Home / Führung / Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kommunikation, Manipulation und Magie?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Kommunikation, Manipulation und Magie? 0

Kolumne von Eva Ihnenfeldt: Heute früh hatte ich die Ehre und Freude, mit Laura Stella lange und intensiv im schönen OmaRosa zu frühstücken. Laura Stella hat sich mit einem digitalen Marketing-Gebäude selbstständig gemacht zu Schulungen und Coachings rund um „Leib und Seele“: Genuss, Selbstbestimmung und Online-Kurse zu der Fähigkeit, über digitale Medien ein eigenen Business aufzubauen. Wir sprachen auch darüber, dass ich heute abend ein YouTube-Interview führen werde mit einer Computerlinguistin. Wie kommunizieren Mensch und Maschine miteinander?  Besteht die Gefahr, dass Maschinen und Medien uns Menschen zunehmend manipulieren? Laura“ fragte ich „Was meinst Du: Was ist der Unterschied zwischen Kommunikation, Manipulation und Magie? Bin ich in Zeiten der Reizüberflutung noch Herr meiner Selbst? Oder bin ich Opfer von massenweise versendeten Botschaften, die mich zu bestimmten Meinungen und bestimmtem Verhalten bringen und zwingen?“

Erst einmal haben wir gegooglet, was „Manipulation“ wissenschaftlich bedeutet und wie sich Kommunikation, Manipulation und „Magie“ voneinander unterscheiden. Nun sind wir Beide schlauer:

Kommunikation
Kommunikation ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen zwischen zwei oder mehr Kommunikatoren, wobei Information eine zusammenfassende Bezeichnung für Wissen, Erkenntnis oder Erfahrung darstellt.
Quelle: http://lexikon.stangl.eu/535/kommunikation/
© Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Manipulation
„Manipulation bezeichnet die gezielte und verdeckte Einflussnahme auf das Erleben und Verhalten von Einzelnen oder Gruppen, wobei den Betroffenen diese Einwirkung verborgen bleiben soll.“
Quelle: http://lexikon.stangl.eu/7024/manipulation/
© Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Magie/ magisches Denken
Magisches Denken im allgemeinen psychologischen Sinn ist somit der zwanghafte Glaube eines Menschen, dass seine Gedanken, Worte oder Handlungen auf magische Weise ein bestimmtes Ereignis hervorrufen oder verhindern können.
Quelle: http://lexikon.stangl.eu/2786/magisches-denken/
© Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Also kann man sagen, Kommunikation heißt grundsätzlich, mit der Umwelt in Beziehung zu treten. Ob sich zwei Hunde beim Gassigehen austauschen, ob wir Menschen miteinander sprechen, oder ob mir ein Chat-Bot Unterstützung gibt, eine Pizza zu bestellen: Wir tauschen uns aus und machen Erfahrungen, lernen etwas, erleben etwas. Wenn der Bot mir verspricht, in der nächsten halben Stunde die gewünschte Pizza nach Hause geliefert zu bekommen und meine Erwartungen werden enttäuscht, ist die Kommunikation mit dem Computer für mich unbefriedigend. Unterschiedliche Absichten sind dafür verantwortlich, ob ein Hund mit dem Schwanz wedelt oder die Zähne fletscht – doch Manipulation ist das nicht. Manipulation beginnt erst bei verdeckten Motiven…

Wedelt der Hund mit dem Schwanz, um Freundschaft vorzutäuschen und beißt dann zu – dann hat er sein Gegenüber manipuliert. Er hat seine Absichten verdeckt, der böse Hund. Und wenn mein Chat-Bot mir freundlich empfiehlt, ihm meine Kontodaten mitzuteilen für die Pizza – und er dann mein Konto komplett abräumt, dann hat er mich manipuliert. Er hat mein Vertrauen missbraucht und mein Verhalten manipuliert.

