Aktive Sterbehilfe in Kanada: MAiD-Zahlen steigen weiter an

In Kanada hat die aktive Sterbehilfe (MAiD) im Jahr 2024 bundesweit rund 16.500 Todesfälle verursacht und macht etwa 5% aller Todesfälle aus. In Kanadas Provinz Québec mit ca. 8,5 Millionen Einwohnern liegt der Anteil bei 7,4%, was die höchste Quote weltweit darstellt. Was ist MAiD, welche Kriterien für die aktive Sterbehilfe sind in Kanada gesetzlich vorgegeben, wie entwickeln sich die Zahlen und welche weiteren Entwicklungen sind zu erwarten?

Kanada: Was ist MAiD?

Bild von Tumisu auf Pixabay

MAiD steht für Medical Assistance in Dying und ist seit 2016 legal. Damals gab es 1.018 Fälle, 2024 waren es bereits 16.499 – eine kumulative Gesamtsumme von über 76.000 Fällen direkter Sterbehilfe bis Ende 2024. Die Quote liegt landesweit bei etwa 5 % aller Todesfälle und rangiert damit auf Platz 5 oder 6 der Todesursachen, allerdings weit hinter Krebs (26 %) und Herzkrankungen (18 %).

In der Provinz Quebec mit ca. 8,5 Millionen Einwohnern ist die Nutzung besonders hoch: 7,4 % der Todesfälle 2024/2025, mit einem Anstieg von 9 % im Vergleich zum Vorjahr. Bundesweit steigen die Fälle jährlich um 7–15 %, was auf Normalisierung hinweist.

Führende Todesursachen im Überblick

Statistics Canada nennt für 2024 folgende Ursachen für die führenden Todesursachen. MAiD wird nicht separat als Ursache geführt, sondern den Grunderkrankungen zugerechnet.

Prozentsätze der Gesamttodesfälle in Kanada: Auf Rang 1 liegt Krebs mit 26,2%, es folgen Herzerkrankungen mit 17,7%, Unfälle mit 6,2%, Schlaganfälle mit 4,2%, chronische Lungenerkrankungen mit 4,0%.

Gründe für den starken Anstieg von MAiD: Track 2

Der Hauptgrund ist die Erweiterung der gesetzlichen Kriterien: Seit 2021 gibt es „Track 1“ für terminal Kranke (natürlicher Tod ist absehbar) und „Track 2“ für nicht-terminale Fälle. Nicht-terminal bedeutet: Der Tod ist nicht unmittelbar bevorstehend, sondern eine schwere, unheilbare Erkrankung verursacht erträgliches Leiden (z. B. chronische Schmerzen oder Behinderungen). 95 % der Fälle fallen unter Track 1, meist Krebs (63–64 %).

Häufige Motive der Sterbebereiten sind nicht primär Schmerzen (nur 6. Platz), sondern der Verlust von Autonomie (86 %), das Gefühl, anderen zur Last zu fallen (34 %), und Alltagsbehinderungen bzw. Einsamkeit (13–14 %). Das Durchschnittsalter liegt bei 77–78 Jahren.

Soziologische und gesellschaftliche Ursachen

Gesellschaftlich normalisiert sich MAiD durch Bekanntheit und Akzeptanz – ein „Sog-Effekt“, bei dem mehr Menschen die Option kennen und wählen. Ärzt:innen gewöhnen sich daran, einige Mediziner:innen haben bereits hunderte Handlungen von direkter Sterbehilfe durchgeführt.

Systemische Probleme spielen eine Rolle: Lange Wartezeiten im Gesundheitssystem, Armut, fehlender Wohnraum und unzureichende Sozialhilfe drängen vulnerable Gruppen (z. B. mit psychischen Erkrankungen oder Sucht) zur Option. In der Provinz Quebec nannten 50 % der Betroffenen ihr Belastungsgefühl als Entscheidungsgrund, 24 % Einsamkeit. Kritiker sehen hier soziale Missstände als indirekten Treiber.

Erweiterung auf rein psychische Erkrankungen ab März 2027?

Die Regierung plant, MAiD ab März 2027 auf rein psychische Erkrankungen als alleinige Ursache auszuweiten (aktuell ausgeschlossen). Die Erweiterung wurde mehrmals verschoben, da Provinzen und Ärzt:innen das System als unvorbereitet sehen – ein parlamentarischer Review ist für 2026 vorgesehen.

Quebec erlaubt bereits frühzeitige Anträge für MAiD bei psychischen Erkrankungen. Menschen mit der Diagnose fortschreitender Erkrankungen wie Demenz/Alzheimer können seit Oktober 2024 in Quebec einen schriftlichen MAiD-Wunsch für die Zukunft einreichen – vorausschauend, falls sie später nicht mehr entscheidungsfähig sind. Über 2.100 solcher Anträge wurden genehmigt.

Bei anhaltendem Trend könnte Kanada 2026 die 100.000 MAiD-Toten überschreiten, weitere Debatten über erweiternde Grenzen sind wahrscheinlich.

Quelle: Government of Canada: Sechster Jahresbericht über Sterbehilfe in Kanada

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert