mit seinen Nutzer-Daten hat einen super Stand, da.die US-Eliten bzw. das Verteidigungsministerium die Daten brauchen. Die US-Regierung unterstützt Apple)
  6. Wie austauschbar sind die Produkte (Beispiel k+s Dünger – ist ständig im Preiskampf. Google und Facebook hingegen haben unaustauschbare Produkte. Gegen 2 Mrd. „Mitglieder“ kommt man mit neuen Produkten kaum an – oder man wird mit einer innovativen Idee von ihnen gekauft)
  7. Wie viel Marktmacht hat ein Unternehmen? Heute zählt „The Winner Takes it all“. Die Wirtschaft besteht zunehmend aus Monopolen und Oligopolen
  8. Nicht auf die Mainstream-Presse hören – selber denken! Nicht die Totenrufe der Zeitungen sind interessant, sondern Fakten und Statistiken. Gerade bei der BILD-Zeitung macht man am Besten grundsätzlich das Gegenteil von dem, was dort für die Börse empfohlen wird (kein Witz!)

Liquidität sichern und sparen

Allgemein ist es wichtig, dass man zu den Menschen gehört, die ihr Geld zusammenhalten. Alle Verbindlichkeiten sollte man auf das Notwendigste reduzieren. Kein Eigenheim „auf Pump“ kaufen und überhaupt alle überflüssigen monatlichen Belastungen meiden. Sich nicht fremdbestimmt zum Konsum verführen lassen, sondern sich nur dann „etwas gönnen“, wenn man es leicht aus dem Cashflow bezahlen kann und wenn man den Konsum (zum Beispiel Reise) wirklich will, weil es einen glücklich macht und weil es eine echte Bereicherung bringt.

Es ist ein guter Richtwert, sein Aktienpaket zusammenzustellen wie eine Fußballmannschaft. Welche Unternehmen haben Kraft, Technik, hohen Marktwert und gute Perspektiven für die Zukunft? Man kann sich zunächst an der Börse umschauen und spielerisch auswählen, an welchen elf Unternehmen man sich auf dieser Grundalge beteiligen würde, wenn diese gerade „preiswert“ sind.

Keine Angst vor dem nächsten Börsencrash!

Der kluge Anleger weiß, dass es nach jedem Crash wieder aufwärts geht – man muss nur zwei, drei Jahre warten können und nicht gezwungen sein, aus Not alles zu Geld machen zu müssen.

Wenn es an der Börse die besten Unternehmen zum halben Preis gibt. ist das doch wunderbar – zugreifen! Also sollte man jetzt sparen und darauf warten, dass es irgendwann günstig wird, erfolgreiche Aktien zu kaufen. Jetzt das Geld zusammenhalten. Im Crash kaufen.

Große Unternehmer wurden häufig im Crash geboren. „Wenn der Crash kommt, in was will ich dann investieren?“ ist eine gute Strategie, um heute mit der Börsen-Intelligenz zu beginnen. Sucht Euch Zielaktien mit dem Gedanken: „Die hätte ich gern, wenn sie billig wären“. Wenn es Gold regnet, Eimer rausstellen und keine Fingerhüte. Dafür müssen wir uns unsere Liquidität sichern in Zeiten wie diesen.

Nach -50% = 20% kaufen. Nach 70% = 30% kaufen. Nach 90% = 50% kaufen. Wenn es Gold regnet, Einer rausstellen und keine Fingerhüte. Wir brauchen Crashs. Dann geht es wieder weiter. Die Menschheit entwickelt sich immer weiter. Insgesamt geht es der Welt immer weiter. Alles was wir digitalisieren können, werden wir digitalisieren.

Zum guten Schluss: Wann sollte ich meine Aktien verkaufen?

Wann sollte man Aktien verkaufen? Andre´Kostolany sagt dazu: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten – und wenn Sie aufwachen, sind Sie ein reicher Mann“. Dirk Müller hingegen empfiehlt: Fragen Sie sich bei Ihren Aktien: Wenn ich diese Aktie nicht im Depot hätte, würde ich sie zum jetzigen Zeitpunkt kaufen? Wenn ja behalten, wenn nein verkaufen. Die Zeit ist also schneller geworden und erfordert häufiger Entscheidungen.

Fazit

Der Abend war sehr lehrreich für alle, die praktische Anweisungen und Grundregeln suchten, um klug und strategisch abgesichert an der Börse zu handeln. Ich selbst hatte weniger Infotainment gewünscht sondern erwartet, ich würde wie in seinen (hervorragenden (Büchern) viele Hintergrundinformationen erfahren, die man durch die Presse schwer oder nur unter großen Rechercheaufwänden bekommt.

Mein Interesse liegt mehr in Politik und Wirtschaftszusammenhängen als im konkreten Handel mit Aktien. Doch ich habe an den mehr als dreihundert Teilnehmern beobachtet, dass auch Anleger (über siebzig Prozent der Anwesenden hatten Aktien in Besitz, wie eine anonyme Live-Umfrage ergab) nicht unbedingt die Grundregeln beachten und vielleicht sehr von den Ratschlägen von „Mr. DAX“ profitieren konnten.

Vielleicht lege ich auch selbst zukünftig Vermögen in Aktien an, da mich das Argument, mein Geld dadurch unabhängig von Banken zu machen, überzeugt. Ich werde mich mal über die Kosten informieren und darüber, wie schnell man Aktien zu Bargeld machen kann, wenn es gebraucht wird. Schnelle Verfügbarkeit ist für Selbstständige stets wichtig – man weiß ja nie…

Ein empfehlenswerter Abend für alle, die kurzweiliges Infotainment schätzen. Drei Stunden sind lang. Geboten wird also eine Menge. Alle anderen können erst einmal bei YouTube mit Dirk Müllers Interviews und Experten-Gesprächsrunden beginnen. Dort geht es häufig mehr in die Analyse, wirklich sehr sehr lehrreich!

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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