Verunsicherung: Wenn der Mensch keiner „Wahrheit“ mehr trauen kann

Wir sind angekommen in einer Zeit, in der man nicht einmal mehr den etablierten Medien vertrauen kann in Bezug auf Bilder, Videos, Zahlen und Fakten. Fast täglich werden Fakenews aufgedeckt – wie beim Stromausfall in Berlin die „Fakten“ zum Aufenthalt und Engagements des Oberbürgermeisters. Niemand regt sich mehr darüber auf. So sind Politiker eben – das Einzige, was zählt, ist, dass die Botschaft stimmt. Und KI steuert ihr Bestes hinzu – „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“? OK, lasst uns Bilder und Videos zaubern…

Einleitung: Mein persönliches Ver- und Misstrauen in Autoritäten

Schon ab der Pubertät hatte ich kein Vertrauen mehr in das, was Lehrer so erzählen. Ich saß in der Schule und vertraute nur den Lehrern, die ich lieb haben konnte. Hatte ich nicht lieb, erfüllte mich Misstrauen und eine grundsätzliche Blockade zum Inhalt. Da ich in meiner gesamten Schulzeit bis zum Abitur nur zwei Lehrer kennenlernte, die ich liebgewinnen konnte und denen ich vertraute, vergaß ich fast alles, was ich hätte lernen sollen. 

Wie stille ich meinen Wissensdurst?

Heute verfahren ich ebenso beim Konsum von Nachrichten und Analysen. Ich bevorzuge YouTube (natürlich werbefrei im Abo), um mir in aller Ruhe Interviewpartner und Expertenrunden zu suchen, denen ich Vertrauen und Respekt entgegenbringe. 

Meine „Gnade der frühen Geburt“ erlaubt es mir, investigativen Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus den achtziger und neunziger Jahre zu folgen, die sich bis heute ihre regierungskritische Haltung bewahrt haben wie Patrick Baab, Dirk Pohlmann – und auch die EU-Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot. Einige erhalten bereits Altersbezüge und können sich ihre Offenheit leisten. Von da ausgehend finde ich weitere investigative Diplomaten, Journalisten und Experten, die mit meinen Journalisten zusammenarbeiten – oder die von ihnen empfohlen werden. Gern schaue ich politische Analysen von hochrangigen Experten aus aller Welt – dank der zunehmenden KI-gestützten Synchronisation ein ungetrübtes Vergnügen.

So ackere ich mich durch einen Dschungel von Informations-kanälen und Debattenräumen, die durchsetzt sind von unzähligen Interessen und Motiven, die Zuschauer zu beeinflussen.

Weltweit wüten Medienkriege zwischen dem, was mit „links“ und „rechts“ betitelt wird, die mir jedoch eher so vorkommen wie Kriege zwischen BVB und Bayern München. Die Skrupel sinken von Tag zu Tag in dieser Schneeballschlacht hinter Brandmauern, in der Erwartung, dass durch passende Botschaften und passen „Fakten“  Menschen von der anderen Seite auf die eigene Seite „hinübergezogen“ werden – und die Erwartung, dass die eigenen Fans bereit sind, im Kampf gegen ? aktiv zum Sieg beizutragen, ist stetiger Begleiter der Inhalte.

KI-Verfälschung wird selbstverständlich

Als ich nun sah, dass CNBC das  Pressefoto des erschossenen Alex Pretty mit KI bearbeitet hat (Gebiss kosmetisch optimiert, Kinnpartie verkürzt, Teint gebräunt, Augenpartie sympathisch optimiert…) geschah in mir etwas Entscheidendes: Es gibt auch in Nachrichtenmedien nur noch Botschaften, es gibt keine Wahrheit mehr. KI wird hemmungslos eingesetzt, sogar bei solchen Kleinigkeiten. Das Opfer sollte sympathisch aufgehübscht werden? OK, ist in wenigen Sekunden erledigt. Die andere politische Presse macht den Toten womöglich hässlicher. Alles ist denkbar. Eines ist klar: Wer bei solchen Unbedeutsamkeiten schon schummelt, der schummelt erst mal recht im Großen.

Wenn die Wahrheit stirbt …

Es gibt zwei Sorten von Wahrheiten: Die einen Wahrheiten, die auf persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen beruhen (und denen man auch nicht so wirklich trauen kann) und den anderen Wahrheiten, die auf vertrauenswürdigen Autoritäten wie Einstein und dem Papst beruhen. 

