„Social Media für Kinder“: Gibt es bald ein Kinder-Instagram?

Durch die Corona-Pandemie hat sich der Smartphone- und Medienkonsum unserer Kinder weiter verstärkt. Kinder unter 13 Jahren dürften rechtlich gesehen eigentlich noch keine Social Apps wie WhatsApp, Instagram, Snapchat oder Tiktok nutzen, doch zumindest bei WhatsApp ist das fast unmöglich durchzusetzen. In der Regel haben Kinder ab dem 10. Lebensjahr beim Schulwechsel ihr erstes Smartphone – und WhatsApp als Familien- und Klassen-Gruppenchat ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Nun will Facebook eine Kinder-Version von Instagram auf den Markt bringen. Natürlich nur, um diese vor Gefahren zu schützen 😉 . Tatsache ist, dass Kinder nicht nur vor unlauteren Geldforderungen, Mobbing und sexuellen Übergriffen geschützt werden müssen – bei sozialen Netzwerken geht es um noch viel mehr…

Rechtliches

Bild von Ortrun Lenz auf Pixabay 

Seit Einführung der DSGVO im Jahr 2018 dürfen Jugendliche unter 16 Jahren eigentlich keine sozialen Netzwerke wie WhatsApp, Facebook, Instagram, Tiktok und Co mehr nutzen. Allerdings können Eltern ihre Einwilligung erteilen, wenn ihre Kinder mindestens 13 Jahre alt sind. Es ist jedoch sehr einfach, diese Regeln zu umgehen. Bei der Registrierung wird von der Plattform nach dem Alter gefragt – und es gibt nichts, was die Richtigkeit der Angabe kontrolliert. So sind die Plattformbetreiber rechtlich aus dem Schneider und können nicht in Haftung genommen werden, wenn etwas passiert. Im Zweifelsfall liegt dann die Verantwortung bei den Eltern.

Gefahren durch WhatsApp und Co

Bei WhatsApp nutzt Facebook nicht nur die Daten des jeweiligen Nutzers – sondern auch die Kontaktdaten aller gespeicherten Telefonbuch-Kontakte. Gerade das Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen ist sehr interessant, um deren Konsumvorlieben und psychologischen Triggerpunkte zu identifizieren. Auch in den sozialen Netzwerken ist es von erheblichem Interesse für die Plattformbetreiber, wie sich die Nutzer verhalten. Kommunikationsverhalten, Selbstdarstellungen, Medienvorlieben, Likes und Stimmungsschwankungen geben Aufschluss darüber, wie Kinder und Jugendliche berührt werden können in ihrer emotional beeinflussbarsten Lebensphase.

Weitere Gefahren in sozialen Netzwerken und Messangern lauern natürlich auch: Inhalte bei YouTube, in WhatsApp-Nachrichten und anderen Tools können verstörend sein. Erwachsene können versuchen, sich als Gleichaltrige auszugeben. Geldforderungen können entstehen – zum Beispiel über In-App-Käufe bei Smartphone-Games. Kettenbriefe können zur Gefahr werden – und vor Mobbingangriffen ist niemand wirklich sicher.

Instagram für Kinder

Facebook hat angekündigt, dass der Digital-Konzern nun auch eine spezielle Instagram-Version für Kinder herausgeben will. So könnten auch Kinder unter 13 die soziale Bilder-App beschützt nutzen. Die Funktionen in diesem „Kinder-Instagram“ sollen so angepasst werden, dass die Nutzer sicher surfen können und Eltern die Kontrolle über die Accounts behalten. Bei der Registrierung sind die Profile auf „privat“ voreingestellt. Wollen die User sich auf „öffentlich“ umstellen, erhalten sie eine Empfehlung, das lieber nicht zu tun.

Erwachsene sollen den Kindern keine Nachrichten schreiben können, falls diese ihnen nicht folgen. Vor Personen mit „möglicherweise verdächtigem Verhalten“ soll gewarnt werden. Kinder können solche Erwachsene leicht blockieren.

Meine Meinung zu „Instagram für Kinder“

Ich denke, es ist einfach nicht möglich, Kinder auf Dauer von Social Media und Smartphone-Games fern zu halten. Man muss also irgendwie damit leben. Und ich verstehe, dass Facebook an diese werberelevante Zielgruppe heran will! In der Zeit der Pubertät wird nicht nur der Musikgeschmack geprägt. Sämtliche Produkte, die aus der Kinderzeit in die Erwachsenenwelt führen, haben etwa ab dem zehnten Lebensjahr zentrale Bedeutung für den/die Heranwachsende/n. Natürlich ist es schade, wenn die großen Verführer mit ihren psychologischen Manipulationen unsere Jüngsten einfangen können – aber wie soll man sie davor schützen?

Wahrscheinlich waren Kinder noch nie so teuer wie heute. Immer mehr Eltern verschulden sich, um ihren Kindern all den Erlebnis- und Produkt-Konsum bieten zu können, der von ihnen erwartet wird. Man kann ja nicht den Zeugen Jehovas beitreten, um dem Wahnsinn zu entgehen. Wenn Kinder nun eine Instagram-App mit dem total auf sie zugeschnittenen Programm erhalten, wird es sicher noch schlimmer. Nicht nur bei Games, auch bei Instagram, Pinterest, YouTube, Tiktok und Co wird es immer selbstverständlicher, In-App-Käufe zu tätigen. Social Shopping ist der neueste Hit im Online-Marketing. Event-Forderungen aus dem Gruppenzwang heraus tun ihr Übriges: Hier ein Besuch im Disneyland, da ein Tag im Erlebnisbad, und dann noch bitte Sealife, Kino, Kletterpark und Zoo…

All diese Produkte lassen sich in Bildern, Stories und Videos besonders attraktiv präsentieren. Alles so schön bunt hier! Und dann die ganzen leckeren Naschereien! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Werbung für Schokolade im Kinder-Instagram verboten wird. Seufz… Aber das ist nun mal die Herausforderung unserer Zeit: Resilient zu werden gegenüber Verführungen, Süchten und Manipulationen. Bin gespannt wie lange es dauert, bis wir wach werden und bis uns das gelingt. Ob ich das noch erleben werde? Ich habe keinen blassen Schimmer…

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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