Nach dem Zertifikat ist vor dem Job: Ratschläge für Berufseinsteiger Social Media

Christian Spließ, Social Media Storyteller: Ich wurde in dieser Woche gefragt, welche Tipps ich für Berufseinsteiger in den Social-Media-Markt hätte, wie fängt man an wenn man in den Sektor einsteigen will nachdem man ein Zertifikat erlangt hat? Darüber musste ich erstmal etwas nachdenken, denn der Berufszweig ist noch so jung, dass man da schwer Allgemeines raten könnte. Vielleicht helfen aber die folgenden Tipps ein wenig weiter.

Falls Sie jetzt erwartet haben, dass ich ein „Schreiben Sie Bewerbungen“ als wirkliche Besonderheit hervorzuhebe, muss ich Sie enttäuschen – denn das gehört einfach dazu. Wobei ich raten würde, sich nicht auf eine Stelle zu bewerben, in der eine eierlegende Wollmilchsau verlangt wird: Twitter, Facebook, Xing, Blog, Datenbank installieren, Videos und Photo erstellen etc. pp. Wenn ein Unternehmen immer behauptet, es könne alles – dann bin ich als Kunde erstmal sehr skeptisch. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber erstmal ist da ein: „Das kann ja nichts sein“-Gedanke im Kopf. Wenn keine genauen Details angegeben sind, fragen Sie einfach nach.
Vor einiger Zeit habe ich z. B. eine interessante Stelle in einer Agentur in Düsseldorf gesehen, allerdings stand da bis auf das Allgemeine nicht viel Spezifisches drin. Eine höfliche Mail an die Agentur mit der Bitte um Details wurde nicht zeitnah beantwortet, sondern erst knapp 10 Tage später kam eine allgemeine Mail mit der Nachricht, die Stelle wäre schon besetzt. Nun wäre eine Agentur, die nicht in der Lage ist, innerhalb von einem oder zwei Tagen auf eine nette Mail zu antworten sowieso kein Platz an dem ich gerne arbeiten würde – denn selbst wenn die Auftragslage gut ist, muss doch jemand in der Agentur die Mails zumindest sichten und es ist immer netter eine Rückmeldung zu geben, dass man halt zu tun hat. Aber Sie sehen: Sie können schon im Vorfeld mit Nachfragen schon mal auch für sich einige Kriterien überprüfen. Also: Berwerbungen sind immer noch unerlässlich, schauen Sie aber genau nach was verlangt wird. Social Media ist ein so großer Oberbegriff, dass Unternehmen hier gerne einen ganzen Forderungskatalog aufstellen, den man nicht erfüllen kann.

Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken

Der andere übliche Weg gilt natürlich auch für den Social-Media-Manager: Praktikum. Trainee-Ausschreibungen sind mir schon über den Weg gelaufen, es sind allerdings nicht so viele. Meistens werden schon Leute mit Fachwissen gesucht. Sie können aber ja mal unverbindlich bei Unternehmen anfragen, bessere Chancen dabei bieten die KMUs. Machen Sie aber nicht den Fehler, als Praktikant etwas für eine Organisation aufzubauen, was diese nach ihrem Weggang nicht pflegt. Selbst dann nicht, wenn es heißt, es wäre gut für ihre Referenz. Haben Sie sich mal überlegt, was das für einen Eindruck macht wenn die Firma das Social-Media-Konzept nach Ihrem Weggang einfach so verkümmern lässt, weil eh keiner Lust dazu hat? Und das soll dann gut für die Referenz sein? Deswegen sollte schon ein Social Media Manager im KMU vorhanden sein – denn von ihm lernt man am Besten wie man es macht.

