Männer und Depressionen: Wut statt Traurigkeit?

Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt irgendwann in seinem Leben an einer Depression. Nach den Statistiken der Krankenkassen entfallen bei den Fehltagen aufgrund von depressiven Erkrankungen mehr als doppelt so viele auf Frauen als auf Männer. Doch erstaunlicherweise sind 76 Prozent der Menschen, die zur Selbsttötung greifen, männlich. Nun sagt eine Studie aus den USA, dass es sein könnte, dass Männer, die depressiv sind, eher wütend werden als traurig. Und dass aus diesem Grund männliche Seelenkrisen ganz einfach nicht erkannt werden, da die Hauptsymptome nach internationalem Klassifikationssystem vor Allem auf Antriebsschwäche und Interessensverlust aufbauen.

Wut statt Traurigkeit

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Bild von Alexander Lesnitsky auf Pixabay 

Ich habe in meinem Leben viele wütende Männer kennen gelernt, die genau an dieser Wut verzweifelt sind. Sie wollten sich wehren gegen etwas, was sie nicht einmal benennen konnten. Als würde man gegen unsichtbare Dämonen kämpfen wollen. Erfolglosigkeit, soziale Isolation, berufliches Scheitern, Scheitern in der Rolle als Liebespartner und Vater – und überhaupt der Mangel an Wichtigkeit und dem Gefühl, irgendwann etwas Bedeutendes zu hinterlassen, wenn man alt ist.

Selbstvorwürfe statt Wut

Selbstverständlich habe ich auch viele Frauen kennen gelernt, die eine Depression erfahren haben. Auch ich selbst weiß, was es bedeutet, die Herausforderungen des Lebens als quälend und gigantisch groß zu erleben. Schuldgefühle, Scham, das Gefühl der Nutzlosigkeit und des Versagens haben sich als sehr junge Frau bei mir zu einer Depression verdichtet, an die ich mich mein Leben lang gut erinnern würde. Damals habe ich mich allein da heraus gekämpft (1980 war „Depression“ auch noch kein Thema). Vielleicht habe ich damals gelernt, meine Lähmung in Tatkraft zu verwandeln. Vielleicht waren es meine männlichen Anteile, die mich damals gerettet haben und mir die Kraft gaben, ein eigenes mentales Fitness-Training gegen Sinnlosigkeit zu starten…

Das männliche Prinzip und das weibliche Prinzip

Auch glaube ich, dass jeder Mensch weibliche und männliche Anteile hat, und dass sich diese männlichen und weiblichen Anteile grundlegend voneinander unterscheiden. Das weibliche Prinzip ist in meiner Welt das empfangende, sich hingebende Prinzip, sozusagen „die Erde, die alles nährt und trägt“. Das männliche Prinzip definiere ich als die Schöpferkraft, Tatkraft, den Ehrgeiz, gewinnen zu wollen und „Feinde“ zu bezwingen.

Dürfen Männer seelisch erkranken?

Auch glaube ich, dass die Medizin weiterhin viele Probleme damit hat, sich vorzustellen, dass Männer seelisch erkranken können. Hat nicht schon Siegmund Freud sich darauf fokussiert, Frauen zu analysieren, die zu schwach sind, dem Leben und seinen Herausforderungen zu trotzen? Hysterie zum Beispiel war – soweit ich weiß – eine rein weibliche Störung. Irgendwie auch sexy und süß, aber ganz schön lästig, wenn man sich als lebenstüchtiger Mann mit so einem Eheweib oder so einer Tochter plagen muss (Gott, macht mich das Patriarchat oft wütend. Bei diesen Gedanken erwachen meine männlichen Anteile zu voller Potenz – fühlt sich gut an…)

Depressionen und Verzweiflung am Leben

Da wir in einer Zeit leben, in der körperliche Stärke und Selbstvertrauen durch Kampf und Sieg zumindest in den postkapitalistischen Systemen kaum noch eine Rolle spielen, eine Zeit, in der Männer ihren Body nur noch trainieren, um ihre Chancen bei den Weibchen zu erhöhen, sollten Mediziner sich der Realität stellen, dass auch Männer in tiefe Sinn- und Lebenskrisen geraten. Man sollte den Symptomkatalog für Depressionen (gedrückte Stimmung und Verminderung von Antrieb und Aktivität) ergänzen durch Wut.

Wut auf der Arbeit, Wut daheim, Wut auf Politiker, Wut auf die Nachbarn, Wut auf Jugendliche und Ausländer, Wut auf „Schwurbler“ und Corona-Maßnahmen. Es könnte sein, dass hinter all diesen Männern, denen wir geflissentlich aus dem Weg gehen, weil sie so negativ sind, Menschen mit einer tiefen Verzweiflung stehen. Und denen muss geholfen werden. Suizid ist keine Lösung, das muss einfach nicht sein.

Quelle – Businessinsider vom 14. Juli 2021:
Wütende Männer haben womöglich eine unentdeckte Depression

Weitere Infos:

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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