Das deutsche Schulsystem steht massiv in der Kritik. Für viele Kinder in öffentlichen Grundschulen ist Deutsch eine Zweitsprache. Wenn Kinder, die Deutsch als Muttersprache beherrschen und deren Eltern in der Lage sind (vielleicht auch mit Unterstützung der Großeltern), eine private Grundschule zu finanzieren, stellt sich immer häufiger die Frage: „Soll ich mein Kind auf eine Privatschule schicken?“
Pro und Contra Privatschule

Finanzielle Belastung: Eltern, die mehr als 32.000 anrechenbares Einkommen im Jahr verdienen, sind in vielen Gemeinden schon zahlungspflichtig, wenn sie ihre Kinder in die Kindertagesstätte geben. Sie sind also bereits gewohnt, mehr als einhundert Euro monatlich aufzuwenden – bei sehr hohen Einkommen können die Kita-Monatsgebühren sogar vierstellig werden. Zwar sind die letzten beiden Jahre vor Einschulung für alle Eltern gebührenfrei, doch die Entscheidung, sich für eine kostenpflichtige Privatschule zu entscheiden, ist schon einmal naheliegender.
wdr1 – NRW: So viel zahlen Eltern in ihrer Stadt für Kita-Gebühren
Privatschulen – Auswahl: Es gibt konfessionelle Privatschulen (christlich, jüdische, muslimisch), Waldorfschulen, Montessori-Schulen, internationale Schulen und Schulen mit individuellen Konzepten.
Aktuell sind in Deutschland über 10 Prozent aller allgemeinbildenden Schulen Privatschulen.
Privatschulenverzeichnis-Deutschland
Gebühren: Ein hoher Prozentsatz der Kosten sind bei Privatschulen, die (als anerkannte Ersatzschule) über staatliche Zuschüsse finanziert werden, abgedeckt. Hinzu kommen individuelle Schulgelder, Spenden und Beiträge von Fördervereinen. Durchschnittlich beträgt das Schulgeld für Eltern zwischen 200 und über 1.000 Euro monatlich. Kirchliche Träger oder Vereine bringen oft zusätzlich zu den staatlichen Zuschüssen eigenes Kapital ein, z.B. über Spenden oder Kredite.
spiegel.de: Das zahlen Eltern für Privatschulen
Organisatorischer Aufwand: Zunächst ist der Aufwand, eine geeignete private Grundschule zu finden, nicht zu unterschätzen. Hinzu kommt, dass es einen freien Platz geben muss und eventuell ein Aufnahmeverfahren erfolgreich bestanden werden muss. Wichtig ist, die langen Wartelisten zu bedenken und sich früh genug anzumelden, wenn eine geeignete Privatschule gefunden wurde.
Da die Auswahl an Privatschulen in vielen Gebieten Deutschlands noch gering ist, ist das Engagement der Angehörigen höher als beim Besuch einer staatlichen Schuleinrichtung. Nicht nur die zu bewältigenden Beförderungswege und -zeiten, auch das erwartete Engagement der Familien in der Schulgemeinschaft ist zu bedenken.
Emotionaler Aufwand: Kinder, die eine Privatschule besuchen, sind in ihrer umgebenen Nachbarschaft häufig von gleichaltrigen Kindern isoliert. Zusätzlich kann das Kind Opfer der sozialen Spaltung werden. Für ihre sozialen Kontakte außerhalb der Schule und den Aufbau kindlicher Freundschaften ist ebenfalls die Unterstützung der Angehörigen wichtig (Besuche, Vereine, Aktivitäten…)
Zu bedenken ist auch, dass Kinder in Privatschulen häufig wohlhabend sind und ihre Ausstattungen, Freizeitaktivitäten, Urlaube und Status-Repräsentationen der Eltern (z.B. Auto) dem eigenen Kind emotional Probleme bereiten können.
Fazit
Ich würde Eltern und Angehörigen empfehlen, sich schon in den ersten drei Lebensjahren des Kindes intensiv mit der Frage „Soll ich mein Kind auf eine Privatschule schicken?“ beschäftigen. Der Vorteil des Besuchs einer privaten Grundschule ist, dass es aufgrund des höheren Bildungsniveaus wahrscheinlich leichter sein wird, nach dem vierten Schuljahr auf eine anspruchsvolle Schule (z.B. auf ein Gymnasium) zu wechseln. Vier Jahre monatliches Schulgeld lassen sich – vor Allem, wenn Großeltern etwas hinzusteuern – nach der Bewältigung der Kita-Gebühren bzw. der Tagesmuttergebühren zumindest dann verschmerzen, wenn es sich um ein Einzelkind handelt.
Dipl. Päd. Uta Reimann-Höhn: Ist die private Grundschule gut für dein Kind (oder sind öffentliche Grundschulen besser)?




