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Werden Depressionen bei Facebook sichtbar? Kann eine Früherkennung den Betroffenen helfen? 0

Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat festgestellt, dass sich Depressionen bei Facebook ausdrücken: Menschen, die sich wertlos, einsam, überfordert und/oder leer fühlen, nutzen eine andere Wortwahl, zeigen andere Reaktionen und interessieren sich für andere Themen als Nichtbetroffene. Kann es vielleicht eine Hilfe für Menschen mit seelischen Problemen sein, wenn sie sich selbst diagnostizieren können, da das soziale Netzwerk ihnen Warnhinweise zukommen lässt? Oder ist es vielmehr eine zusätzliche Belastung, wenn man seine Depression nicht mehr unerkannt ausleben kann und ständig in der Angst vor Entlarvung leben muss? Deutschlandfunk: Facebook zur Früherkennung von Depressionen nutzen

Ich bin unentschieden bei der Beantwortung dieser Frage. Weiß noch sehr gut, wie ich vor Jahren einen Beitrag dazu schrieb, dass Psychiater ihre depressiven Patienten vor der Nutzung von Facebook warnten. Ich erntete erstaunliche und ergreifende Reaktionen von Betroffenen, die mir versicherten, wie Facebook ihnen in einem depressiven Tief dabei hilft, überhaupt noch mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Durch die digitale Distanz ist es leichter, den Kontakt zulassen und sich zum Beispiel in Facebook-Gruppen austauschen. Im analogen Leben wäre das unmöglich. So wird Facebook zur wichtigen Unterstützung, um die Einsamkeit zu ertragen.

Andererseits kann es zu einer hohen Belastung führen, wenn Existenzsorgen und Verlustängste dominieren. Was wird, wenn mein Arbeitgeber von meiner Depression erfährt? Könnte es sein, dass meine Warnzeichen dazu führen, dass meine Familie automatisch informiert wird? Könnte es womöglich so weit gehen, dass staatliche Institutionen davon erfahren, wenn ich häufiger an Freitod denke oder wenn ich Phantasien davon habe, mich an anderen Menschen rächen zu wollen?

Es ist immer wie mit dem Messer: Gleichzeitig ein Werkzeug und eine Waffe. Wenn wir staunend beobachten, wie sehr der chinesische Staat seine Bürger überwacht und analysiert, können wir uns alle möglichen Facetten der Zukunft ausmalen: Als dystopischen Ort, in dem jeder Mensch darauf achtet, erwünschtes Verhalten zu zeigen – oder als Paradies, wo wir uns umeinander kümmern, weil wir uns kennen und das Sprichwort „Im Dunkeln ist gut Munkeln“ seine Macht verliert.

Ich zumindest wünsche allen Menschen, die sich wertlos, einsam und leer fühlen (wer weiß, vielleicht bin ich morgen dran – niemand ist davor sicher!), dass sie sich trauen, sich über das Internet mit der Welt zu verbinden und somit eine Verbindung zu halten. Ich bin fest davon überzeugt, dass Bewusstheit die beste Therapie gegen seelische Ausweglosigkeit ist.

Im Schutz der digitalen Distanz lässt sich vieles erforschen, was in der Persönlichkeitsentwicklung weiter bringt. Künstliche Intelligenz und „Soul Machines“ können dabei unterstützen, sich selbst zu therapieren. Schon heute gibt es einige Apps, die Depressiven über den Tag begleiten mit Stimmungstagebüchern und Übungen. Lasst uns den Mut aufbringen, uns dem Unglück zu stellen, anstatt Theater zu spielen. So helfen wir unseren Mitmenschen, auch diesen Mut aufzubringen. Wer keine Krisen zulässt, ist statisch. Denn wirkliche Veränderung passiert da, wo wir durch den Schmerz gehen und geläutert daraus hervorgehen. Für mich sind Depressive keine Belastung, sondern Pioniere einer sich selbst bewussten Menschheit. Danke Euch dafür <3

Totalüberwachung in der Realität: In China entsteht ein gigantisches Scoring-System, das jeden einzelnen Bürger aufgrund seines Verhaltens und seiner Lebenssituation einen Wert zumisst.

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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