Geimpft oder ungeimpft – ist mir egal

Beruflich kenne ich einige Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen – meist kommen sie aus Familien, die Impfskeptiker sind, oder sie sind seit Ewigkeiten nicht mehr beim Arzt gewesen und gehen dem kompletten Gesundheits-/Krankheitskomplex aus den Weg. Niemand von ihnen hat ein Problem damit, dass ich geimpft bin. Ich selbst bin froh über die Desillusionierung, Geimpfte seien nicht mehr ansteckend. Seitdem kann es mir völlig egal sein, ob jemand geimpft ist oder nicht – welche Befreiung!

Warum ich geimpft bin

Ich bin wahrlich kein Impfenthusiast. Ich war noch nie bei einer Grippeschutzimpfung – und seit Beginn der Corona-Welle blickte ich ewig lange sehnsüchtig nach Schweden, da diese Gesellschaft es fertig bringt, in Toleranz und größtmöglicher Bürgerfreiheit zusammen zu leben.

Heute lebe ich wie ein „innerer Schwede“. Ich freue mich über die Geimpften wie die Ungeimpften, schaue gern impfkritische Videos bei YouTube und nehme einige durchaus ernst, habe eingeschränktes Vertrauen in die Politik und meide die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrer intelligenzbeleidigenden Mischung aus Alarm-Wiederholung, Belohnungs- und Bestrafungsrhetorik.

Bei den Virologen-Podcasts bin ich Streeck- und Kekule-Fan. Überhaupt finde ich, dass der MDR aufgrund der extrem kritischen Bevölkerung sich noch am ehesten die Mühe macht, auf Fragen und Zweifel einzugehen und Impfgegner zu respektieren.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

Ich habe mich impfen lassen aus folgenden Gründen:

1. Bei der ersten Impfung im Sommer 2021 war es einfach aus dem puren Pragmatismus, weiter mit Menschen arbeiten zu dürfen. Nicht nur aus Opportunismus, sondern auch, weil einige meiner Klienten Angst vor dem Virus haben. Das habe ich verstanden und respektiert. Ich selbst hatte überhaupt keine Angst vor einer Infizierung, da ich keine Vorerkrankungen habe und mir eine Infektion mit anschließender Genesung zutraute.
2. Ende Dezember 2021 habe ich die dritte Impfmöglichkeit wahrgenommen, relativ spontan, da der Impfbus direkt um die Ecke parkte und ich „zwischen den Tagen“ Zeit für gemütliche Erholung habe, ohne arbeitsmäßig funktionieren zu müssen. Warum ich mich dieses Mal darauf einließ? Und das, obwohl kein bisschen bewiesen ist, ob die aktuellen Impfstoffe überhaupt noch vor den neuen Mutanten schützen?

Ich hatte im Herbst eine Bronchitis, die mich ordentlich erschüttert hat. Noch heute huste ich. Überhaupt setze ich mich seit Monaten intensiv damit auseinander, dass ich altere. Zwar spüre ich noch keine wirklichen Ermüdungs- bzw. Verfallserscheinungen, doch seelisch trage ich einen Kampf aus zwischen der „Alphatier-Eva“ und der „Versöhnungs-Eva“, die sich bereitwillig dem Verfall und Hinwegscheiden ergibt wie das berühmte Herbstblatt im Wind.

Direkt nach der dritten Impfung schaute ich bei YouTube eine achtteilige fiktionale Serie vom Schweizer Fernsehen zum Thema „Blackout“. Was wäre, wenn wir europaweit einen längeren Stromausfall hätten? Kaum zu glauben, aber dieses Szenario hat mein Vertrauen in unsere Politik und unsere westeuropäische Handlungsfähigkeit gestärkt.
Blackout – 8-teilige Serie vom srf, bei YouTube verfügbar

OK, ich kann Politiker beschimpfen, verachten, ihre Worthülsen und Intrigen verurteilen – aber Mal ehrlich, wo auf der Welt ist es in existenziellen Krisen so behaglich, sozialverträglich und gut organisiert wie in Westeuropa? Ich bin so dankbar, hier leben zu dürfen!

Die skandinavischen Länder, die Beneluxländer, die Schweiz, Kanada, Deutschland, Österreich… Dann hört es auch schon so langsam auf mit der globalen Komfortzone. Nein, ich muss keine Generatoren kaufen für einen Stromausfall – irgendwie wird man uns schon mit Wasser und dem Lebensnotwendigen versorgen – und ja, ich bin stolz auf diese Kultur – und vor Allem bin ich dankbar, solch unverschämtes Glück zu haben, hier geboren zu sein.

Ich habe mich boostern lassen aus folgenden Gründen

1. Aus Angst vor einer schweren Covid-Infektion und vor Allem aus Angst vor Long Covid.
2. Aus Solidarität zu unserer Gesellschaft. Ich fühle mich als Teil der westeuropäischen Community und akzeptiere das allgemeine Narrativ – auch wenn wir eventuell in einigen Jahren sehen, dass es überängstlich war und dass die Impfstoffe noch nicht genügend erprobt waren.
3. Aus Opportunismus: Ich mache mit, um arbeiten zu können und relative Freizügigkeit zu erfahren
4. Weil ich in meinem Alter wenig Angst vor langfristigen Impfschäden habe. Hätte ich Kinder, würde ich das Ganze womöglich anders betrachten und mich vielleicht sogar aktiv gegen eine Impfpflicht zur Wehr setzen, weil ich Angst vor gesundheitlichen Konsequenzen für meine Kinder hätte  (wie gesagt, anstecken kann man ja auch als Ungeimpfter – und Kinder erkranken so gut wie nie bedrohlich).

An meine geliebten Impfgegner-Brüder und -Schwestern

Ich bin so berührt im Angesicht Eurer Entschlossenheit und Eurer Bereitschaft, für Eure Überzeugungen Nachteile und Sanktionen in Kauf zu nehmen. Wer später Recht behält mit seiner Einschätzung der Lage, wird man erst in einigen Jahren sehen. Niemand kann heute sagen, was das Vernünftigste wäre. Durchseuchung? Hundertprozentige Durchimpfung? Zwang? Achtung der Selbstbestimmungsrechte? Ich weiß es nicht. Aber ich mag nun mal Querköpfe vom Schlag eines Michael Kohlhaas, denn genau diese „Rechthaber-Besessenen“ tragen auf ihre unversöhnliche Weise dazu bei, dass sich etwas weiterentwickelt in der menschlichen Sichtweise.

Ich ziehe meinen Hut vor Euch und staune aus Sicht der „Versöhnungs-Alten“, wie ernst Ihr das Alles nehmt. Und ich bin dankbar, dass es diesmal kein Krieg und keine Verelendungsperiode ist, die uns aufrüttelt in unseren Gewinner-Ländern. (In Schwellen- und Entwicklungsländern herrschen durchaus Hunger, Verelendung und Gewalt seit Corona…) Kann sich natürlich noch ändern und auch bei uns in Brutalität und bitterste Armut umschlagen … und dann ist es eben so. Gerecht wäre es vielleicht…

Aber irgendwie glaube ich, wir sind schon mitten drin in der Umwälzung. Und es ist ein Wunder, wie lächerlich harmlos diese „Geist-Revolution“ sich gekleidet hat. Ja, ich mag uns Weicheier. So, und nun übe ich mich weiter in meiner versöhnlichen Altersweisheit. Macht Spaß! Neues Level, neuer Genuss.
Eure
Eva

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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