Ist Grübeln eine Sucht? Eine Flucht vor der Welt „da draußen“?

Als Kind hatte ich panische Angst vor der Welt „da draußen“. Kindergarten, Lehrer, Konfrontation mit Nachbarn, Verkäufern, überhaupt mit Erwachsenen – es war schlimm. Gut daran war, dass ich gelernt habe, mir meine eigene kleine Welt zu erschaffen (was mir heute im Bewusstsein, Gestalter meines Lebens zu sein, sehr nützlich ist) Schlecht daran war, dass ich mich permanent gefürchtet habe. Oh, wie gern wäre ich unsichtbar gewesen „da draußen“! Ich hatte Angst, zermalmt zu werden von den Erwachsenen, die Macht über mich hatten. Schrecklich war das. Lange, lange hat mich diese Angst auch als Erwachsene noch verfolgt. Vorgesetzte, vorwurfsvolle Nachbarn, Behörden… Heute weiß ich, dass ich mich als Versager empfand. Meine Aufgabe war, diese Versager-Ängste und Schuldgefühle aufzugeben. Aber wie schafft man das?

Angst vor Menschen

Viele Menschen haben Angst vor Menschen. Auch diejenigen, die in großen Familien aufgewachsen sind, kann es von klein auf treffen. Die Farbschattierungen dieser Ängste sind sehr individuell – doch eines haben all die „Menschen-Ängstler“ gemeinsam: Das Grübeln.

Menschen-Ängstler

Wir Menschen-Ängstler haben nämlich Angst davor, begutachtet, verurteilt, bestraft zu werden. Bis heute bin ich zum Beispiel allergisch dagegen, wenn Pädagogen über ihre „Fälle“ reden. Gemessen, gewogen – und für zu leicht befunden. So kommt das bei mir an. Versager: zu faul, zu dumm, zu verwöhnt, zu charakterschwach, zu egoistisch, hält nichts aus – Schwächlinge eben.

Wir Menschen-Ängstler grübeln ohne Unterlass, da wir einen Ausweg suchen aus dem Empfinden, umzingelt zu sein von Menschen, die uns beobachten, begutachten, wiegen, messen – die ihr Urteil fällen und uns bestrafen – oder die uns mit Rat-Schlägen peinigen.

Wir Menschen-Ängstler können nicht lösungsorientiert nachdenken. Wir sind ausgeliefert, umzingelt, ohnmächtig – unfähig unser Leben zu steuern und zu bestimmen.

Bild von kalhh auf Pixabay 

Es gibt Wege aus der Grübel-Unterwelt

Es ist nicht leicht, sich aus der Grübel-Unterwelt heraus Fluchttunnel zu graben. Allein schon den Entschluss zu fassen, ist nicht leicht. Ja, auch Depressionen und Grübel-Karussells sind eine Komfortzone. Wenn schon alle Welt meint, man würde nichts taugen, warum dann nicht in der vertrauten Grübel-Welt bleiben? Man muss ja verrückt sein, sich hinaus zu wagen in die Welt „da draußen“!

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Menschen-Ängstler selbst den Entschluss finden muss, etwas verändern zu wollen. Manche tun es, weil ihr Überlebenstrieb sie treibt (so war es damals bei mir, ich habe um mein Überleben gekämpft), andere tun es, weil sie von innen heraus selbst-bewusster, mutiger, neugieriger, sehnsüchtiger werden. Wieder Andere tun es, weil sie die große Liebe kennen lernen wollen, weil sie bereit sind, dafür ihre Einsamkeit zu verlassen und sich auf die Suche zu begeben.

Erst der Wille – dann die Tat

Ist der Wille zur Veränderung erst einmal gefasst, lässt sich auch eine Strategie finden. Aus der Grübelsucht zu finden ist auch nicht viel anders als aus einer anderen Sucht. Man analysiert die IST-Situation, kommt über Visionen zu realistischen Zielsetzungen, entwickelt regelrechte Trainingspläne wie im Leistungssport und findet Tricks, um den inneren Schweinehund zu erkennen und bei Bedarf zu überlisten.

Grübeln ist eine ganz spezielle Sucht. Das Gedankenkarussell können nur Menschen erleben, die wissen, was Schuldgefühle, Ohnmacht, Auslieferung und Verzweiflung sind. Menschen die sich als Gestalter ihres Lebens empfinden, denken lösungsorientiert nach bei Problemen. Grübler „wissen“, dass es keine Lösungen für sie gibt. Sie stecken in der Falle wie ein Panther im engen Käfig. Ihr Gehirn läuft wie dieser Panther im Käfig hin und her und hat gelernt, dass es für ihn kein Entrinnen gibt.

Erst wenn es Dinge gibt, für die sich die Flucht aus dem Käfig lohnt, kann der Verstand wieder lösungsorientiert nachdenken. Und glaubt mir, ihr lieben Menschen-Ängstler – es gibt immer Wege, die aus der Unterwelt führen und die Sinnlosigkeit in Sinn verwandeln, die Selbstzweifel in Selbstbewusstsein und die Ohnmacht in Gestaltungskraft. Es ist „ein langer Weg nach Laramie“ – aber es gibt ihn – versprochen.



Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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