Gehen Sie zu Barcamps, zu Twittwochs, zu Twittagessen, zu Social-Media-Stammtischen… Ganz egal wie die Veranstaltung heißt: Gehen Sie dahin! Einerseits um ihr Netzwerk aufzubauen – Sie dürfen natürlich nicht sofort jeden Erstbesten um einen Job fragen! – andererseits sind in der Regel solche Veranstaltungen auch zum Wissenstransfer bestens geeignet. Das Weitergeben von Wissen ist etwas, was besonders die Social Media Szene ausszeichnet: In keiner anderen Branche können Sie oftmals kostenlos hochwertige Sprecher zu interessanten Themen mitnehmen. Meistens sind diese dann auch nett Ihre Fragen bezüglich der Berufspraxis beantworten zu können. Ob das für ganz Deutschland zutrifft kann ich natürlich nicht sagen, aber im Ruhrgebiet funktioniert das. 😉

Generell ist das Netzwerken im Bereich von Social Media wichtig: Ob Offline oder Online – ob Twitter, Facebook, XING – netzwerken Sie. Das ist keine neue Erkenntnis meinen Sie? Wenn Sie wüßten, wie oft ich Leuten begegne, die sich darüber beklagen, dass Sie keine passenden Jobs finden – und wenn ich nachfrage, ob Sie denn ein XING-Profil haben, sich bei Twitter mit Menschen unterhalten oder bei Facebook eine Profil-Seite erstellt haben, dann gibts häufig das Schweigen im Wald. Oder das Argument: „Brauche ich als Architekt, Handwerker, Maurer doch gar nicht. Ich bin so gut, ich komme schon an Aufträge.“ Mag sein, aber woher sollen denn Ihre potentiellen Arbeitgeber wissen DASS sie gut sind? Vom Bewerbungsphoto, das der schriftlichen Bewerbung beiliegt wohl kaum. Auch Zeugnisse sagen zwar viel aus, aber etwas auch nicht. Nämlich die Frage: „Kann sich dieser Mensch sozialkompetent verhalten? Passt der zur Firma?“ – Dafür ist Netzwerken wirklich ideal. Aber: Gehen Sie Leuten nicht auf die Nerven.

Keine Arbeit ohne Bezahlung!

Wovon ich in der Regel abraten kann: Machen Sie sich bitte keine kostenlose Arbeit, die auch noch umsonst ist. Als Berufsanfänger wird man gerne des öfteren übers Ohr gehauen – da heißt es dann: „Also wenn Sie erstmal ein Konzept erstellen könnten, dann eventuell wäre es vorstellbar…“ Hüten Sie sich vor solchen Angeboten. Sie stecken wertvolle Zeit in ein Konzept und liefern der Firma ohne jegliche Gegenleistung eine wunderbare Vorlage – nur um dann am Ende mit leerem Geldbeutel in der Hand darzustehen oder mit einem warmen Händedruck verabschiedet zu werden. Sie können natürlich in einem Vorstellungsgespräch ruhig erwähnen, wie sie sich allgemein bestimmte Gebiete vorgestellt haben, aber wer Ihr Wissen haben möchte sollte Sie auch dafür bezahlen. Und wenn Sie ein Zertifikat erworben haben, dann haben Sie Kenntnisse, für die sie bezahlt werden können. Machen Sie also nicht den Fehler, sich unter Wert zu verkaufen – man kann vielleicht in der ersten Zeit mit den Preisen für seine Dienstleistungen runter gehen um einen Einstieg zu finden, auf Dauer aber funktioniert das nicht. Daher: Wenn Sie ein Konzept pitchen wollen, verraten Sie nur das, was allgemein gesagt werden kann – und bitte nicht mehr.

Noch ist der Berufzweig jung aber wenn Sie am Ball bleiben durch ein eigenes Blog, die XING-Seite aktualisieren, sich kommentierend in Diskussionen einmischen, das ein oder andere Event besuchen, dann, ja dann könnten Sie auf diese Art und Weise vielleicht eher zu einer Stelle kommen als wenn Sie nur Bewerbung auf Bewerbung schicken. Unablässig dabei: Eine gut gemachte Homepage, die dann auch etwas kosten sollte – also bitte nicht den Baukasten des Hosters nehmen – Visitenkarten und immer ein offenes Auge für die passenden Gelegenheiten. Und vergessen Sie bitte Zeitungsanzeigen bei der Stellensuche, wenn Sie schon etwas aufgeben dann bitte bei Monster und Co. Ich wünsche allen Berufsanfängern einen guten und raschen Einstieg in den Arbeitsmarkt – und falls Sie fragen haben: Sie wissen ja, wo Sie mich finden können.

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