ÖPNV-Streiks – Verdi jubelt, Pendler leiden

Während Verdi durch Streiks Druck aufbaut und Mitglieder mobilisiert, stehen Pendler ratlos da – und Unternehmen verlieren Produktion. Sind die wahren Verlierer womöglich die Bürger:innen und Firmen, nicht die ÖPNV-Betreiber? Beispiel: Ein Logistikunternehmen in Bochum: Stellen Sie sich „ExpressLog Bochum“ vor, ein mittelständisches Logistikunternehmen mit 150 Mitarbeitern, viele davon Pendler aus Dortmund und Essen. Bei aktuellen Warnstreiks des ÖPNV schafft es ein erheblicher Teil der Mitarbeiter nicht, zur Arbeit zu kommen. Ergebnis: Verzögerte Sendungen, Kundenabwanderung, Umsatzverlust von 50.000 € pro Streiktag. Der Chef muss Überstunden bezahlen oder Löhne kürzen – Verdi-Streikende kassieren weiter.

Verdi profitiert: Druckmittel ohne eigene Verluste

Bild von Chris Neuwirther auf Pixabay

Verdi erzielt durch Streiks Verhandlungserfolge (z. B. 11% Lohnerhöhung 2023), Mitgliederzuwachs und Medienpräsenz. Während ÖPNV-Mitarbeiter, die gewerkschaftlich organisiert sind, Streikgeld von Verdi erhalten und somit keine Belastung für die ÖPNV-Arbeitgeber sind, fehlen Ticketeinnahmen (20–30% Einzeltickets statt Abonnement). Fixkosten für streikunabhängige Mitarbeiter (z.B.Verwaltung) und andere Betriebskosten laufen weiter – es gibt demnach einen bezifferbaren Nettoverlust für Betreiber. Firmen wie ExpressLog tragen die Folgekosten: Wegerisiko, Produktionsausfälle, Mitarbeiterausfälle.
Verdi-Forderungen: Wegen Personalmangel im ÖPNV: Reduzierung der Arbeitsbelastung, mehr Gehalt

Analyse: Wer verliert wirklich?

– Verdi-Mitglieder: Minimale Schäden durch Lohnfortzahlung/ Streikgelder, doch der hohe Verhandlungsvorteil und das Recht auf Streikgeld für Gewerkschaftsmitglieder ist gut für die Mitgliederzufriedenheit.

– ÖPNV-Unternehmen: Entgangene Einnahmen übersteigen die variablen Einsparungen bei Streiks; Arbeitgeber haben zumindest keinen Profit von den Streiktagen.

– Firmen: Verspätungen, Ausfälle und Umsatzverluste; bis 30% Personalmangel. Firmen in Bochum-Region melden zum Beispiel bis zu 30% Ausfälle.

– Pendler: Berufstätige Pendler haben kein Recht auf Lohnfortzahlung. Sie müssen selbstständig dafür Sorge tragen, pünktlich die Arbeitsstelle zu erreichen. Der Arbeitgeber kann verlangen, dass Pendler ohne Alternativmöglichkeit einen Urlaubstag nehmen oder ein Taxi zahlen. Bei Krankmeldungen erfolgt keine Lohnfortzahlung an Streiktagen – es gibt für GKV-Versicherte allerdings Krankengeld.

– Soziale Schwache: Keine Alternativen, höchste Belastung im Alltag.

ÖPNV-Streiks bestrafen in erster Linie Pendler und Unternehmen

Streiks bestrafen in erster Linie Fahrgäste und abhängige Unternehmen – nicht die ÖPNV-Arbeitgeber. Diese sind kommunale Verkehrsunternehmen (z. B. Ruhrbahn, BOGestra) oder Verbünde wie VRR, finanziert durch Landkreise, Städte (Steuergelder) plus Bund/Länder-Ausgleiche (z. B. D-Ticket 7,2 Mrd. €). Die öffentliche Hand spürt indirekt Druck, Verdi direkt Gewinn – Pendler bleiben auf der Strecke.

Klimaziele und der ÖPNV

Klimaschutzziele im Verkehr hängen stark von der Zuverlässigkeit und Qualität des ÖPNV ab. 2025 bleibt der Verkehrssektor deutlich hinter seinen Vorgaben, vor allem weil Pendler bei unattraktiven Verbindungen oder Streiks aufs Auto ausweichen. Lange und wechselnde Zielorte, schlechte Anschlüsse und mangelnde Kapazitäten machen den ÖPNV für viele Berufspendler – insbesondere bei Wegen über 20 oder gar 50 Kilometer – unmöglich. Berufspendler, aber auch Student:innen und Schüler:innen haben häufig keine echte Alternative zum Individualverkehr.

Schon ein Wechsel von zehn Prozent der Fahrten vom Auto auf den ÖPNV könnte mehrere Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr sparen; solche Verschiebungen bleiben jedoch angesichts infrastruktureller Defizite bisher die Ausnahme. Dauerhafte Klimaziele im Verkehr lassen sich deshalb nur mit einem massiven Aus‑ und Umbau des öffentlichen Nah‑ und Fernverkehrs realisieren.

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

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