Home / Marketing / Rückblick zur BarSession am 14.12.15: Frank Tentler zu „Mobile only?“

Am 14. Dezember 2015 fand die nun schon 19. BarSession in Dortmund statt – wie in jedem Dezember bei Grünkohl und Mettwürstchen im schönen Daddy Blatzheim im Dortmunder Westfalenpark. Der bekannte Social Media Marketing-Experte und Vordenker Frank Tentler war extra zwischen zwei Terminen in Wien und München nach Dortmund gejettet, um die 120 Teilnehmer der BarSession mit seinen Thesen und Erkenntnissen zur Zukunft der Web-Nutzung zu bereichern. Vielen Dank dafür lieber Frank! Im Folgenden die Zusammenfassung seines Vortrags, der so spannend und inspirierend war, dass sich im Folgenden noch eine intensive Diskussion mit dem Plenum entwickelte.

Der Vortrag von Frank Tentler „Mobile only“ stand unter dem Motto: Digitale Kommunikation 2015 bis 20120 – wohin gehen wir in den nächsten Jahren? (unter der Bildergalerie die Zusammenfassung)

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Zwischenzeitlich leben wir weltweit in einem digital analogen Erlebnisraum. Die Themen, die uns in diesem Erlebnisraum beschäftigen, scheinen vor Allem um drei Gebiete zu kreisen:

  1. Netz und Bandbreite
  2. Geräte
  3. Menschen, die Infrastruktur und Geräte bedienen

Frank Tentler zeigte eine Weltkarte von den Aktivitäten, die bei Facebook stattfinden. In der Sahara ist es dunkel, in China und Nordkorea ebenfalls. Dort wird kein Facebook genutzt. Doch für die restliche Welt kann man sagen: Da wo Facebook ist, ist auch alles Andere an digitalen Aktivitäten. Es gibt immer mehr mobile Zusatzgeräte. Sogar GoPro Kameras werden immer beliebter, um alles zu dokumentieren, was man erlebt. Also Kameras, die permanent aufzeichnen, was wir sehen und wo wir uns befinden.

Auch bei Smartphones tut sich eine Menge. Das neue Fairphone2 zum Beispiel  ist modular aufgebaut. Sind einzelne Teile defekt, können sie einzeln ausgetauscht werden. Fakt ist: Über unsere Geräte treten wir permanent mit unserer Umgebung in Kontakt.

Was steckt hinter dem Phänomen, permanent mit der Welt in Kontakt zu stehen?

Es gibt kaum Studien, die beleuchten, was psychologisch hinter unserer Neigung steckt, so viele Daten zu produzieren. Früher waren 4 Sekunden die übliche Aufmerksamkeitszeit für Websites – heute sind es nur noch 2 Sekunden – und das mobil. Unsere Wahrnehmung wird immer intuitiver, rasender und unkontrollierbarer, weil es solche Datenmengen sind, die uns begleiten. Die einzelne Botschaft geht in der Masse unter. Für Marketingprofis bedeutet das: Bilde einen Schwarm. Als Schwarm ist man erfolgreicher als als einzelner Fisch – er wird übersehen.

Wir Menschen wollen, wenn wir etwas erleben, das Erlebte sofort teilen. Mobile Media wird immer massiver und radikaler, weil es immer leichter verfügbar ist. Frank Tentler vermutet, dass der Pawlowscher Reflex dafür verantwortlich ist, er wird durch die direkte Verfügbarkeit laufend bedient. Belohnungen steigern die Aktivitäten im Netz immer und immer weiter. Erleben – posten – Likes erhalten – Belohnungshormone ausschütten.

Doch ob wir Gutes oder Böses mit dieser Konditionierungs-Magie tun, ist unsere Verantwortung. Wir müssen uns als Unternehmen und Marketingverantwortliche entscheiden wie auch jeder andere Mensch, welche moralischen und ethischen Ziele und Werte wir vertreten. „Don’t be evil“ ist gerade dann ein essentieller Grundsatz, wenn wir eine dermaßene Reichweite erzielen können wie im mobilen Web.

Das Internet of Things wird zu einem Internet of everything. Apps sind Schaltungen, und diese Schaltungen werden immer intelligenter. „Smart Agents“ bieten uns Lösungen an, die für uns personalisiert einen enormen Komfort bieten. Wir leben zunehmend in einer Filterfläche, die auf uns ganz persönlich zugeschnitten ist. Alles, was nicht in diese Filterblase passt, bekommen wir kaum noch mit.

Smartphones verbinden uns zunehmend mit allen Stationen unseres Lebens. Neue Märkte (z.B. in Schwarzafrika) beginnen mit dem Smartphone! Ohne Internet und Smartphones war in vielen Teilen der Welt Handel kaum möglich. Nun ist die Bandbreite in Ländern wie Bangladesch zum Teil besser als in ländlichen Gebieten Deutschlands, und neue Bevölkerungsgruppen können dank Internet und Smartphone neue Märkte erschließen und nutzen.

3 Ängste der Nerd-Generation: kein WLan, keine Bandbreite, kein Akku…

Es gibt heute schon Museen, die ihren Besuchern Akku zur Verfügung stellen und dazu ermuntern, möglichst viele Bilder von den Ausstellungen zu posten. Das kann eine Werbemaßnahme sein, um zum Teilen zu motivieren und möglichst viele Menschen zu erreichen.

