Depressionen: Online-Selbsthilfegruppen für uns alle?

In unsere neu gestarteten Online-Selbsthilfegruppe im Rahmen des Coachingprojekts eines sehr engagierten Jobcenters versuchen wir, den richtigen Weg zu finden, wie Menschen mit Angststörungen und Depressionen sich überhaupt auf eine Online-Selbsthilfegruppe einlassen können. Für meine Leute ist es sehr schwer, andere Menschen mit schweren gesundheitlichen Herausforderungen „zu ertragen“ und auf diese einzugehen. Wir haben uns überlegt, dass wir im Rahmen der neunzig Minuten nach der eröffnenden „Bitzlicht-Runde“ (wie geht es Jeder/m gerade) die Gesprächsrunde so gestalten, dass jede/r von uns (ja, auch ich) unsere Beiträge eröffnen mit „Ich bin xxx und ich bin psychisch krank“. Ich war begeistert von der Formulierung, die von den Teilnehmern kam, und so beginne ich diesen Beitrag mit: „Ich bin Eva und ich bin psychisch krank“…

…und ich denke nach…

Bild von John Hain auf Pixabay

Wo liegt der Unterschied, ob ich im Irland der dreißiger Jahre in Armut und Hunger aufwuchs, mein Vater ein Trinker war und ich in der Schule von Lehrern und Pfarrern misshandelt wurde (Die Asche meiner Mutter)- oder ob ich in Deutschland im Jahr 2020 daran zerbreche, dass ich mein Leben als unwichtig und wertlos empfinde? Es trifft Kinder wie Erwachsene, Arme wie Reiche, Frauen wie Männer. Das Virus der Depression hat unser Land erfasst – und wen es in die Krallen bekommt, lässt es nur ungern wieder los.

Der Mensch bemüht sich verzweifelt, wieder gesund zu werden. Er geht zu Ärzten, nimmt Medikamente, macht Therapien, ändert seinen Lebensstil. Doch je mehr sein Leben darum kreist, aus der Lähmung und Sinnlosigkeit herauszukommen, desto wichtiger wird das Thema.

Gleich der Maus, die verzweifelt im Topf flüssiger Sahne herumpaddelt, nach und nach die Sahne festigt – und darauf irgendwann den Topf verlassen kann.

Bild von Wolfgang Eckert auf Pixabay 

Die betroffenen Menschen lesen Bücher, schauen Filme, lauschen Gurus, praktizieren Meditationen und bemühen sich nach Kräften, dem Gedankenkarussell der eigenen Sinnlosigkeit zu entkommen. Doch schaue ich in ihre Augen, sehe ich eine tiefe Traurigkeit – und die Angst, all das könne vergeblich sein.

Der Junge aus dem Buch „Die Asche meiner Mutter“, der in Irland unter erbärmlichsten Verhältnissen aufwächst, ist selbstverständlich auch tief geprägt von Schmerzen und Verzweiflungen, die sich in jede seiner Zellen eingegraben haben.

Oder meine Eltern, die im Ruhrgebiet den Nationalsozialismus und den Krieg überlebt haben – selbstverständlich waren sie psychisch krank und litten ihr Leben lang bis zum letzten Atemzug an ihrer Erinnerung an das Grauen – doch der Unterschied zu uns heutigen Menschen ist, dass sie nicht Bescheid wussten über ihre seelische Not! Sie hatten Depressionen und Ängste, erkrankten an Rheuma, ihrem Bewegungsapparat, bösartig wuchernden Geschwulsten, an Süchten, an ihrem Herzen und an ihrem Blut – doch sie nahmen all das hin wie ein unausweichliches Schicksal. Sie waren wie naive Kinder, die nie die Sprache der Seele gelernt haben.

Wir heute, die wir aufsteigen in ein neues Bewusstsein…

Wir heute haben viel gelernt, lernen immer weiter, dringen immer tiefer ein in die Schichten der Seele und des Weltensinns. Wir hinterfragen unsere Eltern, unsere Familien, unsere Schmerzen und unsere Traurigkeiten. Wir paddeln in der flüssigen Sahne und werden immer besser darin, die Grundgesetze des Lebens auf der Erde zu verstehen.

Ja, es ist eine Wahnsinns-Transformation, in der wir leben. Manchmal frage ich mich, ob wir so gefordert sind, weil wir den Planeten Erde in eine Müllhalde verwandelt haben, die nicht mehr lange bewohnbar für uns Menschen bleibt.

Leben unsere Seelen im Ghetto des biologisch Hinfälligen und bereiten sich darauf vor, dass sie vielleicht schon in einigen hundert Jahren woanders nach Abenteuern und Zielen suchen müssen – oder sich mit der unveränderbaren Ewigkeit abfinden müssen, weil „Dualität“ kein Thema mehr ist? Weil die Erde einmalig, unverwechselbar und unersetzbar ist, mit ihrem Erleben von Freude und Leid, von Liebe und Hass, von Schuld und Vergebung?

Es sei, wie es sei

Ok, es sei, wie es sei. Ich vergleiche ja immer gern das menschliche Leben mit dem Super-Mario-Land. Man startet, rennt herum, ist zunächst tölpelig, wird verhauen oder getötet, wird immer besser, überwindet „Endgegner“ – nur um auf der nächsten Ebene wieder von vorn anzufangen mit der Kunst, immer besser, klüger und stärker zu werden.

Endgegner: Das Leben ist sinnlos

Wir alle sind wohl gerade auf der Game-Ebene „Das Leben ist sinnlos“ und probieren die verschiedensten Methoden, Werkzeuge und Waffen aus, um irgendwann auch diesen „Endgegner“ überwältigen zu können. Ich persönlich habe die große Ehre und Freude, mit vielen Menschen arbeiten zu dürfen, die ihre Verzweiflung in extremer Form erleben. Gemeinsam suchen wir nach Werkzeugen, Methoden und Waffen, um sich Stück für Stück zu lösen aus Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Selbstverachtung.

Ich lerne von meinen Leuten, die erfahrene Krieger und Erdulder des Unausweichlichen sind, wie man damit klarkommt, nicht damit klarzukommen. Ich lerne Bewunderung, Nächstenliebe, Akzeptanz und mein Handwerk, sie bestmöglich in ihrem ganz persönlichen „Super-Mario-Spiel“ begleiten zu können. Gemeinsam paddeln wir in der flüssigen Sahne und stampfen sie fest – und sei sie nur ein minibisschen fester als vor unserer gemeinsamen Zeit.

Ihr könnt mir glauben: Das Leben hier unten ist alles andere als sinnlos. Wir sind Mensch für Mensch Giganten des „Dualitäts-Games“ – der Eine so, die Andere so. Irgendwann haben wir auch die Depressions-Welt überwunden. Mal sehen, was dann kommt. Wer weiß – vielleicht Love and Peace, Vergebung und befreites Lachen. Wir werden sehen…

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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