Was ist Harmonie? Harmonie und Ebenmaß sind schöne Vorstellungshilfen, um sich in das einzufühlen, was die Natur uns in ihrem fließenden Sein zeigt. Harmonie und Ebenmaß zeigen seit der Antike das göttliche Wirken. Doch nun lasse ich erst einmal meinen Antagonisten sprechen mit der Gegenrede:
Gegenrede: Harmonie in der Natur?
Harmonie und Ebenmaß sind doch nicht vorhanden, wenn wir ein verwildertes Grundstück betrachten! Die Natur ist doch kein Abbild von Ebenmaß! Löwenzahn ist ausbreitend aggressiv, Füchse haben Flöhe. Vermoderndes stinkt, und Geburten bei Säugetieren sind voll mit Schleim und Blut. Wenn eine Katze eine Maus tötet, ist das ebenso verstörend wie der Anblick von Folter und Tötung eines Kindes im Krieg. Das soll Harmonie sein? Ist das nicht nur eine romantische Verklärung der Natur? Unkraut und Schädlinge zerstören die Herrlichkeit der Blütenpracht und die Reifung der Früchte. Ohne menschliche Pflege wäre Natur eine Wildnis aus den Produkten der Stärksten. Das Zarte, bezaubernd Ästhetische würde verschlungen und erdrückt.
Aha – ok, dann eben „Heilige Geometrie“
Unsere menschliche Vorstellung von „ästhetischer, vollkommener Harmonie“ ist zwar nicht gleichzusetzen mit unserer Freude an der Natur, entstammt aber schon den Naturprinzipien. Unser heutiges Harmonieempfinden entstammt vielleicht eher der Erinnerung an die „göttlich-heilige Geometrie“. Hier eine zehnminütige Video-Erläuterung von Heiliger Geometrie
Musik und Heilige Geometrie
Gerade in der Musik können wir Kompositionen erleben, die uns intuitiv das Konzept von vollkommener Harmonie näherbringen – wie zum Beispiel „Die Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach. Auch in der Architektur, in der gestaltenden Kunst und in der Eurythmie sehen wir die Fähigkeit des Menschen, intuitives Harmoniestreben umsetzen zu wollen.
Was ist nun die Heilige Geometrie?
Die Heilige Geometrie ist gewissermaßen der Ursprung antiker Mathematik – unabhängig von der geografischen Region der jeweiligen Hochkultur. In der Antike war der göttliche Ursprung unseres Daseins unumstritten – die Deutung und Bemessung einer mathematischen Harmonie war ohne die Voraussetzung des göttlichen Plans nicht möglich.
Was ist die Heilige Geometrie?
Wie das hier oben eingebettete Video zeigt, besteht die Schöpfung und Ordnung des Lebens aus dem männlichen und dem weiblichen Prinzip.
Der Oktaeder repräsentiert die männliche Schöpferkraft. Die Blume des Lebens zeigt die weibliche Gleichgewichtsordnung.

Sehen wir die Darstellung des vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci, sehen wir die Darstellung des Menschen als Abbild des Universums. Selbst völlig unspirituelle Menschen staunen über diese Skizze. Sollte der Mensch wirklich so zentral wichtig sein? Oder ist er womöglich nichts weiter als ein versklavter Kretin kosmischer Prinzipien?
Harmonie als Grundlage eines glücklichen Lebens
Wohl alle Menschen wollen gerne ein glückliches Leben führen. Die einen ziehen sich als Eremiten zurück in die Einsamkeit der Natur, des Klosters oder der eigenen Wohnung – die anderen gründen Familien und gliedern sich ein in Ahnensysteme, die aus der Vergangenheit schöpfen und die Zukunft des Familiensystems weiter aufbauen und sichern. Dann gibt es noch die Ehrgeizigen, die Rebellen, die Samariter, die Lehrer, die Verrückten und die Künstler.
Was auch immer es sei, der Glücksgrad ist abhängig von dem Anspruch, den ein Mensch hat. Bescheidene, anpassungsfähige Menschen sind glücklich mit Familie, Job, Erholungszeiten und mit Aufgaben rund um Freundschaft und gesellschaftliche Gruppenzugehörigkeiten.
Andere sind glücklich, wenn sie sich geborgen fühlen in ihrer vom Familienprinzip abweichenden Lebensaufgabe. Ob Mönch oder Unternehmer, ob Querdenker oder Karrierist – jeder Mensch hat eine (wenn auch meist sehr ungenaue) Vorstellung von Glück.
Ruhe in wahrgenommener Harmonie ist Glücksempfinden.
Ich selbst bin in der Regel täglich mehrfach glücklich. Zum Beispiel jetzt, wo ich das hier schreibe. Mein Glücksempfinden kann ich in etwa so beschreiben:
Tiefe Dankbarkeit (so was wie „unglaublich, ich werde geliebt“) und Liebesempfinden der ganzen Welt gegenüber (so was wie „ich bin so froh, dass es Euch alle gibt“). Diese Momente entstehen, wenn mir etwas klar wird und ich einen Heureka-Geistesblitz empfinde – also auf der kreativen Ebene.
Wenn ich draußen bin und etwas als wunderschön wahrnehme (Menschen, Himmel, Natur, Wasser, Pflanzen, Tiere …), befällt mich womöglich die gleiche Dankbarkeit und Liebe. Also: Zu Hause entsteht Glück durch kreative Prozesse in meinem Kopf – draußen durch menschliche Begegnungen und Begegnungen mit Natur und Himmel.
Wie kann ich mein Glücksempfinden weiter steigern?
- Ich kann mir für mein Dasein zu Hause noch mehr Möglichkeiten kreativer Schaffenskraft suchen.
- Ich brauche kreative Prozesse mit Blick darauf, dass ich vielleicht andere Menschen damit inspiriere. Das wären Schreiben und Sprechen – eventuell noch Malen (vielleicht mit dem Tablet …). Etwas nur für mich oder für ästhetische Gestaltung zu tun, langweilt mich wie Gartenarbeit.
- Bei mir muss alles schnell gehen. Ich habe keine Lust auf aufwendige Projekte. Ich will Spaß, und Spaß kommt aus dem Moment.
Was ist Dein Seelenfutter für Glücksmomente?
Sehr wahrscheinlich sind Deine Grundlagen für Glück Liebesbeziehungen und Familienleben. Das bestätigt der unumstrittene World Happiness Report, der seit 2011 das Glück der ganzen Menschheit misst und beschreibt. Und selbst, wenn es etwas anderes ist, was Dich glücklich macht – Menschen brauchen Geborgenheit, Anerkennung und eine Aufgabe, die ihnen Sinn in ihr Leben bringt.
Es lohnt sich, eigene Glücksmomente definieren zu können und aufzulisten. Dann kann man nämlich an ihnen arbeiten!
Viele viele Glücksmomente
wünscht Eva Ihnenfeldt