Was Frank Tentler erschreckt, wenn er als Gastdozent in Medien-Hochschulen Vorlesungen gibt ist, dass diese Studenten der Medienwelt überhaupt kein Wissen über die Hintergründe bekommen, die hinter der Anwenderebene liegen. Die Studenten finden als Anwender zwar über Hashtags und Keywords eine Lösung für jedes Problem – aber selbst wissen, wie die technischen Hintergründe sind, tun sie immer weniger.

„Wie in der Matrix leben wir in Datenmengen, die wirkliche Welt verschwindet dahinter.“

Frank Tentlers Tipp für Marketing-Profis: Ein professionelles Social WRB Command Center einrichten: So ein Controll-Center ist wichtig, um Kommunikation, Organisation, Monitoring und Controlling zu verwalten. Kostet je nach Ansprüchen und Leistungsfähigkeit zwischen 10 und 5.000 Euro im Monat.

Mobile und Location Based Services

Trends, die schon begonnen haben, und die unser Verhalten zunehmend beeinflussen: Unser Smartphone sendet uns automatisch in Echtzeit Informationen aufs Handy, die in der entsprechenden Umgebung für uns relevant sind. So erfahren wir über Pull-Nachrichten, was die Anbieter und Organisationen in unserer Umgebung von uns wollen – bzw. für uns bereit halten. Das Smartphone ist bald kein Friedhof von Apps mehr, sondern ein Ökosystem, das miteinander interagiert und uns zu genau dem richtigen Zeitpunkt genau die Informationen sendet, die für uns relevant sind. Drei Technologien stecken zurzeit hinter dieser Funktion: GPS, Beacons (50 cm bis 5 Meter) und NFC. Die Maschinerie wird immer feiner.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie viele Sensoren in einem Handy aktiv sind? Zurzeit sind es 14 bis 15. Bluetooth, Wifi, GPS und mehr.

Was Anbieter aus den Entwicklungen und Verhaltensänderungen lernen sollten:

In der Marketing-Psychologie weiß man, es dauert lange, bis der Mensch etwas, was er besitzt, wieder loslässt. Wie lange dauert es zum Beispiel, bis man endlich Apps löscht, die man noch nie genutzt hat? Darum ist es viel leichter für Unternehmen, Kunden zu binden als Neue hinzuzugewinnen.

Wie gestaltet man eine Customer Journey im Web?

Die Marketing-Kampagnen Dramaturgie im Web ist ähnlich aufgebaut wie eine Theater Dramaturgie. Wenn zu den Aktivitäten der Event-Organisatoren noch Aktivitäten der Besucher hinzukommen, ist die Kampagne geglückt, dann verbreitet sie sich viral.

Mensch, Ort  und Web bilden zunehmend eine Einheit. Emotion, Interaktion und Technik sind die Instrumentarien, die diese Einheit bewegen und beleben. Jeder weiß, dass Menschen nicht nicht kommunizieren können. Das Web erleichtert diese Interaktionen. Wir kommunizieren immer weitreichender.

Zum Ende des Vortrags stellt Frank Tentler den 120 Social Media-, Unternehmens und Marketing-Teilnehmern die Frage: „Kann es sein, dass wir, die wir für und im Web arbeiten, etwas schaffen was wir eigentlich nicht verantworten können?“

Wissen Sie eigentlich, wie viele Apps es gibt?: Aktuell sind es 3,7 Mio. Apps in Appstores, mit einem Wert von ca 37,3 Milliarden Dollar. 95% dieser Apps werden nie genutzt. Von den restlichen 5% sind 95% nicht mehr als einmal genutzt worden. Man kennt es aus der Praxis: Viele Unternehmen wollen einfach nur eine App, weil andere auch eine haben. Doch es gibt intelligente Alternativen zur Unternehmens- und Kampagnen-App. Ist das benötigte Wissen und KnowHow vorhanden, kann man als Agentur ausgesprochen erfolgreiche Kampagnen mit Web-Applikationen und Augmented Reality-Tools starten.

Zum Abschluss der Ausblick – ist das die Zukunft?

  • 2015: Mobile first
  • 2017: Mobile only
  • 2030: Internet of everything + Quantencomputer

Die anschließende Diskussion war ausgesprochen produktiv und machte nachdenklich. Kann es sein, dass wir da eine „Büchse der Pandora“ geöffnet haben, die wir nun nicht mehr kontrollieren können? Was hat es für Auswirkungen, wenn die Dinge um uns herum miteinander kommunizieren und uns steuern. Wenn es keinen Ort mehr gibt auf der Welt, in dem wir sicher sind vor Daten, Analysen, Kommunikation? Wenn wir zunehmend abhängig werden von Belohnungshormonen, die wir uns über Likes, Shares, Follower und Kontakte zuführen?

Vielen Dank lieber Frank, für diesen Vortrag, der so gut in die Adventszeit passte. Eine wichtige Inspiration, die sicher weiter Früchte tragen wird – sowohl bei uns in der Metropole Ruhr als auch weit darüber hinaus.

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

5 thoughts on “Rückblick zur BarSession am 14.12.15: Frank Tentler zu „Mobile only?“

  1. Ja, das ist wirklich schade, das Du nicht kommen konntest liebe Birgit. Frank Tentler war wirklich einmal wieder ein echter Höhepunkt der BarSession-Reihe

  2. Pingback: Eva Ihnenfeldt und ihre letzte BarSession - "Ich sage Danke schön!" - Steadynews |

  3. Pingback: Newsletter der SteadyNews vom 21. Dezember 2015 - Steadynews |

  4. Pingback: Snapchat in der Bildung und Wissenschaft? | gophis mobile Rund-Reise

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