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Diskriminierung und Rollenmuster: Entscheiden die ersten Lebensjahre? 0

Nicht nur Schwarze werden in Gesellschaften (meist mit christlicher, weißer Machtelite) diskriminiert – auch Frauen erleben aufgrund ihres Geschlechts das gleiche Schicksal – und zwar weltweit und in sämtlichen Gesellschaftsschichten. Doch woran mag es liegen, dass homosexuelle Männer – die ja nun wahrlich besonders verfolgt, bedroht und diskriminiert werden – viel effektiver gegen ihre Ächtung ankämpfen als Frauen und Schwarze? Könnte es daran liegen, dass sich Rollenmuster und Selbstwertgefühl in den ersten Lebensjahren ausprägen und darum so schwer zu aufzulösen sind?

Bild von Karen Warfel auf Pixabay 

Ein Neugeborenes ist auf die Liebe und Fürsorge der Mutter angewiesen. Ohne Muttermilch, Führung und Schutz ist es dem Tod geweiht – zumindest in einer biologischen Umwelt ohne menschliche Eingriffe.

Sensible Prägung

Aus diesen lebensnotwendigen Gründen heraus strebt das Neugeborene danach, sich seiner Umgebung so optimal wie möglich anzupassen. Es wittert bei seinen Bezugspersonen jedes kleine Zeichen von Ärger, Unsicherheit, Abneigung und versucht, adäquat darauf zu reagieren: Überleben ist seine Aufgabe – und das so gut wie möglich.

Kein Wunder, dass die ersten Lebensjahre die Persönlichkeit des heranwachsenden Menschen so stark prägen. Wie muss ich sein, um optimal zu überleben? Brav? Fordernd? Stark? Klug? Hübsch? Kämpferisch? Was WILL meine Umgebung von mir? Welches Rollenmuster wird erwartet?

Schwarze Babys, weibliche Babys

Eine schwarze Hautfarbe lässt sich nicht verstecken. Wenn das Baby in einer weißhäutigen Umgebung aufwächst, spürt es ständig, dass es beäugt und belauert wird. Wächst es in einer schwarzhäutigen Familie auf, lernt es von Anfang an von den Familienmitgliedern und Freunden, wie man sich als Dunkelhäutiger verhält. Und das prägt fürs Leben.

Genau so ist es bei Menschen weiblichen Geschlechts. Vom ersten Tag an wird ein Mädchen als Mädchen betrachtet. Zwar sind die Rollenmuster ganz andere als bei einem dunkelhäutigen Baby – doch selbst bei den fortschrittlichsten Eltern bzw. in der modernsten Community lernt ein weibliches Baby, dass es niedlich, freundlich und hübsch sein sollte. Das gibt auf jeden Fall gehörige Pluspunkte und beschützt womöglich sogar vor Strafen.

Männliche Babys

Homosexuelle männliche Menschen werden in den ersten Jahren wohl nur selten als „anders“ gesehen. Solange sie nicht ihre sexuelle Orientierung offenbaren, können sie sich als Jungen darauf einstellen, was von Jungen erwartet wird: Erfolgreich, ehrgeizig, stark, selbstbewusst…

Jaja, ich weiß, auch das sind lauter Klischees, aber seit einigen Jahrzehnten beschäftige ich mich mit geschlechtsspezifischer Erziehung – und an Mädchen werden nun mal andere Erwartungen gestellt als an Jungen.

Ich kann natürlich nicht belegen, dass ich recht habe mit meiner Vermutung, dass homosexuelle Männern häufiger in Machtpositionen und unternehmerische Welten kommen als Schwarze oder Frauen – aber ich glaube, dass das Selbstbild eines Menschen dafür verantwortlich ist, was für ihn oder sie erreichbar ist. Traut man es sich zu, „ganz oben“ mitzumischen?

