Selbstdisziplin als Schlüssel zum Glück? Ja und nein…

Es sagt sich so leicht: Selbstdisziplin ist der Schlüssel für ein erfolgreiches und erfülltes Leben. In gewisser Weise stimmt das auch. Schließlich sind ja Veränderungen ein wichtiger Faktor für die Weiterentwicklung. Doch ich habe festgestellt, dass es etwas gibt, was wichtiger ist als Disziplin und ein „eiserner Wille“: Der Mensch muss sich selbst lieben, ganz so wie er ist. Ob faul oder fleißig, beharrlich oder ungeduldig, spartanisch oder genussverliebt. Nur wer sich selbst liebt, kann den eigenen Willen finden. Ansonsten bleibt man ein Gefangener fremder Willen, die wie eine Fernsteuerung im Gehirn wirken und alles immer schlimmer machen.

Bild von alan9187 auf Pixabay 

Gestern erzählte mir ein Freund, dass es ein Computerspiel gibt, bei dem der Spieler in einer dystopischen Welt zunehmend fremdgesteuert wird von einem Wesen, das von Keanu Reeves dargestellt wird. Der Spieler startet als Auftragskriminieller und Auftragskiller, doch diese fremdgesteuerte Macht gewinnt immer mehr die Oberhand und zwingt den Spieler zu lauter Taten, die gegen den eigenen Willen gehen – bis hin zur Selbstzerstörung.

Es gibt sieben (?) Arten, wie das Spiel endet – doch in keinem der möglichen Ausgänge gelingt es dem Spieler, Keanu Reeves komplett auszuschalten – es gelingt höchstens ein Patt mit ungewisser Zukunft…

Ist nicht so auch unser Leben? Man schimpft immer auf den Egoismus, Narzissmus, das Helfersyndrom, den Neid, die anderen Gifte des Geistes, den Opportunismus… Doch wer von uns ist wirklich frei und kann überhaupt klar erkennen, was der eigene Wille ist und was mit viel eiserner Selbstdisziplin erreicht werden könnte?

Meine Coachees frage ich, wenn wir gemeinsam unsere Plan für das Coaching erstellen als Erstes, worin sie ihren „Mangel“ sehen – beziehungsweise, was ihre Mängel sind. Zunächst zählt man dann alles Mögliche auf, was Einen an sich selbst stört.

Je länger die Liste wird, desto mehr wird erkennbar, dass es eigentlich um einen Grundmangel geht, der bei uns Menschen Leid produziert: Den Mangel an Selbstliebe. Eigentlich wünschen sich alle meine Leute, dass sie sich so richtig von Herzen lieben können. Mit meiner Unterstützung (und meiner wohlbekannten Skrupellosigkeit) beginnt schon hier der erste Schritt dahin, sich diese Unverschämtheit wünschen zu lernen: „Ich will mich lieben wie ich bin“.

Im zweiten Schritt entwerfen wir Ziele. Große Ziele, Visionen, Sehnsüchte, Bitten und Wünsche. Erst wenn diese großen Ziele verbalisiert sind, können wir zurückkehren in die Realität.

In dieser Realität müssen wir uns liebhaben als das tollpatschige Mängelwesen, das wir nun mal sind. Ich versuche dann zu erklären, dass wir uns unseren Körper und alles Anerzogene und Fremdbestimmte vorstellen können wie ein geliebtes Haustier. Wir haben uns auf der Straße gefunden wie einen traurigen verlassenen Straßenhund, haben diesen mit nach Hause genommen und versuchen, ihm ein schönes Leben zu bereiten – aus Liebe.

Der eine denkt, er ist nichts wert, der andere denkt, er muss allen helfen, der dritte hat permanent die Sorge, man könne schlecht über ihn reden oder er müsste sich gegen lauter Feinde wehren. Scham, Versagen, Schuld, Ausgrenzung, Verwirrung, Lähmung, Hilflosigkeit, Schmerz, Siechtum, Krankheiten, Angst. Ja, gerade die besonders außergewöhnlichen Menschen leben in einer Schicksalsgemeinschaft mit sich selbst als sehr traurigen, verzweifelten Erdling.

Und dann kommt mein Job: Das Wunderwerk herausschälen aus dem traurigen Erdling. Die Seele zum Leuchten bringen, die sich aus irgendeinem Grund so ein schwieriges Leben auf diesem Planeten ausgesucht hat. Die genau da inkarniert ist, wo sie die Erfahrungen erleben kann, die sie gemacht hat bisher. Ferngesteuert von vielen Systemen, Wertvorstellungen, Tabus, Regeln, Belohnungs- und Bestrafungsinstanzen. Lauter Rollen, die man bewältigen muss: Familie, Schule, Arbeit, Nachbarschaft, Freunde, die eigenen Kinder, Liebespartner und und und…

Und dann geht es los mit dem Trainingscamp für die Selbstliebe. Nun muss ich zeigen was ich kann. Komme mir vor wie Clint Eastwood in „Million Dollar Baby“. Es ist oft ein langer Weg, eine mühselige Reise, aber wir haben Erfolge. Ganz werden wir unseren Keanu Reeves wohl nie los in diesem Erdenleben – aber ist erst einmal der Wille erwacht, geht eine ganze Menge.

Disziplin und beharrliches Training ist für Menschen mit Depressionen extrem schwer. Schon kleine Schritte sind ein Erfolg. Ich bewundere meine Leute dafür, wenn sie wieder einen Schritt geschafft haben in die Handlungsautonomie und ihre Erkenntnis, dass sie verdammt viel wert sind. Genau so wie sie sind. Mit ihrem Keanu Reeves, der sich natürlich auch immer einmischt, wenn wir „Erwachsenen“ uns unterhalten. Den haben wir dann auch lieb. Los werden wir ihn eh nie ganz. Ist so, und ist ok 🙂

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

steadynews.de

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