Ist es nun ein geistiger Fortschritt oder die Basis für gesellschaftliche Zerwürfnisse, wenn das Vertrauen in die eigene Wahrheit und die Wahrheit durch Autoritäten verloren geht? Hier ein Pro und Contra

Pro Wahrheitssuche 

Ich fahre und laufe gerne mit Google Maps, da ich gelernt habe, dass die emotionslose, datengespickte KI der menschlichen Fähigkeit, Karten aus Papier zu lesen, meilenweit überlegen ist. Ich nutze gern die KI-Suchmaschine Perplexity, da die so ähnlich funktioniert. Ich muss nur mein Wissensziel korrekt eingeben (was häufig mehrere Korrekturen meiner Eingaben erfordert) – und ich erfahre die bestmögliche „Wahrheit“ dadurch, dass die KI-Suchmaschine anhand der ihr vorliegenden Daten aus der Menschheitsgeschichte seit Schrifterfindung in der Lage ist, einen wertfreien Überblick zu geben. Genial!

Ich kann in Gleichmut damit leben, dass die Medien und Lobbyisten-Lager sich in ihren Schlammschlachten austoben – wenn ich klug genug meine Prompts formuliere, kann ich diese Barrieren der Botschaften-Matrix überwinden und mich den Fakten annähern. Macht Spaß!

Contra Wahrheitssuche  

Aus der Psychologie weiß man zwischenzeitlich, wie trügerisch Erinnerungen und die Interpretation von Erfahrungen sind. Jeder Mensch ist zumindest zu einem erheblichen Teil fremdbestimmt durch Erziehung, Temperament, Genetik, Traumata, Angst und den Zwang der Gruppenzugehörigkeit. Allein diese Erkenntnis kann in den Wahnsinn treiben! Wie, ich kann noch nicht mal mir selber trauen?

Vertrauen in Autoritäten: Seit ich ein Smartphone besitze, habe ich gern bei Vorträgen mein Handy unter dem Tisch auf dem Schoß und schaue nach, ob der Vortragende „Botschaften“ oder Fakten erzählt. Sehr häufig sind die angeblichen Fakten so falsch wie damals in der Schule. 

Was also würde passieren, wenn wir dank der massenhaften Manipulation durch Eingriffe der KI einfach Schluss machen mit der Wahrheitssuche? Würde das bedeuten, dass wir auf den Stand von Tieren zurücksinken, die nichts weiter können als ihren Instinkten und Emotionen folgen? Würden wir verdummen?

Ohne Fahneneid auf unumstößliche Wahrheiten?

Oder könnte es sein, dass wir in unserem Wunsch, als Menschheit durchgehend liebesfähig und versöhnlich zu werden, ohne den Fahneneid auf die unumstößliche „Wahrheit“ (die es selbst in der Wissenschaft nicht gibt) frei werden und schöpferisch kreativer sein können?

Wenn wir die KI nutzen würden wie Google Maps oder ein Bertelsmann-Lexikon; wenn wir entlastet von Wahrheitsschwüren uns selbst vertrauen könnten (mit all unseren subjektiven Erinnerungen und Bewertungen), könnte das nicht sogar dazu führen, dass wir an Intelligenz und kreativer Schöpfungsenergie gewinnen? Dass wir das Gewand des Untertanen abstreifen und zu einer neuen Größe heranwachsen, die nicht mehr angewiesen ist auf die zerstörerische, brutale Schlacht gegen angebliche „Feinde“? 

Ich weiß es nicht. Ich selbst bin auf jeden Fall im Team „Contra Wahrheitssuche“. Ich bin eine Gläubige. Ich glaube an den Liebesauftrag des Planeten Erde, und ich glaube daran, dass wir Menschen in der Lage sind, diese Kunst der freien, alles annehmenden Liebe erfüllen zu können. 

Jeder Mensch ist ein Künstler

Kunst ist für mich viel weiter gefasst als die Kunst, die an Geld gekoppelt ist. Kunst ist ein überraschender Gesprächsaustausch mit einem Fremden. Kunst ist das, was ich gerade in diesem Moment tue: ich reflektiere schriftlich, was mir durch den Kopf geht und komme zu Erkenntnissen, die mich fröhlich stimmen. 

In diesem Sinne: Ob Wahrheitssucher wie einst die christlichen Kreuzritter, oder ob genüsslicher GoogleMaps-Nutzer mit schöpferischen Freuden – wir sind alle toll. Hauptsache, wir vernichten uns nicht gegenseitig in Wahrheitskriegen…

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert