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Was sind eigentlich Kuschelpartys? Auf jeden Fall gibt es fast überall welche… 0

Vor Kurzem traf ich mich mit einer Freundin, die seit rund einem Jahr gern und regelmäßig an Kuschelpartys teilnimmt. Ich war total fasziniert von dem, was sie erzählte: Menschen zwischen 20 und ca sechzig treffen sich und kuscheln miteinander. Es gibt verschiedene Formate – angezogen und nackt, mit oder ohne Berührung von erogenen Zonen. Worauf es ankommt ist, dass die Teilnehmer (bei heterogenen Events wird darauf geachtet, dass es die gleiche Anzahl von Männern und Frauen gibt) sich  frei und angenommen fühlen in ihrem Bedürfnis nach körperlicher Berührung. Könnte es sein, dass diese Bewegung (die natürlich aus den USA stammt) unser Verhältnis zu Sexualität verändert?

Natürlich sind Kuschelpartys nichts für jeden. Meine Freundin erzählte mir, dass fast alle ihre Freunde so ähnlich reagieren wie ich „Kannst Du Dich denn von jedem Mann anfassen lassen? Findest Du die denn nicht fast alle voll unattraktiv – oder sogar abstoßend?“. Kuschelparty-Besucher lernen, dass sie fremde Menschen körperlich genau so annehmen können wie wir es lernen, andere Menschen in ihrer Persönlichkeit wertzuschätzen. Körper, Seele, Geist… wo ist der Unterschied?

Ob alt, ob jung, ob durchtrainiert oder mollig, nach und nach scheinen die Abwehrmechanismen weniger zu werden. Konditionierungen aus der Kindheit „Irgendwann kommt der/ die Eine, mit der Du Erotik = große Liebe lebst – auf den oder die musst Du warten“ können abgebaut werden durch die vielen freundlich harmlosen Erfahrungen auf den Partys, bei denen Menschen mit den gleichen Sehnsüchten und Bedürfnissen sich austauschen.

Warten auf die große Liebe

Nicht nur Singles, auch Paare kommen zu den Kuschelpartys, habe ich gelernt. Manche bleiben den Abend über zusammen, andere trennen sich und kuscheln mit den anderen Teilnehmern. Es spielt keine Rolle und stört auch nicht.

bento: Erfahrungsbericht von einer Kuschelparty

Das Bedürfnis nach Nähe und körperlichen Streicheleinheiten ist ganz sicher mit dafür verantwortlich, dass viele Menschen so verzweifelt nach der großen Liebe suchen. Wie viele Menschen fallen wegen unglücklicher Liebe in tiefste Krisen und leiden jahrelang darunter, wenn der/die Geliebte sie nicht mehr will! Könnte da das Phänomen Kuschelpartys befreiend wirken und wie eine Therapie, um sich aus einem ungesunden Zweierbeziehungs-Wahn zu befreien?

Meine Freundin hat es genau so erlebt. Nach einer schmerzhaften Trennung hat sie den Weg in die Offensive gewählt und es nicht bereut. Natürlich lernt man auf den Partys als Frau auch Männer kennen, mit denen man anschließend die Nacht verbringt – warum auch nicht? Natürlich hat man auch immer Teilnehmer, die man nicht gern berührt oder von denen man sich nicht gern berühren lässt. Dann lehnt man freundlich ab und geht weiter – und niemand ist sauer!

Wandel der Sexualität?

Neben dem Effekt, dass man aus dieser Absolutheits-Fiktion der „großen wahren Liebe“ herauskommt, sind Kuschelpartys auch ein Wandel in der Sexualität. Statt dem „Vergewaltigerkomplex“ des klassischen pornografischen Eroberungsfeldzugs gibt es hier die zärtlich liebevolle Variation von Erotik. Könnte auch das wie ein Virus eine ganze Kultur verändern, weil es befreiend wirkt?

WAZ: Erfahrungsbericht von einer Kuschelparty in Essen

Bei Kuschelpartys sind eigentlich immer mehr Männer angemeldet als Frauen, habe ich von meiner Freundin gelernt. Kommen dürfen die überzähligen Männer nur, wenn sich wieder eine neue Frau angemeldet hat. Es scheint also beim „starken Geschlecht“ durchaus die Sehnsucht nach körperlichem Austausch zu geben der mal nicht an Leistung gekoppelt ist sondern an Zärtlichkeit.

Die Einsamkeit der Großstädter

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Einsamkeit und Anonymität für diele entwurzelte Großstädter Alltag ist. Traditionelle Communities verlieren an Bedeutung. Durch die beruflich geforderte Flexibilität und Agilität muss man sich immer wieder neu in der Fremde einleben und neue Menschen kennen lernen – oder allein bleiben.

Wer also sein Glück versuchen will: Einfach mal bei Google „Kuschelparty“ mit einem passenden Städtenamen eingeben und auf die jeweilige Webseite klicken. Kuschelparty-Gastgeber sind normalerweise ideell motiviert und dementsprechend niedrig sind die Gebühren. Schon für 20 Euro kann man vielerorts an einer Kuschelparty teilnehmen – wenn gerade mal ein Platz frei ist.

Hier habe ich eine Seite gefunden, auf der Kuschelparty-Anbieter gesammelt stehen. Also auf in ein neues Zeitalter! Schluss mit den quälenden Glaubenssätzen – hin zu Liebe und Verständnis wie damals bei den Hippies. Vielleicht sogar mit Kuschelpartys 🙂
http://www.alle-kuschelpartys.de/ 

 

 

 

 

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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