Erfolgstypen

Vielleicht weisen einige Aussagen wie folgende darauf hin, wie viel man sich zutraut – unabhängig von Bildung, Profession und Verantwortung:

  • Ich bin gut. Unabhängig davon, wie meine Leistungen honoriert werden – ich weiß, dass ich gut bin.
  • Ich bin bereit, für meine beruflichen/ geschäftlichen Ziele zu kämpfen. Ich bin bereit, zu gewinnen.
  • Mitbewerber werden strategisch in ihre Schranken verwiesen. Hindernisse werden aus dem Weg geräumt.
  • Erst kommen meine Interessen – dann schaue ich, wozu ich zusätzlich bereit bin.
  • Ich verfolge hartnäckig und beharrlich meine beruflichen/ geschäftlichen Visionen. Geht nicht gibt’s nicht.

Es gibt noch unzählige weitere Glaubenssätze, die für Erfolgsmenschen wichtig sind. Und ich gebe gerne zu, dass mir diese Erfolgsmenschen unsympathisch sind – ich verbinde das Streben nach Macht und das Streben nach Geld als Charakterfehler. In meiner prägenden Zeit habe ich von meiner Mama gelernt, dass Erfolgsmenschen die Schwächeren unterdrücken wollen und dass man sich von ihnen besser fern hält.

Männliche Freunde von mir, die homosexuell sind, sind zwar in der Regel weiblicher als ihre heterosexuellen Geschlechtsgenossen – doch sie trauen sich trotz Alledem oft eine Menge zu und führen ein gutes Leben. Wir alle kennen zumindest aus den Medien erfolgreiche Unternehmer, prominente Designer, Akademiker, Künstler – und es gibt ja auch gottseidank immer mehr Politiker, die zu ihrer sexuellen Orientierung stehen können.

Darüber freue ich mich ungemein. Was hat man diese Menschen über Jahrhunderte diskriminiert, verfolgt, misshandelt und getötet. Es erscheint mir regelrecht als Wunder, dass es trotz Alledem so viele Homosexuelle gibt, die sich in westlichen Gesellschaften einen Weg zum Erfolg gebahnt haben.

Zeiten der sensiblen Prägung

Könnte es nicht wirklich sein, dass sie in der frühkindlichen Zeit der „sensiblen Prägung“ noch nicht von der Gesellschaft identifiziert werden konnten? Dass sie ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen konnten, da sie als „normale“ männliche Babys wahrgenommen wurden?

Mag alles eine verzerrte Sichtweise von mir sein – doch ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass wir Menschen nicht viel anders sind als Gänseküken, die nach dem Schlüpfen der ersten Person hinterherlaufen („Mama!“), die uns begegnet. Also mein Appell an alle, die mit Neugeborenen verbunden sind:

  • Sagt ihnen immer wieder, dass sie erfolgreiche Genies sind (auch wenn Ihr es anfangs nicht glaubt – je häufiger Ihr es wiederholt, desto mehr glaubt Ihr es auch selbst)
  • Sagt ihnen immer wieder, dass sie einzigartig, klug, begabt, fleißig, bewundernswert, großartig sind
  • Passt gut darauf auf, ob ihr Mädchen-Babys (die übrigens von Jungen-Babys nicht unterschieden werden können im angezogenen Zustand) als niedlich, süß, hübsch, brav und „zickig“ wahrnehmt. Haut Euch selbst dabei auf die Finger. Hört damit auf. Ihr prägt sie!
  • Passt gut darauf auf, ob Ihr männliche Babys als kämpferisch, willensstark, draufgängerisch und leistungsorientiert wahrnehmt. Haut Euch selbst dabei auf die Finger. Hört damit auf. Ihr prägt sie!
  • Und Ihr, die Ihr mit dunkelhäutigen Babys zu tun habt: Erzählt ihnen immer wieder Geschichten über diejenigen Schwarzen, die die Geschicke unserer Welt leiten. Erzählt ihnen von Unternehmern, Politikern, Menschenführern, Finanziers, Rosa Parks… – zeigt ihnen prominente dunkelfarbige Vorbilder. Es prägt! Phantasie geht der Realität stets voran.

Auf dass wir alle lernen, die ersten Tage, Wochen und Monate eines Babys gut zu nutzen, damit die Kleinen stolz auf sich sind und das Paradies für erreichbar halten. Die Berge absenken und die Täler anheben – nur so kommen wir zu einer Welt, in der der Mensch des Menschen Bruder ist. Und Schwester natürlich – sorry…

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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