„Wie komme ich zu Wikipedia?“ Kennen Sie schon die Wikipedia Relevanzkriterien?

Viele Unternehmen möchten gerne einen Firmeneintrag bei Wikipedia bekommen – verständlich. Doch die Ansprüche, die eine Organisation oder ein Unternehmen erfüllen muss, um dort Aufnahme zu finden, sind hoch. Bevor Sie also frustriert an den strengen ehrenamtlichen Administratoren der weltumspannenden Online-Enzyklopädie scheitern, empfehle ich Ihnen, sorgfältig die Relevanzkriterien zu studieren. Kleine Unternehmen unter 1.000 Mitarbeitern haben nur dann eine Chance, wenn sie aus irgendeinem Grunde „im allgemeinen Interesse“ stehen – zum Beispiel wenn sie in eine öffentliche kontroverse Diskussion verwickelt waren.

Wie Wikipedia funktioniert

Millionen Freiwillige verfassen unentgeltlich für Wikipedia Artikel, redigieren, korrigieren, überarbeiten und prüfen. Es gibt verschiedene Abstufungen bei den Administratoren, die sich aus der Qualität ihrer Arbeit und dem Einsatz ergeben. Jeder Internetuser kann als Autor Beiträge schreiben, ergänzen oder korrigieren, wird dann von Administratoren geprüft, bewertet, um Änderungen gebeten – und bei Verstoß gegen Wikipedia-Statuten  auch gelöscht.

Es gibt zwei Lager bei Wikipedia: die „Inklusionisten“, die am liebsten alles freigeben würden, was nicht unter Werbung fällt – also auch Minderheitenthemen ohne wirklich Relevanz. Die „Exklusionisten“ vertreten, dass jeder Eintrag ein Mindestmaß an Relevanz aufweisen muss. Ein Beispiel: eine Brauerei muss einen Jahresausstoß von mindestens 100.000 Hektolitern haben, um in Wikipedia aufgenommen zu werden.

Zurzeit spricht Vieles für die Ansicht der Exklusionisten, da die Zahl der freiwilligen Administratoren stagniert. Gäbe es zu viel Artikel, wäre die Arbeit kaum noch zu bewältigen, die Qualität könnte nicht mehr sichergestellt werden.

Die Qualität von Wikipedia

Ende 2005 wurde Wikipedia mit der Encyclopedia Britannica von der Wissenschaftszeitung Nature verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass ein durchschnittlicher Artikel in der Britannica drei Fehler enthält, bei Wikipedia sind es vier. Heute, sechs Jahre nach dem Vergleich, ist Wikipedia noch besser geworden. Fehler werden von der Community sehr schnell ausgemerzt. Versuche von Journalisten, Artikel zu fälschen, wurden allesamt innerhalb von Stunden oder Tagen wieder berichtigt.

Besonders hochwertig sind die Beiträge über Naturwissenschaft und Technik. Bei geisteswissenschaftlichen Themen wird jedoch häufig interpretiert. Und historische Beiträge unterliegen oft einer konservativen Geschichtsbetrachtung: „Große Männer machen Große Geschichte“. Deutlich überlegen ist Wikipedia selbstverständlich bei aktuellen Themen, die in einem Printwerk nicht berücksichtigt werden könnten.

Ein weitere Vorteil liegt in der Menge: da in einem Online-Werk keine Mengenbegrenzung vorliegt, ist Wikipedia viel umfangreicher und genauer. So enthält des 30-bändige Brockhaus 300.000 Einträge, das deutschsprachige Wikipedia über eine Millionen. Für Länder, deren Sprache nur von Wenigen gesprochen wird, ist Wikipedia ein noch bedeutenderer Segen: in Urkainisch, Maliisch, Slowenisch, Slowakisch und vielen anderen kleinen Sprachen hatte es nie zuvor ein Lexikon im Format eines Brockhaus gegeben.

Die Relevanzkriterien von Wikipedia

Man muss sich vorstellen, dass ja alle Redakteure und Administratoren bei Wikipedia ehrenamtlich tätig sind. Es ist sowieso schon ein Wunder, dass dieses Konzept schon so viele Jahre so erfolgreich funktioniert! Immer wieder diskutieren diese engagierten Freiwilligen darüber, welche Themen und Webverweise in Wikipedia vertreten sein sollten. Die Diskussion ist nie beendet, und in jedem Land wird anders damit verfahren – es gibt liberale Mentalitäten wie die britische – und streng konservative wie die deutsche. Also bitte lesen Sie sich sorgfältig diese „Vereins-Guidelines“ durch und stellen Sie sich vor, wie hart darum gerungen wurde. Wikipedia verdient Respekt. Wir alle sollten uns bemühen, die armen geplagten Administratoren nicht mit Werbeeinträgen zu belästigen. Denn wenn diese Männer (es gibt tatsächlich kaum Frauen als Administratoren bei Wikipedia!) entnervt das Handtuch werfen, gibt es kein Wikipedia mehr – und das wäre eine mittlere Katastrophe…

Die Relevanzkriterien von Wikipedia

 

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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5 thoughts on “„Wie komme ich zu Wikipedia?“ Kennen Sie schon die Wikipedia Relevanzkriterien?

