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Chemnitz in Not: Hooligans und Kraftsport-Gyms nutzen Social Media für Gewaltaufrufe 0

Wir beobachten mit Schrecken in Chemnitz, wie gut die rechte Szene vernetzt ist und wie leicht es möglich ist, über soziale Netzwerke und WhatsApp bedrohliche Aufmärsche und Gewalttaten zu organisieren. Besonders Fußball-Fanclubs wie der Ultra-Club „Kaotic-Chemnitz“ sind federführend dabei. Da Hooligans häufig Ideale wie das „Recht des Stärkeren“ anhimmeln, ist es kein Wunder, wenn sich hier Nationalismus und Gewalt vereinen. Auch Kampfsport-Gyms scheinen mit dabei zu sein, wie das Schweizer Online-Magazin Watson am 29. August 2018 berichtet. Robert Claus, Rechtsextremismus-Experte und Mitglied der „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“ (KoFaS gGmbH) erklärt, warum Hooligans und Kampfsportler in Sachsen eine so wichtige Rolle bei den Zusammenrottungen spielen.

Rechte sind über Social Media bestens vernetzt

VICE für die Schweiz berichtet vom Rechten-Aufmarsch in Chemnitz am 27. August 2018

Entscheidend ist, dass es einen möglichst großen Kern an Aktiven gibt, die bereit sind, täglich mehrere Stunden Zeit zu investieren, um Botschaften und Treffpunkte zu verbreiten und die Community zu vergrößern und emotional zu steuern. Zusätzlich gibt es viele automatisierte Programme, die den viralen Effekt befördern. So können Chat-Bots sich untereinander vernetzen und über Twitter und Co bestimme Hashtags und Gerüchte promoten. Dabei wollen sie den Anschein erwecken, es handle sich um Menschen, die posten, liken, teilen, kommentieren…

Die rechte Szene ist weltweit bestens organisiert und mit technischen Mitteln ausgerüstet. das gemeinsame Anliegen (Wir vernichten das Establishment und stürzen die Welt in Chaos) gibt Kraft, Kreativität, Viralität und Ausdauer. Die Sehnsucht vieler Menschen nach einer internationalen Revolution, bei der die Finanzmärkte, Eliten, Politik-Profis vernichtet werden, kann hervorragend benutzt werden, um aufzuwiegeln und Undenkbares real werden zu lassen.

Wem nützt es?

Wir alle sind manipulierbar über Kommunikation und Werbung. Wenn die Gerüchte und Ängste ständig im eigenen Newsstream auftauchen, wenn an jeder Straßenecke darüber spekuliert und diskutiert wird, wenn Medien ständig darüber berichten, dass Flüchtlinge Deutschlands Hauptproblem sind, beeinflusst das den Bürger. Auch wenn es in Sachsen Ende 2016 nur 4,6 Prozent Migranten gab (laut dem Sächsischem Landtag) entsteht in den Köpfen ein Drohbild, das ständig präsent ist. So wie ganz Deustchland hysterisch werden kann, wenn es einen freilaufenden Kindesmörder gibt, über den täglich in den Medien berichtet wird.

Für einige Interessengruppen ist es womöglich ganz hilfreich, wenn in Deutschland mehr über „Ausländer“ debattiert wird als über wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Themen. Rente, Pflege, Armut, Bildung, Infrastruktur… der Reichtum des Landes passt nicht zu seinen Leistungen gegenüber den Bürgern. Da ist so ein medialer Blitzableiter ganz bequem 😉

Was kann Sachsen tun?

Da die gewaltbereite Szene schon sehr viele Jahre mehr oder weniger ungestört agieren konnte, sind die Strukturen etabliert und stark. Man kann davon ausgehen, dass sich in über zwanzig Jahren vielfältige Beziehungsgeflechte zwischen Politik, Gruppierungen, Exekutive, Behörden und Organisationen gebildet haben. Da es in Sachsen deutschlandweit die höchste Quote an Crystal Meth Abhängigen gibt, werden sicher auch kriminelle Milieus involviert sein. Abgesehen davon, dass Alkohol und Drogen die Ausschweifungen anfeuern. Könnte man sich solche Aufmärsche mit nüchternen Bürgern vorstellen?
Zeitonline vom März 2018: Crystal Meth ist Sachsens „Volksdroge“

Die ganze Welt spricht über Chemnitz – selbst in fernen Ländern wie Thailand wird in den Nachrichten ausführlich darüber berichtet, was hier los ist. Investoren fragen sich, ob Sachsen für wirtschaftliche Projekte überhaupt noch in Frage kommt. Natürlich tun uns die vielen Einwohner Sachsens leid, die Tag für Tag den Hooligans und Rechten ausgeliefert sind. Ich kann mir vorstellen, dass auch die Kinder in der Schule eingeschüchtert werden. Man braucht so wenige, um Massen zu terrorisieren!

Was passieren kann ist, dass Sachsen eine ähnliche Entwicklung nimmt wie US-Bundesstaaten, in denen sich der „White Trash“ mit Schnaps, Pillen und Drogen betäubt. Bei Netflix gibt es eine beeindruckende Dokumentation mit dem Titel „Heroin-en“, in der gezeigt wird, wie aussichtslos der Kampf gegen Drogen und Kriminalität ist, wenn ein Bundesstaat (hier West-Virginia) durch hohe Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven völlig verwahrlost.

Soll man mit den Rechten reden?

Was ich schade finde ist, dass die etablierten Parteien weiterhin das Gespräch mit den Rechten suchen. Ich fürchte, dass das als Aufwertung und Anerkennung verstanden wird. Schon aus der Pädagogik wissen wird, dass negatives Verhalten auf keinen Fall bestärkt werden sollte. Aber das muss Sachsen natürlich selbst wissen. Wäre schön, wenn die Polizei durch den Schock ihre Einstellung überdenkt. Wäre schön, wenn unsere Presseerzeugnisse allgemein überdenken, ob sie wirklich weiterhin das (kaum noch vorhandene) Flüchtlings-Thema so hypen wollen.

Hier noch ein Video von Vice Schweiz, das illustriert, wie aufgepusht die Hooligan-Szene und deren Sympathisanten agiert hat. Möge der Wahnsinn eingedämmt werden, bevor es zu spät ist (wenn es nicht schon zu spät ist…)

Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

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