Über „Magie“ zu sprechen ist schwierig. Viele Menschen glauben, sie könnten mit der Kraft des positiven Denkens die Realität beeinflussen, könnten Geld, Liebe, Macht, Gesundheit und Glück an sich ziehen. Einige glauben sogar, dass es hinter den Medien und der uns erscheinenden Realität „magische Strippenzieher“ gibt, die Kontrolle ausüben. Sie fühlen sich fremden Mächten ausgeliefert, die über Gedanken, Worte oder Handlungen auf magische Weise ein bestimmtes Ereignis hervorrufen oder verhindern können.

Werden wir von Bots, Fake-News und lernenden Maschinen manipuliert?

Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass Medien und andere Kommunikationserlebnisse keinen Einfluss auf mich ausüben. Wenn ich lese, dass ein Politiker kriminell ist – und wenn ich dazu eine möglichst emotional berührende Geschichte aufnehme, dann beeinflusst das meine Meinung zu diesem Politiker. Je häufiger und ausführlicher ich mit der Story konfrontiert werde, desto mehr beschäftige ich mich damit – und desto mehr verfestigt sich meine Meinung.

Meine persönliche „Filterblase“ aus Offline- und Online-Begegnungen bildet mein Urteilssystem. All die vielen Beziehungen, die ich täglich erlebe in Form von Kommunikation und den Konsum von Medien, beeinflussen mein Kaleidoskop an Bewertungen. Ich habe dabei die (meiner Meinung nach selbstbestimmte) Wahl zwischen Zustimmung, Ablehnung, Ignoranz. So erlebe ich es häufig, dass ich bei einer Überladung an Informationen und Geschichten abschalte – wie bei der menschlichen -Flüchtlings-Katastrophe, die sich tagtäglich im Mittelmeer abspielt. War ich anfangs noch leidenschaftlich berührt, bin ich nun erschreckend abgestumpft gegenüber diesem menschlichen Leid.

Die Flut der Kommunikation hat zugenommen. Man schätzt, dass wir täglich mit rund 10.000 Werbebotschaften bombadiert werden. Das bedeutet, dass wir rund 10.000 Manipulationsversuchen unterworfen sind. Schließlich will jede Werbung eine Verhaltensänderung bewirken: Kaufen, registrieren, Kontakt aufnehmen, unterschreiben, teilen, empfehlen… Wenn nun durch die Inflation an Computer-Kommunikationen auch diese manipulierenden Beziehungsangebote massenhaft ansteigen in Politik und Kommerz – macht uns das zu manipulierten, konditionierten Pawlowschen Bürgern und Konsumenten?

Meine Meinung

Ich beobachte in diesem Bundestags-Wahlkampf an mir, dass ich mich viel intensiver vorbereite als bei jeder Bundestagswahl zuvor. Täglich höre ich Podcasts, lese Berichte, konsumiere Video-Interviews mit Politikern aller Parteien. Das hat zur Konsequenz, dass ich immer abwägender und nachdenklicher werde. Klar muss ich mich entscheiden, aber mein Respekt vor dem Berufsbild „Politiker“ steigt durch jedes Interview, da die meisten sachlich und fundiert argumentieren. Abgestoßen bin ich nur bei populistischen, polarisierenden Angriffs-Rhetoriken – aber das ist sicher nicht bei jedem so. Ich bin sicher, viele Menschen mögen das sogar gerade gern.

Mein Konsumverhalten hat sich durch die vielen Werbebotschaften und Manipulations-Versuche geändert. Ich balanciere durch das Netz wie ein Tourist auf der Reeperbahn, der versucht, den vielen Türstehern so geschickt wie möglich auszuweichen. Da ich schon lange nicht mehr in dem Alter bin, in dem sich meine Identität durch Marken und Gruppenzugehörigkeiten definiert, bin ich emotional nicht mehr so ausgeliefert wie ich es vielleicht mit 16 gewesen wäre. Heute fühlt sich die Überladung durch alle Medien eher so an wie ein vollgepfropftes Buffet in einem „All You Can Eat“ Hotel. Sicher ist Einiges lecker – doch mich überkommt eher Ekel als Appetit und ich beschränke mich auf wenige bekannte Speisen, da ich voller Misstrauen bin.

