Datenschutz für T-Online-Nutzer mit Secure.me-Zugang – lohnt sich das?

Christian Spließ: T-Online-Kunden können ab sofort kostenfrei den Online-Dienst Secure.me nutzen. Damit sollen persönliche Daten in sozialen Netzwerken besser geschützt werden. Ich habe mir den Dienst mal angeschaut.

In erster Linie hat Secure.me das persönliche Facebook-Profil und das Facebook-Freunde-Netzwerk im Blick. Der Dienst erhebt den Anspruch eine Kontrollmöglichkeit über kritische Inhalte und Aktivitäten zu bieten. Das Angebot basiert auf der Technologie des Online-Reputations-Management-Anbieters My-On-ID Media. Zu den Investoren gehören T-Venture, Bayern Kapital und die nexum AG.

Ich habe mir den Service vor einiger Zeit angesehen. Secure.me bietet natürlich ein Login per Mail an sowie den obligatorischen Zugang zum Facebook-Profil. Und hier liegt natürlich wieder mal der Knackpunkt: Welche Daten möchte Secure.me vom persönlichen Profil haben? Kann ich dem Dienst vertrauen? Ist das auch wirklich so sicher wie T-Online das propagiert?

Secure.me-Analyse-Faktoren

Was ich kritisch sehe: Secure.me analysiert „die Einträge von Freunden“. Ebenso hat Secure.me die Möglichkeit Photos zu prüfen, die von Freunden hochgeladen wurden. Da habe ich schon bedenkliche Bauchschmerzen ehrlich gestanden – Analyse schön und gut, Secure.me möchte dem Benutzer eine Hilfestellung sein wenn bedrohliche Photos irgendwo hochgeladen worden sind – aber wer möchte denn auf diese Art und Weise von einer Software ausspioniert werden?

Und dann ist da noch diese Funktion, bei der ich eindeutig ein „Finger weg“ ausrufe: „secure.me findet durch biometrische Gesichtserkennung auch Fotos im Freunde-Netzwerk, auf denenChristian Spließabgebildet, aber nicht markiert ist.“ – Also genau das, was ich bei Facebook eigentlich nicht möchte kann ich bei einer Firma einschalten, von der ich nicht weiß was sie mit den Daten macht? Abgesehen davon: Ich kann mir die Photos zwar anschauen, aber mehr auch nicht. Vermutlich geht Secure.me davon aus, dass ich dann denjenigen auf Facebook anschreibe und bitte das Photo zu entfernen.

Secure.me: Privatsphäre-Analyse, Aktionen, Netzwerkanalyse

Zugegeben: Die Übersicht über alle Likes, Veranstaltungen, Postings – kurz eigentlich fast alles was man selbst auf Facebook in der letzten Zeit gemacht hat ist nett. Aber eigentlich auch komplett unnötig. Bei Veranstaltungen weiß ich in der Regel, dass dort ein Ort angegeben ist – dafür brauche ich nicht Secure.me um mir das zu sagen. Ebenso gilt das für die anderen Aktivitäten. Was es mir bringt zu erfahren, wieviele Likes in der letzten Woche wo abgegeben habe erschließt sich mir momentan nicht so ganz. Insofern: Nette Darstellungsweise, aber braucht man in der Regel nicht.

Die Profil-Analyse hat nun auch keine neuen Weisheiten zutage gefördert: Ja, ich nutze ab und an Facebook-Apps für bestimmte Dinge und ja, natürlich sind die auch gefährlich, aber ich lese mir vorher durch was diese Apps können und dürfen und tun. Es ist zwar ein netter Hinweis von Secure.me, aber auch nichts, was man nicht schon so wissen könnte. Und sollte. Aber gut, wer natürlich unbedingt jedes neue Spiel ausprobieren muss oder wirklich jede neue Applikation egal was die macht, bekommt hier einen Überblick darüber, welche Postings durch solche Apps generiert wurden.

Ebenfalls nur offensichtliches fördert die Privatsphären-Analyse zu Tage: Dass man bestimmte Angaben nicht öffentlich machen sollte, dass man gewisse Infofelder auch nicht ganz ausfüllen sollte – auch hier sieht man nur eine Übersicht über das, was schon vorhanden ist, direkt ändern lassen sich die Einträge nicht mit der App. Und bei der Analyse des Netzwerkes beschränkt sich Secure.me auf das Auswerten von voreingestellten Schimpfworten bzw. kritischen Ausdrücken – „Sex“ gehört dazu.

Secure.me: Nett, aber sinnlos

In erster Linie ist Secure.me für Helikopter-Eltern gedacht: „Zu Beginn wählen Sie aus, ob Sie Ihr eigenes Facebook-Profil oder das Facebook-Profil Ihres Kindes schützen möchten.“ Im Endeffekt läufts also auf eine Überwachung des Kontos des Kindes hinaus oder einer beliebig anderen Person deren Daten man hat!  Allerdings: Um das Konto des Kindes zu überwachen braucht man für Secure.me die Kontodaten des Kindes – und ob die der Junior freiwillig rausrückt ist ja auch so eine Frage des Vertrauens

Und falls jemand irgendwie an die Daten von jemanden anderes kommt, kann er sich einfach bei Secure.me einloggen und das entsprechende Konto überwachen. Glücklicherweise kann er dann nicht viel tun, aber immerhin hat er Einsicht auf eine große Menge von Daten, die ihn eigentlich nichts angehen. Und das macht mir beträchtlich viele Bauchschmerzen als Datenschützer. Daher kann ich nur raten, wenn Sie das wirklich einsetzen wollen, vorher nachzuschauen welche Daten direkt die Applikation von dem Facebook-Profil haben will – und dann nochmal eine Nacht drüber schlafen ob es wirklich wert ist einer fremden Firma so viele Daten zu offerieren.

One thought on “Datenschutz für T-Online-Nutzer mit Secure.me-Zugang – lohnt sich das?

  • Reply secure.me-Team 8. Februar 2012 at 13:26

    Schön, dass Sie sich mit secure.me so intensiv auseinander setzen. Wir freuen uns über jedes Feedback – auch wenn es mal etwas kritischer ausfällt. In jedem Fall nehmen wir Ihre Bedenken und Hinweise auf und werden versuchen secure.me ständig zu verbessern. Beim aufmerksamen Lesen Ihres Beitrages sind uns ein paar Dinge aufgefallen, die wir hier gerne richtig stellen würden:

    Damit secure.me Ihre Daten überwachen kann, müssen Sie in der Tat den Zugriff auf diese Daten einräumen. Als Ergebnis erhalten Sie eine Analyse über die aktuellen Bedrohungen Ihrer Privatsphäre und werden zukünftig über neue Bedrohungen informiert. Mit Verweis auf unsere Datenschutzbestimmungen versichern wir Daten, die für secure.me freigegeben werden mit größtmöglicher Sorgfalt und Sicherheit zu behandeln. Ergänzend ist zu erklären, dass Ihr secure.me-Konto nur von Ihnen selbst und nicht von Dritten eingesehen werden kann. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie selbst keiner Dritten Person Zugriff auf secure.me gewähren. Diesen Hinweis haben Sie am Ende vermutlich zu Recht erwähnt, obwohl vermutlich nur sehr wenige Nutzer auf die Idee kommen Ihren E-Mail-, Amazon- oder Facebook-Account mit Dritten zu teilen.

    Sie haben Recht, dass Facebook die Technologie der biometrischen Gesichtserkennung einsetzt, um noch mehr Daten zu sammeln – was wir ebenfalls kritisch betrachten. Die Technologie an sich ist jedoch nicht zu verurteilen. Richtig eingesetzt, und das machen wir bei secure.me, hilft Ihnen diese Bilder zu entdecken auf denen Sie oder Ihre Kinder abgebildet sind (ohne dass die Bilder mit Ihrem Namen verschlagwortet wurden). Von der Existenz dieser Bilder auf Facebook, bspw. in Ihrem Freunde-Netzwerk würden Sie ohne eine biometrische Überwachung durch secure.me niemals erfahren. Viele tausend secure.me-Nutzer schätzen diese Möglichkeit sehr – denn niemand wird sich 24 Stunden am Tag vor seine Facebook-Timeline setzen und alle Bilder manuell kontrollieren, die von Ihren Freunden bei Facebook eingestellt werden. Hier sei nochmals darauf hingewiesen: Ihre Daten in Ihrem secure.me-Konto sind ausschließlich durch Sie selbst einsehbar.

    Ihr secure.me-Team

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