  • Reply Olivera 18. September 2012 at 15:20

    Liebe Eva,

    herzlichen Dank für die spannenden Informationen zu Wikipedia.

    Unabhängig von den Relevanzkriterien, finde ich es wichtig, folgendes zu bedenken: wenn man eine Wikipedia-Seite zum eigenen Unternehmen anlegt, erreicht man nur die Menschen, denen das eigene Unternehmen bekannt ist. Man erreicht auf diese Weise keine neuen User. Eine eigene Wikipedia-Seite hat außerdem noch einen gravierenden Nachteil: man hat keine Kontrolle über die Seite, weil sie jeder ändern kann. D.h. man sollte vorab prüfen, wie groß das Risiko ist, dass hier Negatives kommuniziert wird, von dem das Unternehmen lieber möchte, das Gras drüber wächst. Da Wikipedia bei Google in der Regel auf den vordersten Plätzen erscheint, können so ungeliebte Themen viel Aufmerksamkeit bekommen. So finden sich z.B. auf der Wikipedia-Seite von Nestlé nicht nur Informationen zum Palmöl-Skandal aus dem Jahr 2010, sondern auch Informationen zu Nestlé-Skandalen der letzten Jahrzehnte.

    Ich empfehle eine andere Vorgehensweise, die weniger aufwendig als eine eigene Unternehmensseite ist: prüfen, ob es Interviews, Studien, Blogs, Videos oder andere Veröffentlichungen im Unternehmen gibt, die eine Wikipedia-Seite, die zur unternehmerischen Tätigkeit passt, für User lesenswerter macht. Es geht nicht darum, platt Werbung für Unternehmen zu machen, sondern Wikipedia mit im Unternehmen vorhandenem Wissen noch wertvoller zu machen. Dann freuen sich Admins und Wikipedia-User gleichermaßen :0) Das kann auch in Form eines Links zur eigenen Website geschehen, aber nicht z.B. auf die Startseite sondern zu einem thematisch passenden Glossar, Interview o.ä.

    Ich finde, dass z.B. die Barc GmbH auf der Wikipedia-Seite Business Intelligence sich geschickt eingebracht hat, indem sie im Text auf Ergebnisse einer ihrer Studien verweisen.

    Es kann immer passieren, dass man trotz einer solchen Vorgehensweise aus Wikipedia gelöscht wird, aber wenn man wirklich den Nutzen für Wikipedia und ihre User im Fokus hat, klappt es häufig. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht und kann es empfehlen.

    • Reply Eva Ihnenfeldt 19. September 2012 at 09:54

      Olivera, ich finde Deine Sicthweise so wichtig, ich würde Dir gern einen Gastbeitrag dazu in den SteadyNews schenken – willst Du?

  • Reply Sascha Blank 19. September 2012 at 15:40

    Danke Olivera für diese Anregungen. Guter Ansatz.

    Ich hab da schon 2-3 mal versucht für eine andere Sache Artikel einzustellen. Ging um ein in der Szene durchaus relevantes Label. Und nach vielem hin und her habe ich dann entnervt aufgegeben.
    Qualität hin oder her vieles wird sehr sehr kleinlich behandelt und man versucht teils gar nicht die Relation zu erkennen…

    lg

  • Reply Olivera Wahl 30. September 2012 at 15:52

    Sehr gerne, ich freue mich drauf :0)

    Lg, Olivera

  • Reply Olivera Wahl 30. September 2012 at 15:57

    @ Sascha Blank: Ich kenne die Hintergründe, warum deine Artikel gelöscht worden sind, nicht.Ein wichtiger Grundsatz bei Wikipedia ist die Neutralität. Ich schaue immer, was ist an Artikeln, die akzeptiert worden sind, anders und wenn es dann immer noch nicht klappt: such dir einen erfahrenen Wikipedia-Autor und frag ihn nach seiner Einschätzung. Versuch deine Artikel an die Erfordernisse von Wikipedia anzupassen und sie verbessern. Dran bleiben lohnt sich. So kann Wikipedia schnell zu dem wichtigsten Traffic-Bringer werden.

    Viel Glück

    Olivera

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