Medienkompetenz als neue Menschheitsentwicklungsstufe?

Sicher sind gerade junge Menschen den vielen „Love Brands“ ausgeliefert. Das sieht man zum Beispiel bei Instagram, wo ja enorme Budgets an glaubwürdige Influencer fließen. Man vertraut den Laien-Models, die mehr oder weniger geschäftstüchtig und erfolgreich mit den Marken Deals aushandeln und ihre Fans zum Konsum von Mode, Wellness, Food, Heimausstattung und Reisen verführen. Ältere sind meist finanzkräftiger und anspruchsvoller bei ihrer Konsumauswahl – aber natürlich ist Shopping auch bis ins höchste Greisenalter bei vielen Menschen beliebt. Sei es ihnen gegönnt!

Wir alle sind, unabhängig von unseren ethischen Grundsätzen – gezwungen, unsere Medienkompetenz zu entwickeln. Wir lernen wie ein E-Sport-Profi, uns ständig zu entscheiden bei dem Kontakt mit Kommunikationsaufforderungen: Zustimmen, ablehnen, ignorieren. Wir schulen unser kindlich emotionales Gemüt, langweilige und vordergründige Stories zu unterscheiden von solchen, die uns wirklichen Mehrwert bringen. Um bei Pawlow zu bleiben: Es klingelt, es hupt, es klopft, es schreit…. irgendwann wird unser Hund nicht mehr bei jedem Leckerchen mit Speichelfluss reagieren, sondern immer anspruchsvoller auswählen, welche Konditionierung er attraktiv findet.

Wissen macht klug und führt zu Emanzipation und Selbstbestimmung. Bildung findet nicht nur in Schule und Universität statt. Manipulationsbotschaften durch Wirtschaft, Politik und Medien werden immer feinfühliger identifiziert, wenn das „Opfer“ souverän mit Quellen vertraut ist und Merkmale von Manipulationsversuchen immer sicherer erkennt.

Aus Schaden wird man klug. Die Einen lernen, wie es ist, wegen Konsumsucht mit einem überzogenen Konto leben zu müssen, die Anderen fühlen sich menschlich verraten, weil sie ihr Vertrauen zu einer Quelle bzw. zu einem Kommunikations-Gegenüber verlieren. Je mehr wir uns in der Welt der Medien bewegen und in digitale Tiefen einsteigen, desto mehr wächst zwangsläufig unsere Medienkompetenz. Ich bin sehr optimistisch, was die menschliche Zukunft angeht. Auch wenn man immer mal wieder herein fällt auf Manipulationen und Betrug, lernt man immer besser, sich davor zu schützen und sich mit Menschen zusammen zu tun, die sich gegenseitig vertrauenswürdige Quellen und Produkte empfehlen.

Das Internet bringt die ganze Welt zusammen – das lässt sich nicht einmal in China verhindern, wo jetzt Bürger nur noch mit Ausweis-Verifizierung im Netz kommunizieren dürfen. Wir Menschen sind Meister der Sprache, Meister der Kollaboration und der weitergetragenen Geheimnisse… Ich bin sicher, unsere Gehirnwindungen erleben gerade eine enorme Erweiterung durch die ständige, schnelle Verarbeitung von Reizen. Auch wenn damit eine gewisse emotionale Abkühlung verbunden sein sollte (was ich zumindest bei mir beobachte), bewerte ich die Entwicklung hin zu Medienkompetenz sehr positiv.

Sachlichkeit und Distanz sind womöglich unabdingbar, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen für alle fühlenden Wesen. Polarisierung, Leidenschaft und starke Emotionen sind in der Geschichte selten gute Ratgeber gewesen. Und Konsumtrottel als globaler Wirtschaftstreiber finde ich ok – solange ich selbst keiner sein muss 😉

Über Eva Ihnenfeldt

Eva Ihnenfeldt leitet gemeinsam mit Dennis Arntjen das Unternehmensnetzwerk Kmu-digital.net - das Netzwerk von Unternehmen im digitalen Wandel. Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien - und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt - Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites