Senioren müssen digital werden – aber wie?

Die Regeln und Maßnahmen in der Corona-Pandemie haben die digitale Entwicklung noch weiter beschleunigt. Viele Handlungen und Entscheidungen sind ohne den Zugang zum Internet nicht einmal mehr möglich. In Schwimmbädern und anderen Freizeiteinrichtungen muss man digital ein Ticket erwerben, um eine Überfüllung zu vermeiden; der Zugang zu Ämtern, Kliniken etc. ist ebenfalls häufig nur noch über digitale Anmeldungen möglich; Warenerwerb, Bankgeschäfte und Verkehrsmittelnutzung erfordern digitalen Zugang.

Senioren digital – Bild von Manuel Alvarez auf Pixabay 

Für viele Senioren ist das eine Katastrophe. Nicht nur auf dem Lande, auch in Metropolen reichen Postsendungen, Telefonate und persönliches Aufsuchen nicht mehr, um lebensnotwendige Aktionen durchzuführen. Selbst die konservativsten Senioren/Innen müssen sich eingestehen, dass sie ohne digitalen Zugang und digitales KnowHow gefährdet bis zu hilflos ausgeliefert sind.

Was Hänschen nicht lernt…

Die innere Blockade, sich zu alt zum Lernen zu fühlen, ist bei vielen alten Menschen ausgeprägt. Schule, Ausbildung und eventuell Studium sollten dahin führen, dass man im Beruf nur noch das hinzulernt, was unbedingt nötig ist. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich die Welt so rasend schnell weiterentwickelt, dass diese Haltung nicht mehr möglich ist. An allererster Stelle steht da der Umgang mit der Digitalisierung. Senioren müssen sich innerlich von dem „Ich habe lange genug gelernt“ verabschieden.

Das macht bei mir meine Sohn/ meine Tochter/ die Enkel

Viele Senioren erwarten von ihren Kindern, dass sie ihnen bei ihren Problemen mit dem Computer, dem Smartphone, den zahlreichen Sorgen um Sicherheit, Angriffen im Netz, Infrastruktur, Anwendung und riskanten Bedienungsfehlern helfen. Doch da solche Probleme sehr häufig auftreten, haben nur die wenigsten Kinder Lust dazu. Einmalige Einrichtungen sind noch ok für die meisten (z.B. um Alexa zu aktivieren für die Eltern) – doch das ständige „Ich habe da ein Problem…“ wird als nervige Belästigung empfunden. Häufig wollen die schwer verstehenden Senioren ja auch noch, dass man es ihnen so lange erklärt, bis sie es selbst können! Das kann dauern.

Wo ein Wille ist, ist ein Weg

Entscheidend ist, dass der älter werdende Mensch nicht der Technik die Schuld gibt oder dieses neumodische Zeugs verurteilt – sondern dass er Lust hat, digital fit zu werden. Wie kann man zu einem solchen unbedingten Willen kommen?

  • Im TV Sendungen schauen, die digitale Tipps geben
  • Von Freunden, Nachbarn, Vereinsmitgliedern und anderen älteren Menschen lernen, wie diese Freude und Lebenserleichterung haben an digitalen Geräten
  • Einfach mal ein Smartphone oder Tablet in die Hand nehmen von Familienmitgliedern und Bekannten, und staunend erleben, was das kleine Ding alles kann
  • Sich ein preisgünstiges Smartphone ohne Vertrag kaufen, eine günstige Prepaid-Karte erwerben (z.B. von Aldi oder Lidl) und sich Stück für Stück damit vertraut machen – nur Mut!
  • Eine Liste erstellen, was man alles gern tun würde: z.B. Online shoppen, mit Familie und Freunden kommunizieren, Informationen erhalten, E-Mails schreiben, bargeldlos zahlen, das Bankkonto digital verwalten, fotografieren und filmen…
  • Die Familie zum Staunen bringen, weil man erstaunlich fit geworden ist im Digitalen -man hat sich emanzipiert und erlebt Bereicherung im Alltag

OK, ich will – was nun?

Leider ist es noch nicht sehr gut bestellt um Seniorenkurse für die gesellschaftliche Teilhabe. Zwar bieten Volkshochschulen Kurse für den digitalen Weg an, doch meiner Recherche nach sind diese Kurse häufig zu kurz, zu speziell, zu teuer, nicht auf die Bedürfnisse der Senioren ausgerichtet.

Aktiv werden und nach Lernangeboten fahnden

Wer schon über einen Laptop und Internetzugang verfügt, kann vielleicht mit diesem sehr guten „Wegweiser durch die digitale Welt“ (pdf, 92 Seiten, hier als kostenloser Download vom BAGSO) einen Schritt weiterkommen. Ausdrucken oder in der Printversion bestellen, lesen, unterstreichen, ausprobieren…

Wer nur ein Smartphone besitzt und nicht viel mehr damit anfangen kann als telefonieren und WhatsApp’en, sollte tatsächlich sich erkundigen nach Kursen. Volkshochschulen sind sicher der naheliegendste Weg – doch vielleicht gibt es auch Senioreneinrichtungen, die ganz speziell für diese Zielgruppe etwas anbieten – vielleicht sogar unter dem Aspekt geselliger Zusammenkünfte! Das wäre natürlich der Jackpot.

Förderprogramm „Miteinander – Digital“ ab 24. März 2022

Das Land NRW hat am 14. März 2022 das Förderprogramm „Miteinander – Digital“ gestartet, das Projekte finanzieren soll, die die gesellschaftliche Teilhabe von Senioren/Innen im Quartier ermöglichen. Pflegeeinrichtungen sollen dabei eine Lotsen- und Ankerfunktion im einnehmen und Strukturen, Kooperationen und Verbindungen zum Aufbau von bedarfsgerechten digitalen Angeboten initiieren und koordinieren.
Förderprogramm „Miteinander – Digital“ :
Digitale Befähigung und Teilhabe älterer Menschen im Quartier.

Auf jeden Fall ist es nicht mehr möglich zu denken, das Problem würde sich irgendwie von allein regeln – zum Beispiel durch das Ableben undigitaler Greisinnen und Greise. Wenn es auf dem Lande nicht einmal mehr möglich ist, ohne digitalen Zugang Bankgeschäfte zu tätigen, bleibt keine Zeit mehr. Senioren müssen die Schulbank drücken, Pflegeeinrichtungen müssen für ihre Bewohner digital werden – Internetzugang muss als Menschenrecht verstanden werden. Es gibt keine Alternative dazu.

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.