Vom Kampf mit unseren inneren Dämonen

Das Leben ist kein Ponyhof. Eigentlich wollen wir ja nichts weiter als so geliebt werden wie wir sind – wie wir auf die Welt kamen. Darum rühren uns ja auch Babys so sehr! Sie sind angewiesen auf Schutz, Nähe, die Erfüllung all ihrer Bedürfnisse. Doch dann kommt die Realität und mit ihr die Erkenntnis. Zurückweisungen, Beurteilungen, Bestrafungen, Angst und Einsamkeit. Das weibliche Prinzip in uns versucht, es zu ertragen – das männliche Prinzip versucht dagegen anzukämpfen. Selbstzweifel und Ungerechtigkeitsempfinden schaffen den Raum für unsere inneren Dämonen.

Bild von 4560863 auf Pixabay 

Wir lernen, dass es kein Licht ohne Schatten gibt. Wo es das Gute gibt, da gibt es auch das Böse. In jedem Menschen leben der „Heilige“ wie der „Verbrecher“. Dr. Jekyll und Mr. Hide fordern ihre Rechte. Wie können wir mit unseren inneren Polen leben, ohne dass wir ihnen ausgeliefert sind? Ist es möglich, Kontrolle zu erlangen über unsere zerstörerischen Dämonen? Bringt es etwas, sie wegzusperren und zu versuchen, ein guter Mensch zu sein? Oder blähen wir sogar gerade dann den Mr. Hide in uns auf, wenn wir ihn ablehnen und in die tiefsten Kerker unseres Unterbewusstseins verbannen?

Von Gut und Böse

Ich kann so gut verstehen, wenn Menschen diesen Kampf mit ihren inneren Dämonen in die Außenwelt übertragen! Am häufigsten passiert das, indem man Hass oder Verachtung entwickelt gegenüber Menschen, die als Projektionsfläche dienen für genau das, was wir in uns selbst ablehnen. Skrupellose, Versager, Mächtige, Reiche, Parasiten, Perverse, Verräter und Diejenigen, die Schwächere quälen.

Lauscht man Stammtischgesprächen (oder Gesprächen in sozialen Netzwerken) erlebt man sie überall: die inneren Dämonen, die sich an äußeren Feindbildern abarbeiten, die verzweifelt versuchen, Handlungsautonomie zu erlangen durch den Kick der (moralischen) Überlegenheit.
So wie hier: Lynchmord Indiana 1930

OK, ich akzeptiere, dass es das „Gute“ nicht ohne das „Böse“ geben kann. Das Licht und Schatten miteinander verwoben sind. Aber ich akzeptiere nicht, dass wir unseren inneren Dämonen hilflos ausgeliefert sind. Und nun möchte ich Euch erzählen, wie ich das Problem vor vielen Jahren angegangen bin – und wo ich heute stehe.

Eine Eva bist Du – und eine Maria musst Du werden

Ich heiße eigentlich Eva-Maria. Mein Vater ist katholisch uns hoffte, ich würde diesem Ober-Weiblichkeits-Ideal der Bibel nach gedeihen: Unschuldig und heilig wie die Mutter Gottes – und doch auch verführerisch und weiblich attraktiv wie die Urmutter aller Menschen. Man könnte auch sagen: ich bin laut meinem Bindestrich-Namen die „Heilige und die Hure“. Und was soll ich sagen? Es hat funktioniert.

Schon früh führte ich ein Doppelleben. In meiner Heimatstadt war ich das liebe, schüchterne, sozial engagierte Mädchen – am Wochenende bei meinen Verwandten in der Zechensiedlung habe ich gesoffen und meine ersten sexuellen Erfahrungen gemacht – mit 14. Das war gut. Eva und Maria waren zufrieden mit dieser Aufteilung.

Jung wurde ich Mutter und Maria erhielt die alleinige Herrschaft. Eva verkroch sich in mein Innerstes und litt still vor sich hin. Doch mit Ende Zwanzig und einer tiefen Desillusionierung kam sie kampfbereit und wild hervor – schließlich ging es um mein Überleben! Das musste auch Maria einsehen. Ich befreite mich entgegen all meiner „heiligen“ Ansprüche. Die Wunderlampe würde entkorkt: Mein innerer Dämon war wieder da. Und ich liebte ihn.

