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Depressionen über Instagram identifizieren? Was wir über Social Media verraten 0

Zwei Möglichkeiten gibt es, User dank ihrer Webnutzung zu analysieren: Zum Einen aufgrund ihres Verhaltens im Web mit ihren verschiedenen Geräten, ihren Geodaten und ihren Kommunikationsgewohnheiten – zum Anderen aufgrund des Contents, den sie selbst freiwillig im Social Web einstellen: Bei Facebook, Instagram und Twitter zeigen Posts, Likes und Interaktionen, in welcher seelischen Verfassung der Akteur ist. Wissenschaftler der Harvard University und der University of Vermont haben in einer Studie ermittelt, was Bilder bei Instagram über ihre Accountinhaber verraten: Ist da jemand eher weltoffen freudig – oder depressiv pessimistisch gestimmt? Wired verrät Anfang August 2018, was Instagram über die Psyche der aktiven Nutzer verrät.

Lieber Social Media nur noch passiv nutzen?

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Solche Studien können Angst machen. Wer will schon riskieren, dass Algorithmen und Tracking-Programme permanent messen, ob man mit Worten, Bildern, Videos und Interessen depressive Verstimmungen zeigt? Oder fangen die Menschen an, sich auch im Web immer mehr zu verstellen, weil sie dadurch ihren Marktwert erhöhen wollen? Lachende Gesichter, strahlende Farbgebungen, Selfies in fröhlichen, leistungsfähigen Gruppen, Empfehlungen angesagter Bücher, Musik und Filme – geht uns China nur ein kleines Stück voraus bei der „Erziehung“ des Volkes durch permanente Überwachung und ein angegliedertes Bonussystem?
Die Süddeutsche über China und das System für soziale Vertrauenswürdigkeit

Können Bürger sich schützen, indem sie konsequent eigene Inhalte bei Facebook, Instagram und Co konsequent verweigern und Social Media höchstens passiv nutzen? Oder sagt nicht gerade so ein passives Verhalten aus, dass man anscheinend etwas zu verbergen hat bzw. extrem unsicher ist in Bezug auf die eigene Persönlichkeit?

Überwachung ist eine ernste Gefahr, die national nicht zu lösen ist

Da das Internet keine Rücksicht nimmt auf Ländergrenzen, ist es kaum möglich, über nationale Gesetze und einen strengen Datenschutz die Bürger vor Überwachung zu schützen. Ob die neue Datenschutzverordnung der EU, die Ende Mai 2018 in Kraft tritt, an dem weltweiten Spiel mit Big Data etwas ändern wird, werden wir sehen. Vielleicht müssen Facebook, Google, Amazon, Apple und Co tatsächlich grundlegende Geschäftspraktiken ändern, um weiter auf EU-Boden tätig sein zu dürfen. Vielleicht müssen die Agenturen und Vermittler von Werbeplätzen ihr Tracking-Verhalten ändern, um weiter auf Werbeplätze bei Nachrichten- und Magazinplattformen im EU-Raum zugreifen zu dürfen – man wird sehen
wbs-law.de: Die neue Datenschutzgrundverordnung

So oder so, ob mit vereinten politisch demokratisch motivierten Kräften – oder skrupellosen Interessen, die das Recht des Stärkeren für sich in Anspruch nehmen und ausufernd nutzen, was machbar ist: Jeder Mensch sollte sich darüber Gedanken machen, was die Transparenz des eigenen Lebens für ihn bedeutet. Die Augen davor verschließen ist sicher die unvernünftigste Art; sich so weit wie möglich mit eigenen Informationen zurückzuhalten, könnte womöglich ein Karrierekiller sein. Sich grundlegend geschickt verhalten mit Kontakten, Kommunikation, Webverhalten und Bewegungsprofil, erinnert wirklich an 1984 – wir alle starren gebannt auf China und gruseln uns bei der Vorstellung, wie zerstörerisch ein System ist, das schon mit Minuspunkten bestraft, wenn man mal bei Rot über eine Ampel gegangen ist.

Vielleicht sollten wir in VHS-Kursen lernen, wie wir Bürger und Privatpersonen uns vor einer Überwachung wie in China schützen können. Vielleicht sollte jedes Kind in der Schule ein „Snowden-Verschlüsselungsbuch“ erhalten mit einer Anleitung, wie man professionell Datenschutz betreibt und auch die Freunde, Kollegen und Familienmitglieder vor unerwünschter Transparenz schützt.

Depressionen erkennen mit Instagram

Die Studie der Harvard University und der University of Vermont zeigt also, dass gewisse Filter, Motive und Farbgebungen dafür sprechen, dass es sich um einen depressiv gestimmten Charakter handelt beim Posten von Bildern im Netzwerk Instagram. Die Wissenschaftler träumen also von einer App, die automatisch Alarm schlägt, wenn der Smartphone-Nutzer durch sein Verhalten Warnsignale aussendet, die auf eine Depression schließen lassen. Andere Tests haben ähnliche zufriedenstellende Ergebnisse bei Twitter erbracht – zum Beispiel Schwangere daraufhin untersucht, ob sie Tendenzen zu einer postnatalen Depression haben.

Wir stehen noch ganz am Anfang dieser psychologischen Nutzung unserer Daten. Nicht nur Social Media und Surf-Verhalten, auch Stimmlagen bei Smarthome-Installationen, körperliche Signale und Freizeitinteressen sagen immer mehr über jeden einzelnen Menschen aus. Auch wenn sich das Rad nicht zurückdrehen lässt – darüber öffentlich nachdenken sollten wir auf jeden Fall. Sonst wird auch im Westen alles immer mehr zu China – und das ist schon ein genazer Schritt hin Richtung „Hölle auf Erden“.

Wired vom 8.8.17: Was Instagram über unsere Psyche verrät

 

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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