Ghosting in Beruf und Business. Werde ich ignoriert?

Ghosting bedeutet, ignoriert – nicht wahrgenommen zu werden. Stellensuchende erhalten keine Antwort auf ihre Bewerbung; berufliche Mails und Anrufe mit Bitte um Antwort bleiben im „Nirwana“ stecken; Mitarbeiter erscheinen einfach nicht mehr zur Arbeit, so als hätte sie der Erdboden verschluckt; Auftraggeber sind plötzlich unerreichbar für den Auftragnehmer – oder umgekehrt… Das war wir aus dem privaten Bereich kennen und was sehr verletzend sein kann, hat im beruflich/ geschäftlichen Umfeld noch weitreichendere Konsequenzen: Es geht um existenzielle Bedürfnisse, um Geld, Sicherheit, Perspektive.

Ghosting im digitalen Wandel

Bild von Lukas Bieri auf Pixabay 

Unsere Arbeitswelt verlagert sich immer weiter ins Digitale. Bewerbungen werden auf Portalen hochgeladen, Vorstellungsgespräche erfolgen per Videokonferenz, im Berufsalltag werden Kommunikationsstränge verlagert von der E-Mail auf Tools wie Microsoft Teams oder Slack. Das hat unter Anderem zur Folge, dass die einzelne Kontaktaufnahme, Bewerbung, Frage, Beschwerde, Idee oder Information in der Masse untergeht.

So viel wie möglich wird automatisiert beantwortet – und da kann die Kommunikation „von Mensch zu Mensch“ durchaus als überflüssig, lästig, unangenehm oder aufschiebbar eingestuft werden. Oder man denkt, das System hätte schon angemessen reagiert – und man selbst wäre raus.

Jobsuchende schreiben Bewerbungen wie am Fließband und schauen mal, was passiert. Frisch Eingestellte wollten sich zwar den neuen Arbeitgeber „warm halten“, haben aber noch andere Eisen im Feuer. Interessierte Kunden bzw. Auftraggeber sagen schnell vorsorglich zu – doch sie sind es gewohnt, dass morgen schon wieder alles ganz anders aussieht und man nicht zu seinem Wort stehen kann oder will.

Nichts persönlich nehmen!

Darum ist die wichtigste Regel für den Ignorierten, eine Ghosting-Erfahrung nicht persönlich zu nehmen. Wir alle sind tagtäglich „Opfer“ von mehr als 20.000 Werbebotschaften, hinzu kommen private Messages wie bei WhatsApp – und im Beruf ertrinken viele sowieso in den ständigen Kommunikationsflüssen. Egal ob Kollege, Chef oder Untergebener, Bewerber oder Arbeitgeber, Auftragnehmer oder Auftraggeber – bloß nichts persönlich nehmen!

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sich nicht mehr meldet, weil er voller Verachtung und Ekel auf den „Anklopfenden“ schaut, ist gering (es sei denn, man wird überall vom Angesprochenen blockiert – das hat natürlich Aussagekraft). In den allermeisten Fällen sind die Gründe für’s Ignorieren trivial. Überforderung, Vergessen haben, Ruhe wollen, Abwimmeln, Lästiges loswerden, Kompensation eigener Probleme, kein Geld, keine Zeit, kein Mut.

Was kann man tun, wenn man „Wie Luft“ behandelt wird?

Man kann wunderbar üben, seine Kommunikationsfähigkeit zu vervollkommnen, indem man solche Erfahrungen in Aktivität transformiert. Also anstatt zu sagen „Mir doch egal, wenn ich keine Absage erhalte bei meiner Bewerbung“ oder „Mir doch egal, wenn mein Chef mir auf meine Mails/Anrufe nicht antwortet“ oder „Mit doch egal, wenn der neue Mitarbeiter direkt am ersten Tag nicht erscheint“ – sollte man lästig werden wie die Witwe, die den ungerechten Richter so lange nervt, bis sie ihr Recht bekommt.

Schau mich an!

Je schwächer wir sind, desto herausfordernder ist es, auf Antwort zu bestehen. Je weiter oben wir in der Hierarchie stehen, desto leichter ist es, jemanden zu ignorieren – selbst wenn dieser in höchster Not ist.

Da hilft nur eins: Lästig sein. Nicht aufgeben heißt die Devise, es immer wieder probieren, klar machen, dass man sich nicht ignorieren lässt. So verwandelt sich Schwäche in Stärke, ein verlorener Kampf in einen gewonnen Kampf, das Mauerblümchen in eine respektable Persönlichkeit. Also keine Angst vor Ghosting – aber gefallen lassen geht gar nicht. Sei lästig, nervig, aufdringlich… aber gib nicht auf. Du hast ein Recht auf Antworten – und darum holst Du sie Dir. Punkt.

Basicthinking.de: Ghosting im Job – der Trend nimmt zu

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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