Skandal: Conni mag Amazon!

Ach ja, die Conni-Bücher – wer eine Tochter hat die gerne liest wird diese Reihe kennen, beliebt sind die Bücher vor allem bei Kindergarten- und Grundschulkindern. Wie kann diese eigentlich recht brave Buchreihe nur skandalös sein?

Das geht ganz einfach: Im neuen Band erhält die 15jährige Conni von ihrer englischen Freundin einen Gutschein. Das wäre noch nicht skandalös genug allein die Buchhändler-Branche schäumt vor Zorn: Ausgerechnet der Carlsen-Verlag lässt es zu, dass Conni einen Amazon-Gutschein geschenkt bekommt? Zeter, Mordio, Skandal ohnegleichen! Das kann doch gar nicht angehen: Da versucht der Buchhandel zur Zeit mit „VorsichtBuch“ die Massen in die lokalen Buchhandlungen zu bekommen und Carlsen macht „Schleichwerbung“ für Amazon? Ungeheuerlich.

Das ist halt Alltag, gewöhnt euch dran

Aufgrund der zahlreichen Proteste wird der Amazon-Gutschein in der nächsten Auflage dann – in Absprache mit der Autorin natürlich – in einen harmlosen Geschenkgutschein ohne besondere Markenerwähnung umgewandelt werden. Man sieht: Lobbyarbeit funktioniert. Allerdings hinterlässt das ein Geschmäckle und ein nicht zu knappes dazu, denn die Conni-Bücher sind ja in der Regel eine Abbildung des normalen Alltags – oder das, was wir uns unter einem Alltag konstruieren – eines heranwachsenden Mädchens. Ob es darum geht wie man ordentlich auf die Toilette geht, der erste Tag im Kindergarten, die ersten Erfahrungen in der Schule – die Reihe wächst mit ihren Leserinnen mit. Und auch wenn es der Buchbranche nun nicht gefällt: Irgendwann kommt der Tag an dem die Kinder auch im Internet einkaufen werden. Das ist heutzutage Alltag. Gerade den Alltag spiegeln aber doch die Conni-Bücher gemeinhin – wenn natürlich auch vielleicht etwas zu sehr in Richtung brav und bieder, aber das ist Ansichtssache – wieder. Klar lässt sich streiten ob die Nennung einer Marke in einem Buch nun gut oder schlecht ist, obs Schleichwerbung ist oder nicht, aber dieser generelle Aufschrei der Branche… Also…

Ich frage mich jetzt: Wo gibt es denn Bücher, in denen der Buchhandel total gut wegkommt? Also in dieser Altersklasse für die die Conni-Bücher geschrieben sind – mit 15 Jahren hat man allerdings auch andere Themen als gerade Bücher zu kaufen, aber ich muss echt scharf überlegen… „Ich habe eine Freundin, die ist Buchhändlerin“ ist ebenfalls bei Carlsen als Pixie-Buch erschienen – das ist nett, ja. Aber ansonsten… Hmmm… Klar, die Unendliche Geschichte beginnt mit dem Klauen eines Buches aus der Buchhandlung, aber dafür sind Conni-Leserinnen nun nicht gerade empfänglich – außerdem ist das auch kein gutes Beispiel. Bücher klauen. Nee, nee, nee…
Ganz ehrlich? Mir fällt da auch sonst kein positives Beispiel ein außer dem oben erwähnten. Vielleicht gibts da tatsächlich noch Bücher, die toll und spannend sind und die ich nicht kenne – bei knapp 900.000 Neuerscheinungen im Jahr in Deutschland recht wahrscheinlich. Allerdings stimmts doch nachdenklich wenn eine Branche sich über die Nennung eines Online-Händlers aufregt und nicht so recht andersartige Angebote anbieten kann. Zudem: Conni könnte mit dem Amazon-Gutschein ja auch eine schicke Tasche, flotte Schuhe oder einen glamouröusen Gürten kaufen. Oder sogar eine DVD!

Jedenfalls: Wenn ich Sie wäre, würde ich rasch die erste Auflage des Buches bestellen und aufheben. Man weiß ja nie, was solche Exemplare bei eBay später so für Erlöse erzielen – „Rar! Buchauflage mit Amazon-Gutschein-Nennung“. Also ich hab meins…

Der selbstständige Journalist und Social Media Redakteur Christian Spließ begleitet Unternehmen und Organisationen bei der erfolgreichen Umsetzung von Social Media Kampagnen. Christian Spließ ist einer der Social Influencer in NRW - vor allem über Twitter und Facebook.

www.homo-narraticus.de

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