Später sah ich ein, dass ich mit dieser Skrupellosigkeit und Gefühlskälte nicht leben konnte. Ich wollte nicht zurück – aber ich wollte auch nicht, dass meine Liebsten unter der freigelassenen Eva leiden mussten. Was tun?

Versöhnung der Mutter und der Hure…

Ich fing also an, an der Versöhnung von Eva und Maria zu arbeiten. War sozusagen mein eigener Mediator – mein Streitschlichter. Maria lernte, Eva zu bewundern – und Eva lernte, dass Maria ihr imponierte. Es war ein langer Weg nach Laramie, aber ich behaupte, ich habe es geschafft. Mein Dr. Jekyll und mein Mr. Hide verstehen sich prächtig – und ich in der Mitte profitiere davon, weil ich durch mein Engelchen und mein Teufelchen auf meinen Schultern keine anderen Menschen mehr verurteilen muss.

Hurra! Will ich jemanden moralisch verurteilen, kann ich bei mir selbst anfangen. Tausend Gelübde gebrochen, unzählige Enttäuschungen bereitet, untreu, skrupellos, selbstverliebt, vergnügungssüchtig und unverschämt. Maria hat es wahrlich nicht leicht mit ihrer unbändigen Eva, seufz. Aber Eva mag auch Maria, die ewige Weltverbesserin, die Mitfühlende, Selbstlose, Weise, die beschützende, verzeihende, freundliche Maria. Denn was Eva an Maria mag: Sie lügt nicht, spielt nicht vor wie sie ist. Sie ist einfach so, ohne dass sie dafür in den Himmel kommen will. Es ist einfach ihre Natur – und darum ist es ok.

Lass die Leute reden…

Was Beide miteinander verbunden hat? Sie haben gelernt, dass es ihnen egal ist, was die Leute über sie denken. Sie können miteinander lachen, wenn man über ihre Motive spekuliert. Sie können Grenzen setzen und „Nein“ sagen, wenn sie sich irgendwo unwohl fühlen. Sie können Altes abbrechen, wenn es nicht mehr stimmt – auch wenn sie keine Ahnung haben, wie es weiter gehen kann. Eva kämpft für Maria, wenn diese traurig ist, und Maria kämpft für Eva, wenn diese den Glauben an sich selbst verloren hat.

Versöhnt Euch mit Euren inneren Dämonen, ohne diese schön zu reden! Sie haben ihre Berechtigung, sind gewachsen aus unseren Traurigkeiten und Schmerzen. Es ist ok, einen Mr. Hide in sich zu tragen. Sobald er sich geliebt und anerkannt fühlt, wird aus den Perversionen etwas Kostbares. Schatten heißt nicht Perversität. Finsternis ist nicht gezwungenermaßen daran gebunden, sich grausam an irgendetwas rächen zu wollen, indem man es quält (oder beim Quälen genüsslich zuschaut). Lasst Eure Dämonen frei und habt sie lieb. Licht ist toll, Schatten ist toll, Gutes ist toll, Böses ist toll. Das ganze Leben ist ein Escape-Room – und der Schlüssel ins nächste Level ist auch die Versöhnung von Heiliger und Dämonin 😊

Seit fast zwanzig Jahren auf der "freien Wildbahn" hat Eva Ihnenfeldt sowohl 2004 eine eingetragene Genossenschaft für Existenzgründer gegründet als auch 2011 eine Akademie für die Ausbildung von Social Media Unternehmenden. Lange Zeit war sie Dozentin und Trainerin für Marketing, Kommunikation und Social Media. Heute arbeitet sie als Coach für Menschen im beruflichen Wandel. Ihre Stärke ist es, IST-Situationen zu akzeptieren, Visionen zu erkennen und gemeinsam mit ihren Klienten Strategien zu entwickeln, die sich auch in der Praxis bewähren. Mobil: 0176 80528749 - E-Mail: [email protected]

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