Christi-Himmelfahrt-Geschichte: Plötzlich war ich ganz allein

Kurzgeschichte zum Thema „Selbstliebe“ von Eva Ihnenfeldt.
Es ist noch gar nicht so lange her. Immer war ich bemüht gewesen, alles richtig zu machen. Immer war ich bemüht gewesen, meinen Eltern zu gefallen, nützlich zu sein, meine tausend Mängel auszugleichen durch Fleiß, Hingabe und Tatkraft. Doch dann, nach dem Ende einer Anstellung, die mich bis an den Rand der Erschöpfung gebracht hatte, brach die große Leere über mir zusammen.

So muss es sich für die Jünger angefühlt haben, als damals Jesus in den Himmel entschwand. Kein Schutz mehr, kein Trost, keine Aufträge, keine Lehren, keine Geborgenheit… Nur ein großes schwarzes Nichts blieb zurück – und die panische Angst vor dem, was nun kommen sollte: Verfolgung, Verhaftung, Folter, Hinrichtung, das Drohende nach dem Tod.

Christi Himmelfahrt – alles bricht zusammen

Und so lag ich daheim in meiner Wohnung wie gelähmt im Bett, wollte nicht mehr essen, nicht mehr trinken, nicht mehr atmen. Während im gleichen Moment die panische Angst vor dem „Danach“ in mir wütete.

Alles brach zusammen, Stück für Stück. Ich öffnete keine Briefe mehr, kümmerte mich um nichts mehr, ging nicht ans Telefon, öffnete nicht die Tür. Meine Angehörigen sorgten dafür, dass ich in Kliniken kam, die mich umsorgten und mir Schutz boten. Doch jedes Mal war nach sechs Wochen Schluss, und ich musste zurück in die Welt, die mir in eisiger Kälte mein wahres Gesicht spiegelte: ein hässlicher, nutzloser, verachtenswerter Versager zu sein.

Ich weinte so viel, war untröstlich in meiner Ausweglosigkeit. Jahre verbrachte ich so: Verlassen von dem, was mich von Kindheit an am Leben erhalten hatte. Als ich erwachte, hatten sich über 10.000 Euro Schulden angesammelt: Krankenkassenschulden, Mietschulden, Energieschulden, Steuer- und Haftpflichtschulden für das Auto … Mühsam kroch ich zum Jobcenter – und tatsächlich wurde mir dort auf wundersame Art geholfen. Der Himmel brach auf.

Der Himmel brach auf…

Das ist ein Jahr her. Es war kein einmaliges Pfingstereignis, das mich zu meiner Selbstliebe führte – es war ein langsamer, überraschender Prozess. Tatsächlich ein Prozess, der sich gut anfühlte! Heute bin ich ein Mensch, der strahlt, wenn er morgens nach dem Erwachen in den Spiegel schaut. Ich gehe durch die Straßen meiner Heimat und könnte all die, die mir begegnen, in die Arme schließen vor Glück. Ich juble innerlich, weil es so herrlich ist, sich selbst gefunden zu haben.

Was ist Selbstliebe?

Nun kann ich Euch ein bisschen erklären, was Selbstliebe ist – also was die Jünger erlebten, als der Heilige Geist über sie kam und sie mit Selbstliebe, Nächstenliebe, Liebe zu Verantwortung, Kraft und unendlichem Vertrauen erfüllte.

Selbstliebe ist die plötzliche Gewissheit, völlig okay zu sein, genauso wie man ist. Selbstliebe ist die Erkenntnis, gebraucht zu werden mit genau dem, was man im Innersten ist. Egal, ob als Helfer, als Rebell, als Krieger, Autorität, Forscher oder Weiser … Das Wunder, sich selbst in der eigenen Großartigkeit und Einzigartigkeit zu erkennen.

Im selben Moment, in dem sich diese Erkenntnis öffnet – bei einigen in einem einzigen Moment, bei anderen in unzählig vielen kleinen Wundern –, öffnet sich die Pforte zur Nächstenliebe. Die unermessliche Liebe zu allen Menschen. Die Bewunderung für die Vielfältigkeit des Menschheits-Garten Erde. Kluge und einfältige, liebe und wütende, tatkräftige und gemütliche, hochbegabte und ausführende, gefährliche und harmlose, machtliebende und gehorsame, rebellische und verantwortungsvolle … Unfassbar, wie prächtig die Farben der Milliarden „Ichs“ dem leuchten, der im eigenen Ich zur Selbstliebe gefunden hat.

Wie ich zu meiner Selbstliebe gefunden habe, ist völlig nebensächlich. Heute arbeite ich mit Begeisterung im sozialen Bereich. Ich staune über meine Kräfte, habe keine Probleme, 12-Stunden-Schichten zu bewältigen. Ich liebe meine Arbeit, kann Leid und Verzweiflung voller Mitgefühl umarmen, ohne daran selbst zu verzweifeln. Ich weiß sehr gut, wie sich Leid und Verzweiflung anfühlen.

Mein Weg

Genau diesen Weg habe ich gebraucht, um ein freier Mensch zu werden, der lieben und umarmen kann, ohne zu verurteilen. Genau diesen Weg habe ich gebraucht, um mich zu schützen vor Hochmut und Abwertung meiner Mitmenschen. Ich liebe meinen Vater und meine Mutter. Ich liebe die Zeit, in der mein geliebtes Ich zu schwach war, sich aus dem Bett zu erheben. Es ist, als wäre ich von den Toten auferstanden. Es ist so ein Glück. So ein Glück … 

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

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