Eva Ihnenfeldt und die Dr. h.c. Affaire – was ich bisher gelernt habe…

Es ist Mitte August 2013, die Hausdurchsuchung wegen meines Blogartikels ist nun auf den Tag genau vier Monate her. Geschrieben hatte ich den Beitrag, in dem ich mich eigentlich nur für eine „Dr. h.c. Urkunde“ Geburtstagsgeschenk bedanken wollte, im März 2012 – doch wie geht es der „never ending story“ jetzt – oder ist alles einfach begraben und vergessen?

Als ich jetzt nach dem Urlaub zum ersten Mal wieder im Fitnessstudio war, kam mein Trainer ganz aufgeregt zu mir: „Ich habe das im Fernsehen gesehen mit Deiner Hausdurchsuchung wegen dem Doktortitel – demjenigen, der das veranlasst hat, müsste man mal eine Tracht Prügel verabreichen! Es gibt ja nun wirklich kein größeres Unschuldslamm als Dich – das macht mich so wütend!“

Ich war richtig gerührt, mein starker (und äußerst attraktiver) Trainer würde sich für meine Ehre schlagen wollen? Mir wurde wirklich ganz warm ums Herz. Und bin ich wirklich so ein Unschuldslamm? Also mein Selbstbild ist ja nun so ganz anders….

Dann dachte ich nach über die vielen vielen positiven Reaktionen und Kommentare, über den Zuspruch, die tröstlichen Mails, die konkrete Hilfe die ich erfahren habe – so dass mein Anwalt Maik Swienty und ich sogar versuchen können, den Fall bis vor das Bundesverfassungsgericht zu bringen – das war mehr als ich je erwartet hätte.

Zwar gab es auch einige Blogger die der Meinung waren, die Polizei hätte zu Recht meine Wohnung durchsucht – aber das habe ich nie verstanden. Es ist schon ein echter Kunstgriff wegen eines Spaßtitels anderen Menschen Hausdurchsuchungen zu wünschen – das kann ich nicht nachvollziehen.

Aber dann kam ja Prism – der Held Edward Joseph Snowden hat das Unfassbare gewagt und sich größter Gefahr ausgesetzt um die Welt über ein neues Zeitalter zu informieren, ein Zeitalter der flächendeckenden Überwachung und ein Zeitalter, in dem aus Bürger wieder Untertanen werden.

Vor wenigen Tagen habe ich gelesen, dass in New York ein Ehepaar Besuch von der Polizei bekam, weil der Ehemann nach den Anschlägen von Boston aus Interesse nach „Dampfdrucktopf Bombe Anleitung“ gegooglet hatte – eine Google Anfrage kann also schon ausreichen für eine Hausdurchsuchung und stundenlange Verhöre! (siehe gulli.com). Dagegen ist meine Hausdurchsuchungsstory so lächerlich, was sind das bloß für Dimensionen!

Und heute morgen fand ich einen Artikel über die Frau, die als US-Regisseurin Edward Snowden maßgeblich ermutigt hat, seinen schweren Schritt zu gehen: Laura Poitras. Was für eine Teufelskerlin! Laura Poitras veröffentlichte 2006 einen Film über den Alltag der Menschen im Iran unter der amerikanischen Besatzung. Seitdem wird die Vielfliegerin bei jedem Flug schikaniert mit stundenlangen Verhören, Drohungen, Erniedrigungen, Einschüchterungen. 40 mal in sechs Jahren hat sie das erlebt, obwohl sie nie irgendeiner Straftat beschuldigt wurde!

Nach sechs Jahren in denen die Filmemacherin still die Überwachung duldete, wurde es ihr zu viel und sie wandte sich 2012 an den Journalisten Glenn Greenwald, der die Story in seinem Blog publik machte. Zuvor hatte sie noch einen Film über ein geheimes Überwachungsprogramm der NSA veröffentlicht – und sie hatte gelernt, verschlüsselt im Internet zu kommunizieren.

Genau dieser Film und dieser Artikel brachten Edward Snowden dazu, mit Laura Poitras und Glenn Greenwald Kontakt aufzunehmen. Dieser Mut und diese Entschlossenheit führten dazu, dass er sein komplettes Leben wegwarf um uns allen die Augen zu öffnen.

Laura Poitras sagt sie hätte gelernt, dass Öffentlichkeit der beste Schutz sei. Nachdem ihre Geschichte öffentlich geworden war, hörten die Schikanen schlagartig auf. Auch ich habe den Weg in die Öffentlichkeit gesucht um mich zu schützen – und ich kann es bestätigen: Wenn Dir Unrecht getan wird, ist es am besten Du sprichst es aus!

Quelle: blog.campact.de

Mag ja sein dass sich jetzt alle „Untertanen“ vor jeder Google Anfrage kurz überlegen ob sie auch nichts Verdächtiges googlen. Mag ja sein, dass man nur noch korrekt angezogen vor dem Laptop sitzt, weil man von Kameraüberwachung ausgeht (Die neue XBox One hat sich ja ihre Überwachungskamera sogar patentieren lassen…).

Ich denke diese ganze Überwachung ist großartig. Nun trennen sich Aufrechte und Mutige von Kleingeistern und Ja-Sagern. Nun finden sich die zusammen, die bereit sind miteinander zu arbeiten und die an Wahrheit und Schutz der Schwächeren interessiert sind. Nun kann es journalistische Projekte geben, die aus dem Widerstand gegen staatliche Überwachung Kraft und Energie tanken. Was Besseren hätte uns doch gar nicht passieren können!

Es ist wirklich möglich, bei wichtigen Sachen verschlüsselt zu kommunizieren – Poitras und Snowden haben es ja auch geschafft, obwohl die Regisseurin so stark im Fokus der NSA war! Es ist einfach eine Willensentscheidung, ob man lieber den bequemen Weg geht oder ob man Freiheit und Unabhängigkeit liebt und lebt.

Diese Aufklärung schweißt die investigativen Kräfte zusammen, es bilden sich neue Communities, Kommunikationswege, Projekte, Initiativen. Das birgt eine gewaltige Sprengkraft, denn Begeisterung und Glaube sind immer stärker als der Lohnzettel eines „Stasi-Mitarbeiters“.

Ich habe durch meine Affaire wundervolle Journalisten kennen gelernt, Richard Gutjahr zum Beispiel, der wegen seiner Arbeit sogar für den Grimme-Preis nominiert wurde! Ich habe nun einen Ansatz um weiter zu machen, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich weiß noch nicht wie ich mich weiter einbringen kann für die Freiheit des Wortes, des Denkens und des Lebens, aber ich bin bereit nach Kräften mitzuwirken beim Aufbau einer Welt in Frieden, Wohlstand und Recht auf freie Entfaltung.

Die Kontakte sind geknüpft, die Verbindung ist da über Twitter, Blogs, Xing und Co. Ich warte nun ab, ob das Verfassungsgericht bereit ist, sich unserem Fall anzunehmen. Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Das Amtsgericht Lübeck hat zunächst angeboten, den Fall gegen Zahlung von 900 Euro einzustellen (was wir natürlich ablehnten) und wenn ich das richtig sehe, wird es zum Prozess kommen. Ich freue mich auf Lübeck und auf das, was da auf mich wartet. Aber meinen lieben Fitness-Trainer nehme ich nicht mit, ich will ja nicht dass ihm noch was passiert…

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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