Träume sind für mich sehr wertvoll. In der Nacht vom 23. Juli auf den 24. Juli 2023 hatte ich einen Traum, der mich berührt hat. In dieser Geschichte erzähle ich von dem Traum, was daraufhin passierte – und was es mit mir gemacht hat. Hier der Text – und das Video, in dem ich die kleine Geschichte erzähle.
Gestern war ich Braut – heute bin ich tot
Gestern früh um Fünf erwachte ich aus einem Traum, in dem ich geheiratet hatte. Sehr sorgfältig hatte ich zuvor mein Brautkleid in einem dunklen Laden ausgewählt. Ich sehe mich noch vor diesem ovalen, menschgroßen Standspiegel stehen und staunen: Das Kleid war gelb, lang, leicht, mit einem anliegenden Kragen aus Blütenkettenelementen. Ich vermählte mich dann auf einer würdigen Hinterhoffeier mit einer Frau. Mein Kleid war edler als ihr Gewand, aber das war uns gleichgültig. Es war ein ruhiger, friedlicher Traum gewesen, aus dem ich lächelnd erwachte.
Den ganzen Tag über begleitete mich dann das Bild von diesem wunderschönen gelben langen leichten Kleid. Der Stoffkragen, der an einen Kopfschmuck aus Blüten erinnerte, stand mir besonders deutlich vor Augen.
Der reale Tag gestern war gar nicht schön. Während das Brautkleid in meinem Kopf schwebte und mich gülden strahlend in meinen neuen Stand erhob, verstieß mich meine mir bekannte Welt, was mich verwirrte.
Die Menschen, denen ich begegnete, ignorierten mich, hielten sich von mir fern, reagierten auf meine Annäherungsversuche unmutig und abweisend. Eine Chorschwester sagte, als ich sie in der Chorpause freundlich ansprach „Ich muss mal an die frische Lust“. Eine andere, neben die ich mich zu Anfang der Probe gesetzt hatte, reagierte verärgert „Hast Du kein Zuhause?“ Es war unheimlich, wie sich all das Vertraute von mir zurückzog.
Gestern war ich tot
Und so wurde ich getragen in eine neue Dimension. Die alte Eva ist vergangen, die neue richtet sich schon ein in mir. ICH selbst bin die Gemahlin der Braut im gelben Kleid. Ich heiße sie willkommen, ohne eifersüchtig zu sein, weil sie das edlere Gewand trägt. Ich bewundere sie und verzeihe ihr alles, weil ich sie liebe und verehre. Mag sich die Welt von uns abwenden, es schreckt mich nicht. Sie ist ich, und ich bin sie. Meine güldene Göttin mit dem Blumenkranz um den Hals wird mich nun lenken und ich lasse es gern geschehen. Ich bin sie und sie ist ich. Ich bin gestorben und sie ist in mir erstanden. Schon trage ich ihr Medaillon an meiner Kette – das vertraute Kreuz ist im Schmuckkästchen geborgen.
Die wunderbare Medaille
„Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen“
Gestern war ich Braut – heute bin ich neu. Ein neues Augsburger Puppenspiel hat seine Vorhänge aufgezogen. Was mich wohl erwartet? Ich bin gespannt und bereit.
Eva Ihnenfeldt, 25.07.23