Wie lebt es sich, wenn man an nichts glaubt?

In unserer heutigen Zeit und unserer hiesigen Kultur glauben immer weniger Menschen mit deutscher Abstammung daran, dass es etwas „Göttliches“ gibt. Die meisten verbinden den Glauben an Gott mit einem alten Mann mit weißem Bart, der sich für allmächtig hält und versucht, mit Belohnungen und Strafen die Menschen zur Unterwerfung zu zwingen. Doch was passiert mit uns, wenn wir den Glauben an das Göttliche in eine Reihe stellen mit dem kindlichen Glauben an den Nikolaus? Was bleibt, wenn man nichts weiter ist als ein darwinistisch hochgepäppelter Regenwurm? 

Ist der Glaube an etwas Göttliches so etwas wie veraltete Psychotherapie? 

Als wir in unserer Kultur noch fast alle katholisch oder evangelisch waren (ich sage mal, bis in die Siebzigerjahre hinein), bestand diese christliche Tradition aus mehr als Taufausweis, Hochzeit in Weiß und Kirchensteuern. Im Kindergarten, in der Schule, in der Familie wurde dieser Glaube an Vater, Sohn und Heiliger Geist vermittelt wie eine erwiesene, unangreifbare Naturwissenschaft. Protestanten und Katholiken standen sich gegenüber wie verfeindete Fußballmannschaften. Protestanten verachteten die unaufgeklärten Katholiken – Katholiken glaubten, Protestanten kämen mit ihrer ketzerischen Bibelauslegung in die Hölle. 

Gott oder Klima?

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Heute ist so ein systemisch verankertes Narrativ kaum noch vorstellbar. Das göttliche Drohszenario wurde ersetzt durch das kosmische Drohszenario: Der Mensch vernichtet aus Eigennutz und Dummheit Natur, Erde, Klima, Kosmos.

Diese Auslegung von strafender Gerechtigkeit ist damit verbunden, dass es keine Hoffnung gibt: Wir vernichten uns selbst und es wird ein langsamer, grausamer Prozess sein, der uns für unsere Sünden bestraft. Und nach dem erlösenden Tod, was kommt danach? Danach kommt gar nichts, tot ist tot, fertig. Man hat vielleicht noch einen nachtotlichen Drogenrausch, wie Menschen erzählen, die schon einmal kurz tot waren – aber das ist auch alles. 

Können wir wirklich auf den Glauben an etwas Göttliches verzichten? 

Ich selbst glaube an das göttliche Prinzip auch heute noch wie ein Kind. Ich unterhalte mich andauernd  mit Gott, ich recke mich dem Himmel entgegen, wenn ich durch die Wälder ziehe, ich ersaufe in Schuldgefühlen, wenn ich anderen Menschen wehgetan habe.

Ich stehe mit meiner Seelenfamilie auf freundschaftlichem Fuß und erlebe andauernd „Zufälle“, bei denen ich das Gefühl habe, meine Leute da oben haben mal wieder etwas inszeniert. Das alles führt dazu, dass ich auch in schwierigen Zeiten Trost erfahre – und dass ich immer besser darin werde, meinen Nächsten lieben zu können wie mich selbst. Oder auch: Dass ich mich selbst von Herzen lieben kann wie meinen Nächsten und wie mein Bild von Gott.

Was ist Gott für mich

Für mich ist Gott einfach nur groooooooooooß. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Mein Gottesbild ist geprägt durch das Gebot (Exodus 20,4): „Du sollst dir kein Bildnis machen, weder irgendein Abbild dessen, was oben im Himmel, unten auf der Erde oder im Wasser unter der Erde ist.“

Ich bemühe mich, immer besser darin zu werden, Unvoreingenommenheit zu lernen. Einfach zu glauben wie ein Kind und einfach jeden Menschen, der mir über den Weg läuft, zu lieben wie mich selbst.

Jeden Tag scheitere ich darin – aber dadurch, dass ich durch kleine Rituale (abendliche Rückschauen) Bewusstsein bringe in meine (Ab-)Bilder und Urteile, empfinde ich immer mehr Freiheit und Übermut.

Was noch? Sinn empfinden

Außerdem ziehe ich, seit ich ein kleines Kind bin, durch mein Leben mit der fixen Idee, ich hätte hier eine Aufgabe „im Auftrag dieses Unbeschreiblichen“ bzw. Auftrag im Dienste meiner Seelenfamilie (ich habe übrigens keine Ahnung, wer zu meiner Seelenfamilie gehört – und es ist mir auch nicht wichtig). Das macht so viel Spaß!

Ich lebe sozusagen in einer Netflixserie, in der ich selbst die Heldin bin. Natürlich ist meine Serie ein Drama mit vielen Tiefen und Ängsten – aber das gibt dem Ganzen doch erst die Spannung! Ich möchte keine Familienserie wie „Unsere kleine Farm“ – ich möchte Abenteuer und ich möchte eine Heldenreise!

Das ist das Schönste an meinem tief verankerten Glauben an das „Was auch immer Du bist und was auch immer ich tun soll“. Es gibt Sinn!

Ich glaube, auch als Erwachsener kann man noch zum Glauben finden (ich mag auch Hinduismus und alle anderen Arten der Vielgötterei sehr gern). Man kann ja mal auf die Suche gehen. Aber nur als darwinistisch hochgepäppelter Regenwurm biologisch triebhaft zu leben, mit Überlebensinstinkt, Nahrung und Beute, Kampf um die eigene Fortpflanzung und mit der Gnade, beim Tod berauschende Drogen auszuschütten – sorry, aber das reicht nicht, um geborgen und resilient zu leben – das bekommt auch der beste Psychotherapeut nicht hin – ich glaube nicht, dass die große Liebe und die Familie den Glauben an „Was auch immer Du bist“ ersetzen kann.

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

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