Hilfe! Meine Mitarbeiter pflegen Angehörige! Was kann ich tun?

Ein stilles Thema ist die Pflege von Eltern, Schwiegereltern und anderen Angehörigen. Zwar ist fast jeder im Laufe seines Lebens irgendwann davon betroffen, doch im Gegensatz zur Problematik, wenn junge Frauen Babies bekommen, scheint dies noch fast tabuisiert zu sein. Was können Unternehmen nun tun, um darauf vorbereitet zu sein, dass auch ihre Mitarbeiter Zeit für die Pflege älterer Menschen brauchen? SteadyNews sprach mit Christa Beermann.

Christa Beermann liegt das Thema sehr am Herzen, schon seit 2009 organisiert die Demografiebeauftragte gemeinsam mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis eine Kampagne, um Unternehmen zu sensibilisieren und Lösungen zu entwickeln. Wir haben lange miteinander telefoniert. Die Fakten machen wirklich nachdenklich.

Eigentlich ist es nicht so ein großer Unterschied ob man kleine Kinder versorgt oder alte menschen pflegt. Der Unterschied Kampagne Pflegende Angehoerige EN-Kreisliegt vor allem darin, dass die Situation bei Kindern nach und nach leichter wird – und bei Pflegebedürftigen meist immer schwerer. Besonders Demenzerkrankte sind eine Belastung für erwerbstätige Angehörige, man kann sich nie sicher sein, ob nicht in der nächsten Minute das Telefon klingelt und man unverzüglich reagieren muss. Selbst wenn die Angehörigen in einer Betreuung sind, kann immer wieder etwas passieren womit man nicht gerechnet hat.

90 Prozent der pflegebedürftigen alten Menschen werden von Angehörigen gepflegt, davon zwei Drittel von Frauen. Im Schnitt beträgt die Zeit der Pflege zwei Stunden täglich und insgesamt acht Jahre. Ganz allgemein ist wohl jeder 10. Mitarbeiter zugleich auch pflegender Angehöriger – ganz vorsichtig geschätzt.

Im Ruhrgebiet und Ennepe-Ruhr-Kreis ist die Lage besonders brisant, da junge Menschen häufig wegziehen und dadurch noch mehr Mitarbeiter (wer ab 45, 50 ist schon nicht betroffen?) neben der Arbeit organisieren, pflegen, putzen, Essen bringen, einkaufen, unterhalten, zuhören… Gleichzeitig nimmt die Zahl der Hausfrauen ab, es wird also zur Selbstverständlichkeit, Arbeit und Familie in Vereinbarung zu bringen – aber wie nur?

Unternehmen können helfen

Auch kleine Unternehmen können auf ihre pflegenden Mitarbeiter vorbereitet sein, ohne kostenintensive Maßnahmen zu installieren. Der erste Schritt ist, sich das Thema einfach mal bewusst zu machen und nicht länger zu verdrängen. Das sollte eigentlich nicht schwer sein, weil unter den Chefs wohl selbst viele Betroffene sind, die sich um Eltern, Schwiegereltern und andere Angehörige sorgen.

Im Weiteren wäre es sinnvoll Mitarbeiter zu befragen und die Möglichkeit einer Ansprache zu schaffen, so dass jeder weiß an wen er/sie sich wenden kann, wenn Probleme auftauchen.
Gerade in der Verwaltung kann man über flexible Arbeitszeit nachdenken, über Wochenstunden, die flexibel gelegt werden können (z.B. Freitags ganz frei für den Opa) und über Homeoffice Zeiten.

Wichtig ist auch darüber nachzudenken was denn passiert, wenn ganz plötzlich reagiert werden muss, weil etwas Schreckliches passiert ist. Einfach nur darauf vorbereitet sein, wenn der pflegende Mitarbeiter vom Platz aufspringt und sofort ins Krankenhaus muss – wer kann im Notfall wie vertreten?

Größere Unternehmen können noch viel mehr tun, haben aber den Nachteil der Anonymität. Während eine Arztpraxis mit 10 Mitarbeitern noch sehr gut im Blick hat, wer gerade Unterstützung braucht ist das bei einem Mittelständler mit einigen hundert Mitarbeitern schwieriger. Doch dafür kann man eher größere Lösungen konstruieren, wie Infoveranstaltungen mit Experten oder z.B. betriebsnahe Parkplätze für Mütter und pflegende Angehörige, die manchmal zwischendurch wegmüssen.

Christa Beermann und der Ennepe-Ruhr Kreis haben eine Kampagne für Unternehmen gestartet der bisher 12 Unternehmen beigetreten sind. C. Beermann freut sich über jedes weitere Unternehmen – auch kleine sind herzlich willkommen. Die beteiligten Partner geben zum Ausdruck dass sie das Thema im Blick haben und sich bemühen, für ihre Mitarbeiter Lösungen zu entwickeln. Diese Unternehmen unterzeichnen eine „Beteiligungserklärung“ und können gern anschließend auch damit werben. Die unterzeichnenden Unternehmen bezeugen

  • Zu erfragen, welche Mitarbeiter in ihrem Unternehmen betroffen sind
  • Ihre Mitarbeiter über Unterstützungsmöglichkeiten und den rechtlichen Rahmen zu informieren
  • Einen Ansprechpartner im Unternehmen zu benennen für pflegende Mitarbeiter
  • Unterstützungsangebote für pflegende Mitarbeiter zu entwickeln

Natürlich hat diese Unterzeichnung keine rechtlichen Konsequenzen, sie ist eine nach außen sichtbare Willenserklärung, nicht den Kopf in den Sand zu stecken sondern aktiv für Familie und Beruf einzustehen. Christa Beermann kommt auch persönlich zur Unterzeichnung in jedes Unternehmen, so dass auch ein feierlicher Rahmen damit verbunden ist.

Wer also dabei sein möchte und mit seinem Unternehmen ansässig ist im Ennepe-Ruhr-Kreis:
Kontaktieren Sie 
Christa Beermann

Christa BeermannChrista Beermann
Demografiebeauftragte für den Ennepe-Ruhr-Kreis,
Koordinatorin Netzwerk W(iedereinstieg) EN
engagiert für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
E-Mail: [email protected]
Telefon: 02336 932223
www.arbeiten-pflegen-leben.de

4 thoughts on “Hilfe! Meine Mitarbeiter pflegen Angehörige! Was kann ich tun?

  • Reply kristine schwarz 11. April 2014 at 16:52

    Als Selbstständige Projektleiterin einer Marketingfirma, habe ich nicht mehr ausreichend Zeit, mich um meine kranke Mutter zu kümmern. Von Freunden und Bekannten wurde mir Humanis Pflege- und Betreuungsdienst für Pflegebedürftige Personen http://www.humanis-pflege.de vorgeschlagen. Seit dem die netten Betreuerinnen sich um meine Mutter kümmern muss ich mir keine Sorgen mehr machen, ob es ihr gut geht. Ich bin stets zufrieden mit dem Service und kann das Unternehmen nur weiter empfehlen.

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