Immer mehr Lebensmitteln – zum Beispiel Lebensmitteln mit hohem Proteingehalt – werden Insektenzusätze beigefügt, meist als Pulver oder Mehl. Ob Hausgrillen, Larven des Getreideschimmelkäfers, Mehlwürmer oder Wanderheuschrecken – die meisten Insekten-Zusatzstoffe werden mit deutscher oder lateinischer Bezeichnung in der Zutatenliste angegeben und haben bisher keine E-Nummer erhalten – klassische Insekten-Farbstoffe wie Karmin sind über ihre E-Nummer erkennbar. Der Farbstoff „Echtes Karmin“ oder „Farbstoff E 120“ wird aus Schildläusen gewonnen. Die harzige Ausscheidung von Lackschildläusen wird in der Zutatenliste als „Schellack“ oder „Überzugsmittel E 904“ bezeichnet.
Allergiehinweis ist verpflichtend
In unmittelbarer Nähe der Zutatenliste muss ein Hinweis auf mögliche Kreuzallergien bei Schalen‑ und Weichtier‑ oder Hausstaubmilbenallergie vermerkt sein, was beim Überfliegen der Zutatenlisten eine Hilfe sein kann.
Typische Insekten‑Zutaten (Wortlaut-Beispiele)
In der Zutatenliste können u.a. folgende Formulierungen auftauchen:
- „teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)“
- „teilweise entfettetes Pulver aus Alphitobius diaperinus (Larven des Getreideschimmelkäfers)“
- „UV‑behandeltes Larvenpulver von Tenebrio molitor (Mehlwurm)“
- „UV‑behandeltes Pulver ganzer Larven von Tenebrio molitor (Mehlwurm)“
- „Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)“ /
- „Insektenpulver (Hausgrille)“
- „Insektenmehl (z.B. Mehlwurm)“
Proteinriegel, Snacks, Pasta, Spezialbrote
Insektenzusätze finden sich vor allem in Nischenprodukten wie Proteinriegeln, Snacks, Pasta oder Spezialbroten – und seltener in Alltagslebensmitteln des Massenmarktes. Sie werden eingesetzt, weil sie als eiweißreiche, nährstoffdichte und vergleichsweise ressourcenschonende Alternative zu klassischem Tierprotein gelten.
Typische Produktgruppen
- Proteinprodukte und Fitnessriegel: Häufig mit Mehl aus Grillen, Mehlwürmern oder anderen Insekten angereichert, um den Eiweißgehalt zu erhöhen und ein „Functional Food“-Image zu bedienen.
- Snacks (Cracker, Chips, Knabbermischungen): Insektenmehl wird zur Proteinanreicherung und als Marketing-Highlight („proteinreicher Insektensnack“) beigemischt.
- Pasta und Backwaren: Insektennudeln sowie Brot, Brötchen und Kekse mit einem geringen Zusatz von Insektenmehl (z.B. Mehlwurmpulver) sind erlaubt und werden punktuell angeboten.
Technologische und ernährungsphysiologische Gründe
- Hoher Proteingehalt und Nährstoffdichte: Viele Speiseinsekten enthalten 50–70% Protein sowie relevante Mengen an ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen (v.a. B-Vitamine) und Mineralstoffen wie Eisen und Zink.
- Gute Verarbeitbarkeit: Insekten lassen sich zu Pulver vermahlen und in Teigwaren, Riegelmassen oder Snackteigen homogen einarbeiten, ohne die Textur stark zu verändern; oft genügt eine Zugabemenge von wenigen Prozent.
- Ökologische und Marketing-Motive
- Ressourcenschonendere Produktion: Im Vergleich zu konventioneller Viehzucht benötigen Insektenhaltung weniger Futter, Wasser und Fläche und verursacht tendenziell weniger Treibhausgase, was sie als „nachhaltige Proteinquelle“ attraktiv macht.
- Profilierung und Innovation: Hersteller nutzen Insekten als „Future Food“-Thema, um sich im Markt abzuheben, neue Zielgruppen anzusprechen und ihr Sortiment als modern, klimabewusst und proteinreich zu positionieren.
- Quelle: ka-news – Die Europäische Union erlaubt immer mehr Insekten in Lebensmitteln
Und hier ein YouTube-Video vom 25. November 2025
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