Erschreckendes Video: RTL manipuliert bei Dokusoap „Mietprellern auf der Spur“

Der Murdoch-Skandal wird bei uns in Deutschland wenig beachtet. Die Kommentare von Journalisten beschäftigen sich vor allem mit den politischen Konsequenzen – doch was es wirklich bedeutet, wenn die Presse über Erpressung, Bestechung, Bedrohungen und Manipulation in unseliger Gemeinschaft mit Politik und Polizei tätig sein kann, das wird wenig thematisiert.

Die Macht der Medienkonzerne geht von ganz oben bis ganz unten – und auch das folgende Video aus der RTL-Dokusoap „Mietprellern auf der Spur“ ist nichts weiter als ein typisches Beispiel von Meinungsmache, nur dass in diesem Fall das ungeschnittene Rohmaterial an die Öffentlichkeit gelangte. Die Produktionsfirma hatte der BILD-Zeitung das Rohmaterial zugespielt, und genüsslich zeigt Bild.de die Hintergründe der RTL-Produktion.

Was das Video zeigt

Die Moderatorin der Dokusoap, welche davon profitiert, dass sich Zuschauer daran weiden, wenn andere Menschen noch weniger mit dem Leben zurecht kommen als sie selbst, verschafft sich mit dem Kamerateam gegen den Willen des Bewohners Zugang zur verwahrlosten Wohnung. Der 19-jährige, geistig behinderte Jugendliche versucht, sich zu wehren, scheitert aber an der Entschlossenheit und der Übermacht von Vera Int-Veen und den vielen Begleitpersonen. Als er letztemdlich flieht, rennt die Crew auf Befehl von Vera Int-Veen hinter ihm her „Hinterher Leute, bewegt Euch – Hophophop, bewegt Euch, Hophophop“. Das Video schließt mit einem zufriedenen Ausruf der Moderatorin: „Geil…“

http://youtu.be/FIYqSNHzNt8

Was dieser kleiner Ausschnitt von Medienwirklichkeit beweist

Wenn man aufmerksam die Hintergründe der Murdoch-Affaire auflistet, erkennt man eine Struktur von Journalismus, die nichts zu tun hat mit dem ehrenwerten Presskodex. Es geht um Macht, um Geld, um Illegalität, um Manipulation und Betrug.

Ausführlicher Bericht zu den illegalen Methoden im Journalismus von n-tv

Es wird abgehört, Briefkästen werden aufgebrochen, Rechner gestohlen, Daten gehackt, eingebrochen, es wird bestochen, erpresst, bedroht und manipuliert. Politiker zittern vor niemandem so sehr wie vor der Boulevard-Presse. Medienmogule können bis in höchste Staatsämter gelangen, da sie die öffentliche Meinung in Händen halten.

Durch Web 2.0, durch die Blogger-Szene, durch YouTube, Twitter und andere soziale Netzwerke ist es nun endlich möglich, die unheilige Allianz der mächtigen Medienhäuser mit Politik, Justiz, Wirtschaft und Polizei zu enttarnen. Viele Journalisten, die unter ihren Arbeitsbedingungen leiden, können durch die Nutzung dieser Tools endlich im Schutz der Anonymität ans Licht bringen, was schon seit Ewigkeiten so gut im Dunkeln gedeiht.

Da es selbst Regimen, die eindeutig auf Unterdrückung einer freien Presse setzen, bisher nicht gelungen ist, Twitter, YouTube etc. zu kontrollieren, bleibt zu hoffen, dass wir einem neuen Frühling der Freien Presse entgegenstreben, dass weiterhin solche Praktiken wie die von RTL aufgedeckt und viral weitergetragen werden – denn nicht nur Stars und Politiker brauchen Schutz, sondern auch geistig Behinderte, Süchtige und psychisch Kranke. Ich halte eigentlich nichts von Prognosen, aber ich wage zu prophezeien: Vera Int-Veen ist hiermit eine „Gewesene Moderatorin“. Und vielleicht findet sich ja auch ein Anwalt, der RTL und das Team wegen Hausfriedensbruch und Nötigung von schutzbedürftigen Personen verklagt.

 

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

6 thoughts on “Erschreckendes Video: RTL manipuliert bei Dokusoap „Mietprellern auf der Spur“

  • Reply Marcel G. 23. Juli 2011 at 13:42

    Danke für diesen Artikel. Unabhängig davon, dass das inhaltlich sehr bedenklich ist finde ich einen Satz sehr wahr: „Die Moderatorin der Dokusoap, welche davon profitiert, dass sich Zuschauer daran weiden, wenn andere Menschen noch weniger mit dem Leben zurecht kommen als sie selbst…“

    Letztlich sind die Soaps, ihre unechten Intringen und vor allem die Manipulation des Filmmaterials nicht anderes als ein Spiegel der Gesellschaft.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 24. Juli 2011 at 14:00

