2033: Karoline und die 15-Minuten-Smart-City – 2. Teil

Geschichte von Eva Ihnenfeldt: Karoline zieht – wie jeden Morgen – mit ihrem Handkarren durch den Kiez. Sie ist zwar schon länger in Rente, doch diese reicht nicht zum Leben, darum arbeitet sie täglich als Lieferbotin in ihrem 15-Minuten-Stadtteil. Morgens um 9 Uhr geht sie zum Grenzpunkt, um Päckchen auf den Handkarren zu laden. Diese bringt sie dann zu den Empfängeradressen. Für den Transport der Päckchen mit dem Lieferfahrrad fühlt sie sich mit ihren 72 Jahren zu alt. Den Handkarren kann sie mit Schultergurten hinter sich herziehen, das ist sicherer.

Wenn der Job irgendwann doch zu anstrengend wird, will Karoline Flaschen sammeln, um ihre Rente aufzubessern. Im Großen und Ganzen fühlt Karoline sich wohl in ihrem Leben. Sie hat ein Dach über dem Kopf, eine Heizmöglichkeit für ihre Küche, und einen Job, der es ihr ermöglicht, sich ab und zu Bohnenkaffee und ein Stück Fleisch zu leisten.

Wie alles begann

2026 gab es schon erste 15-Minuten-Städte in Deutschland. Als schließlich auch die Hauptstadt Berlin aufgeteilt wurde in Gebiete, in denen sämtliche Anlaufpunkte wie Geschäfte, Ärzte, Betreuungseinrichtungen für Kinder, Ämter und Schulen zu Fuß oder mit Fahrrad innerhalb von fünfzehn Minuten zu erreichen waren, ging alles sehr schnell. Karolines Großstadt im Ruhrgebiet war 2028 dran. Der Individualverkehr wurde stark eingeschränkt, um den CO₂-Ausstoß zu senken. Da die meisten Menschen ihre Arbeitsplätze außerhalb des abgezirkelten Bezirks hatten, mussten sie entweder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren – oder sie arbeiteten am Computer von zu Hause aus.

Wie es weiterging

Aufgrund der weltweit angespannten Lage und des sich ausweitenden Krieges mit Russland wurde es immer wichtiger, die Aktivitäten der Bevölkerung lückenlos zu überwachen. Nach der Einführung der digitalen ID, dem digitalen Geldtransfer und dem verpflichtenden NFC Chip Implantat für alle Einwohner:Innen wurde es sicher im Kiez. Spionage für Russland wurde unmöglich. Auch Kriminalität gab es so gut wie nicht mehr, man hätte sogar nachts gefahrlos ‚rausgehen können. Das war jedoch schon seit Monaten nicht mehr so einfach, wegen der Verdunklungspflicht ab Einbruch der Dämmerung.

Leben in der Totalüberwachung

Karoline ist immer froh, wenn die Schicht zu Ende geht und sie gegen 15 Uhr heim darf. Seit der individuelle Autoverkehr kaum noch existiert, sind die Straßen fast leer, bis auf Fußgänger, Lieferboten, Eltern mit Kindern, Flaschensammler und Fahrradfahrer. Die Stadtregierung hat zwar viele Bänke aufstellen lassen, aber so wirkliche Geselligkeit will nicht aufkommen. Irgendwie scheint jede:r Angst zu haben, sich verdächtig zu machen in Gesprächen. Besser, man geht nach Hause und schaut was im Streaming – oder spielt an der Konsole.

Karoline lebt in einer 30-qm-Wohnung. Die Küche ist beheizbar, was keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Im Winter zieht sie ihre Matratze aus dem Schlaf- und Wohnraum in die Küche und schläft dort. In der Küche steht auch der Bildschirm. Überwachung gibt es nicht nur im Öffentlichen Raum, sondern auch zu Hause. Das Handy, die Smartwatch, der Bildschirm, die KI-Brille, das GPS-Implantat, sogar Staubsauger und die Smart-Leuchtkörper messen jede Bewegung und geben die Informationen direkt weiter. Karoline stört das nicht. Schließlich ist Krieg mit Russland!

Ramstein, Wiesbaden und ein paar Autofabriken in Bayern und Rheinland-Pfalz haben die Feinde schon plattgemacht. Jedes Mal wurden auch Zivilisten getötet – aber Genaueres weiß man nicht.

Ein guter Tag…

Karoline hat gerade ihren Handkarren wieder am Grenztor abgegeben. 80 Euro hat sie heute verdient – das reicht, um sich ein paar Kartoffeln, Bohnen, zwei Bananen und eine Flasche Bier zu kaufen –, falls die Preise in den letzten vier Stunden nicht noch einmal angestiegen sind. Karoline läuft, so schnell sie kann, zum Supermarkt. Manchmal verteuern sich die Preise zweimal am Tag.

In ihrem Handy und ihrer Smartwatch werden schon lange keine Rabattangebote mehr angezeigt. Das hatte seit dem Anstieg der Inflation tägliche Panikkäufe ausgelöst, bei denen es sogar zu Personenschäden kam. Erleichtert schließt Karoline schließlich die Wohnungstür: Fünf Kartoffeln, ein Tütchen grüne Bohnen, eine Banane, etwas Margarine und zwei Flaschen Bier konnte sie für die 80 Euro kaufen. Sie ist zufrieden. Strom ist auch da. Sie kann nun was Schönes kochen und ihre Serie schauen.

Eva Ihnenfeldt, 12. April 2026

Und hier der 1. Teil der Geschichte von Karoline, den ich viel schöner finde… Hier heißt sie übrigens Karolina 😉

Eva Ihnenfeldt: Superhelden-Coaching – Deine Traumwelt, Deine Kraft Was wäre, wenn wir frei und selbstbestimmt unsere eigenen Interpretationswelten bauen? Abseits von Religionen und Ideologien als Regisseure unserer Realität? Das ist mein Job: Gemeinsam mit meinen Klienten gestalten wir Visionen und Realität neu. [email protected]

steadynews.de

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