      Vielen Dank für den Zuspruch – es fällt mir schon schwer, meine persönliche Überzeugung in die Beiträge zu bringen – aber dieser Fall hat mich richtig empört. Vor wenigen Wochen rief bei uns im Büro eine Redakteurin vom SWR an, sie wollten eine Reportage über Gründungen aus Hartz IV machen. Ich konnte ihr einen hervorragenden Unternehmensberater vermitteln, der viele erfolgreiche Gründungen aus Hartz IV begleitet hat – ganze Fabriken hat er mit engagierten ALG II-Gründern gegründet – Yusuf Tombul. Doch er war nach dem Gespräch mit der Redakteurin ganz verwirrt. Sie wollte keine Erfolgsstories – sie wollte nur negative Beispiele, spekatkuläres Scheitern, eben Schlechtes bringen. Ich hatte noch versucht ihr zu erklären, dass Zuschauer doch viel mehr davon haben zu sehen, wie es gehen kann, als durch Angst und Ärger in Agonie getrieben zu werden – aber sie meinte, dass wollte niemand wissen. Also auch die öffentlich rechtlichen sind nicht viel besser: good news sind bad news und bad news sind good news – wann hört dieser Wahnsinn endlich auf!

  • Reply Claudia Engelberts 26. Juli 2011 at 13:23

    …..der hört erst dann auf, wenn Menschen sich zu schade sind, sich am Schicksal anderer zu weiden. Ich bin auch immer entsetzt, wen ich so etwas lese oder höre, und ich denke auch immer sofort: haben die denn gar keinen Anstand, gibt es denn gar keine Respektgrenzen mehr. Aber was ist denn mit all den Menschen, die das konsumieren? Die dieses Produkt auswählen, mit der Fernbedienung?
    Und Eva, ich schätze es, wenn Menschen eine Meinung haben und diese auch leben und vertreten – und es muss nicht meine Meinung sein, damit ich das schätzen kann!!

    • Reply Eva Ihnenfeldt 26. Juli 2011 at 18:42

      Ja, wir Zuschauer haben Einfluss darauf, was gezeigt wird – doch selbst wenn 99 Prozent so einen Mist gern sehen, dürfen die Rechte von Schutzbedürftigen nicht verletzt werden – das geht einfach nie

  • Reply Gesine Lübbers 26. Juli 2011 at 16:26

    Viele Entwicklungen in der Welt der Medien finde ich sehr bedenklich. Dazu gehört sicher alles, was unter dem Namen Reality-Dokus produziert wird. Dass dort die Wahrheit brutal zusammengeschnitten und daraus eine „Story“ erfunden wird, ist nicht neu. Doch die Medien produzieren das, was der Markt will. Und offensichtlich wollen die Menschen Stories, an denen sie sich weiden können.
    Dazu kommen unlautere Methoden von Reportern. Es gibt sie und es werden wohl auch immer mehr. Auch das Thema „Bürgerreporter“ ist in diesem Zusammenhang sicher kritisch zu hinterfragen.
    Zum ersten möchte ich klar machen: Reality-Dokus haben nichts mit Journalismus zu tun!!!
    Journalisten haben die Aufgabe, aufzuklären und Dinge und Ereignisse einzuordnen und damit dem Bürger Informationen an die Hand zu geben, damit dieser sich ein Bild machen kann. Sie müssen unabhängig sein und dürfen sich nicht gemein machen. Es gibt strenge Regeln wie den Pressekodex, denen sich seriöse Journalisten verpflichtet fühlen. Nur schade, dass diese mit den unseriösen in einen Topf geworfen werden.
    Ich bin selbst Journalistin und nehme meinen Beruf mit seiner ethischen Verantwortung sehr ernst. Und ich kenne viele Kollegen, die das ebenfalls tun. Vielleicht ist unsere Berichterstattung nicht ganz so spektakulär, aber sie ist der Wahrheit und den Menschen verpflichtet.
    Ein Tipp für den Umgang mit Journalisten – auch im Hinblck auf die Erfahrungen von Herrn Tombul: Fragen Sie genau, in welche Richtung das Thema gehen soll. Vielleicht plante der SWR ja wirklich eine Reportage über gescheiterte Gründungen. Wenn das seriös gemacht ist, kann es nicht schaden, denn bekanntlich wird man ja auch aus Fehlern klug. Und eins ist doch wohl auch klar: Jeder kann „Nein“ sagen, wenn ein Journalist ihn fragt.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 26. Juli 2011 at 18:40

      Liebe Gesine,

      es ist wirklich nicht leicht, die genaue Grenze zwischen Journalismus und Medien zu ziehen – und ich weiß, wie sehr Du ernsthaft und unbestechlich an Deiner Verpflichtung als Journalistin hängst – und das finde ich wirklich sehr gut und absolut vorbildlich 🙂

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